Hebammen zu finden wird immer schwieriger

Herztöne eines Ungeborenen werden kontrolliert

Hebammen zu finden wird immer schwieriger

Von Annika Franck

  • Haftpflicht der Hebammen nur ein Problem
  • Immer weniger Geburtsstationen
  • NRW-Gesundheitsministerin sieht Gesetzgeber in der Pflicht

Wie und wo möchte ich mein Kind zur Welt bringen? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. "Immer mehr Geburtsstationen werden geschlossen und die Frauen in NRW müssen immer weitere Wege bis zum nächsten Kreissaal zurücklegen", warnt Barbara Blomeier, Vorsitzende des NRW-Hebammenverbandes, anlässlich des Hebammentages am 05. Mai 2017.

Weniger Hebammen, weniger Geburtshilfe

In den vergangenen Jahren wurden in der Öffentlichkeit vor allem die stark steigenden Prämien für die Haftpflichtversicherung diskutiert. Betroffen davon sind vor allem die freiberuflichen Hebammen, die außerklinische Geburten leiten. "90 Prozent der Geburten finden aber in Kliniken statt", betont Blomeier nun. Und von der klinischen Versorgung zeichnet die Hebamme ein dramatisches Bild: "2011 gab es noch 190 Abteilungen mit Geburtshilfe. Ende 2015 waren es noch 172 - weitere Schließungen sind geplant."

Weiter Weg in die Klinik

Das bedeute für die Frauen, dass sie für die Geburt weite Wege in Kauf nehmen müssten. Immer schwieriger sei die Situation vor allem in ländlichen Gegenden wie der Eifel und im Sauerland. "Teilweise werden sie auch in Kliniken abgewiesen, weil es an Räumen und Personal fehlt", so Blomeier.

Unterschiede in der Qualität?

Hebammenschule

Wo die Geburt stattfinden soll, ist eine sehr persönliche Entscheidung

Hinweise darauf, dass daher mehr Frauen ihre Babys auf Fluren oder in Krankenwagen auf die Welt bringen müssen, sieht das NRW-Gesundheitsministerium nicht. Generell schauten sich die Frauen in der Regel mehrere Kreissäle an - entschieden sich aber nicht immer für das Krankenhaus in der Nähe, sondern etwa für das mit dem angenehmsten Ambiente. Länger als 45 Minuten soll keine Frau in NRW bis in den Kreissaal unterwegs sein - das sei schon weniger als in vielen anderen Bundesländern.

Viele kleine Kliniken bedeuten nicht automatisch eine gute Versorgung: "Wir wissen auch, dass zum Beispiel das Risiko der Säuglingssterblichkeit dreieinhalb Mal höher ist in einem Krankenhaus mit unter 500 Geburten als in einem Krankenhaus über 1.500 Geburten", betont NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens.

Geburten sind nicht planbar wie eine Knie-Operation. "Entsprechend müssten die Finanzierung von Geburtsstationen und die Honorierung einer Geburt geändert werden - damit sich Krankenhäuser die Geburtshilfe wieder leisten können", fordert Blomeier. Auch Ministerin Steffens möchte "die Rahmenbedingungen für eine natürliche Geburt wieder verbessern".

Hebammen zu finden wird immer schwieriger

Teilnehmerinnen eines Geburtsvorbereitungskurses in Augsburg sitzen auf Gymnastikbaellen

Wie sieht gute Betreuung während Schwangerschaft und Geburt aus?

Eine Maßnahme dazu seien laut Steffens so genannte Hebammengeleitete Kreissäle, in denen ein Arzt nur dann eingreift, wenn es zu Komplikationen kommt. Alarmierend ist es daher für Hebamme Barbara Blomeier, dass in Köln nun auch eine Geburtshilfestation mit einem der wenigen hebammengeleiteten Kreissäle geschlossen wird. So eine Schließung sei in der Regel die Entscheidung des Krankenhausbetreibers, der als Wirtschaftsbetrieb arbeite, heißt es aus dem NRW-Gesundheitsministerium.

Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Kliniken müsse der Bund schaffen, das gelte auch für die bessere Vergütung von Hebammenleistungen: "Wenn selbst in einer Großstadt wie Düsseldorf junge Eltern immer häufiger klagen, dass sie nur schwer oder gar keine Hebammen mehr finden, läuft im System etwas grundsätzlich schief", sagt Steffens. In diesem Punkt herrscht Einigkeit zwischen der Ministerin und Hebamme Barbara Blomeier.

Stand: 05.05.2017, 13:22