Das Wichtigste zum Hantavirus

Das Wichtigste zum Hantavirus

  • 96 Fälle bislang in NRW im Jahr 2017
  • Ein Grund dafür sind mehr Rötelmäuse
  • Einfache Vorsichtsmaßnahmen schützen uns

"Vorsicht vor Mäusen", heißt es in Elternratgebern, wenn es um das Hantavirus geht. Die Angst davor, dass sich die eigenen Kinder beim Spielen im Kindergarten oder im Park mit dem Virus infizieren könnten, ist nach wie vor verbreitet.

Das Virus kann verschiedene Krankheitsbilder verursachen, in Deutschland ist die Folge einer Infektion meist eine milde Form des hämorrhagischen Fiebers. Dieses kann Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und sogar ein akutes Nierenversagen verursachen. In vielen Fällen verläuft eine Infektion dem Robert-Koch-Institut zufolge allerdings ohne Symptome.

96 Hanta-Infektionen in NRW

Nachdem 2016 vergleichsweise wenige Fälle bundesweit und in NRW gemeldet wurden, ist die Zahl bereits in den ersten Monaten dieses Jahres wieder gestiegen. Laut Robert-Koch-Institut wurden bis Ende Mai 2017 in NRW schon 96 Fälle gemeldet und damit ebenso viele wie im Gesamtjahr 2016. Bundesweit gab es bis Ende Mai 2017 schon 672 Fälle und damit mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. "Allerdings unterliegen Hantavirus-Erkrankungen immer wieder große Schwankungen", erklärt Susanne Glasmacher, Sprecherin vom Robert-Koch-Institut. So wurden 2012 in NRW 199 Fälle registriert, im Folgejahr aber nur 22.

Das Risiko ist laut Mirko Kösterke vom Landesgesundheitszentrum NRW im ländlichen Raum prinzipiell höher, im Bundesvergleich seien vor allem die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und NRW betroffen.

Von Mensch zu Mensch wird das Virus normalerweise nicht übertragen. Das Virus wird durch Kot, Speichel oder Urin von Nagetieren übertragen, in Deutschland vor allem durch die Rötelmaus. "Für 2016 wurde uns ein hoher Buchenertrag gemeldet, die Mäuse konnten also viele Bucheckern zum Überwintern sammeln und so auch mehr Nachwuchs großziehen", so Kösterke. Das wiederum begünstige die Verbreitung des Hantavirus unter den Mäusen. "Wir rechnen daher damit, dass die Zahlen 2017 insgesamt steigen werden", sagt Kösterke. Natürlich gebe es aber auch noch einige weitere Einflussfaktoren, beispielsweise die Witterung, erläutert Kösterke.

Aufpassen bei der Gartenarbeit

Schutz vor einer Infektion bieten einige einfache Vorsichtsmaßnahmen: "Dazu gehört zum Beispiel der bewusste Umgang mit Lebensmitteln. Auch seinen Kindern sollte man beibringen, Lebensmittel verschlossen zu halten, also zum Beispiel den angebissenen Apfel nicht neben der Schaukel liegen zu lassen." So werde den Nagetieren kein Nährboden in unmittelbarer Nähe zu Menschen gegeben.

Vorsicht sei auch bei der Gartenarbeit oder beim Ausmisten des Dachbodens geboten. "Mausekot sollte man prinzipiell nur mit Schutzhandschuhen und am besten mit Mundschutz entfernen, da sich der Mensch mit dem Virus vor allem über die Atemwege infiziert", sagt Kösterke. Außerdem sei es ratsam, den Kot erst anzufeuchten, bevor man ihn aufwischt - so könne kein Staub aufgewirbelt werden.

Angst oder gar Panik seien aber immer schlechte Berater, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Das individuelle Risiko bestehe in bestimmten Regionen immer, aufpassen sollte also jeder - ganz gleich, was die Statistik sagt.

Stand: 20.06.2017, 16:26