Persönliches Glück kann man lernen

Lächelnde junge Frau bläst Konfetti aus den Händen

Persönliches Glück kann man lernen

Befreit lachen, Glück spüren, die kleinen Dinge genießen - das sollten wir uns nicht nehmen lassen, auch wenn uns in den Nachrichten täglich Meldungen über Terror begegnen.

"Wir sollten die Dinge sehen, wie sie sind", sagt Jens Hoffmann, Leiter des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. "Wir erleben eine Form von Gewalt, die an öffentlichen Plätzen willkürlich Menschen tötet, um Angst und Schrecken zu verbreiten." Als erste Reaktion sei es in Ordnung, große Veranstaltungen oder bestimmte Plätze zu meiden. Aber man sollte nicht den Alltag einschränken.

Angst eingestehen

Statistisch sei es wenig wahrscheinlich, dass ein Anschlag einen treffe, so Hoffmann. Allerdings nutze dieses Wissen wenig: "Menschen spüren keine Wahrscheinlichkeiten." Nicht sinnvoll sei, die Angst vor Terror zu verleugnen. Verdrängte Angst wirke fort, sei aber schwerer greifbar.

Dr. Jens Hoffmann

Jens Hoffmann: Der Angst keinen Platz lassen

Sinnvoller sei es, sich die Angst einzugestehen. "Aber sollen wir uns das Leben nehmen lassen?", fragte der Psychologe. Wenn man aus Furcht den Alltag einschränke, nehme die Angst immer größere Räume ein, und es könnten sich psychische Störungen entwickeln.

Der Psychologe ruft dazu auf, sich als Gesellschaft über eine Haltung angesichts des Terrors zu verständigen. "Wenn Menschen als Gemeinschaft zusammenstehen, schafft das Halt", sagt er. Der Umgang mit dem Anschlag in Berlin habe gezeigt, dass wir uns nicht durch brutalen Terror aus dem öffentlichen Leben zurückdrängen lassen, wie die weiter gehenden Besuche von Weihnachtsmärkten in Berlin und in anderen Orten gezeigt haben. "Wir können stolz sein auf die freie Gesellschaft", sagt Hoffmann.

Sich Aufgaben setzen

Glück kann man lernen - davon ist die Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry überzeugt. Man müsse sich immer wieder aktiv Situationen schaffen, die man erfolgreich zum Abschluss bringe, sagt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung in Trier.

Das könne alles Mögliche sein: Sport machen, im Job eine größere Aufgabe erledigen, das Bad putzen oder die Hecke schneiden. Wenn man etwas gezielt erledigt habe, springe das "Belohnungszentrum" im Gehirn an und schütte Neurotransmitter wie Dopamin aus, die Glücksgefühle auslösten.

Komplimente, Leidenschaften und ein Sinn im Leben

Andersherum: Wer meist passiv sei, nehme sich "die Chance auf dieses Glücksempfinden", sagt die Professorin. Denn in Zuständen der Langeweile und Demotivation würden diese Stoffe nicht ausgeschüttet. "Wer nur auf dem Kanapee sitzt, sorgt nicht dafür, dass er Erfolgserlebnisse hat und hat dadurch auch ein anderes Glücksempfinden", so die 54-Jährige.

Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry

Michaela Brohm-Badry

Lob und Komplimente würden kurzfristige Glücksgefühle auslösen. Für ein "längerfristiges Wohlbefinden" brauche es aber mehr: positive Emotionen, eine Aufgabe, "für die man brenne", stabile Beziehungen und einen Sinn im Leben - privat oder beruflich. Vieles könne man sich erarbeiten: "Man kann einen ganz großen Anteil an persönlichen Glück oder Wohlbefinden lernen", sagte sie.

Zeit zum Nachdenken nehmen

Ein zu viel an Aktivität und Stress könne Glücksempfinden allerdings auch zerstören: "Wir brauchen in unserer verhetzten Gesellschaft wieder mehr Rückzugsorte und -zeiten, in denen wir uns mit uns selbst beschäftigen", so die Wissenschaftlerin.

Entspannter Mann

Brohm-Badry: "Wir brauchen wieder mehr Rückzugsorte"

Eine ihrer jüngsten Studien mit mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen habe gezeigt, dass nach Phasen des Nachdenkens neue Motivation und Leistungsvermögen entstünden. "Wir brauchen mehr Zeiten, in denen wir einfach ruhig werden, reflektieren und bei uns sind."

Dänen sind Weltmeister im Glücklichsein

Möglicherweise sei dies auch der Grund, warum die Dänen laut Erhebungen weltweit zu den zufriedensten und glücklichsten Menschen zählten, sagt Brohm-Badry. Sie lebten die Tradition des "Hygge", der Geborgenheit und Gemütlichkeit. "Dazu gehört eben genau das: sich zurückziehen, alleine oder mit Freunden, und zur Ruhe zu kommen."

Stand: 03.01.2017, 06:00