Gesundheit per App?

Gesundheit per App?

Gesundheit per App?

Von Christiane Tovar

  • Politik fordert Standards für Gesundheits-Apps
  • Datenschutz oft nicht ausreichend
  • Chronisch kranke Menschen haben besonders hohes Risiko

Schritte zählen, Kalorien kontrollieren, Pulsfrequenz dokumentieren oder ein digitales Tagebuch führen. Das sind nur einige wenige Dinge, bei denen Apps helfen können. Und jeder Dritte nimmt diese Hilfe gern an. Das ist ein Ergebnis der Charismha-Studie, die das Bundesgesundheitsministerium gefördert hat.

Motivation für Sportmuffel

Die kleinen Programme sind Fluch und Segen zugleich. Fluch deshalb, weil sie riesige Datenmengen sammeln, von denen oft nicht klar ist, wo sie landen und was mit ihnen noch passiert. Und Segen, weil sie auch Sportmuffel dazu bringen können, sich zu bewegen, bewusster zu essen oder morgens ein kleines Trainingsprogramm zu absolvieren.

Risiko für chronisch Kranke

Ein Segen können die Gesundheits-Apps auch für chronisch kranke Menschen sein. Doch die Sache hat einen Haken. Bislang gibt es kaum Gesundheits-Apps, die nachgewiesenermaßen verlässlich sind.

Denn dazu müssten sie als Medizinprodukt zugelassen sein und das sind, nicht zuletzt wegen des komplizierten Verfahrens, nur sehr wenige. Das heißt, wenn die App die falschen Werte angibt, ist der Anbieter nicht haftbar.

Mediziner oft skeptisch

Das ist auch ein Grund dafür, warum viele Ärzte die Gesundheits-Apps eher kritisch sehen. Sie befürchten nicht nur, dass die Apps falsche Werte angeben, sondern auch, dass Patienten die Messungen falsch interpretieren könnten, weil ihnen das medizinische Wissen fehlt.

Apps können unterstützen

Experten wie Veronika Strotbaum vom Institut für Telematik und Telemedizin in Bochum findet es deshalb optimal, wenn Gesundheits-Apps Ärzte und Patienten bei der Therapie unterstützen: "Denn so gut, dass sie den Arzt ersetzt, kann eine App gar nicht sein."

Kampf um die Daten hat begonnen

Interessant ist auch, wie die Krankenversicherungen in Zukunft mit den Apps umgehen werden. Private Kassen dürfen ihre Tarife anpassen, wenn ihre Versicherten zum Beispiel mit Hilfe ihres Fitness-Armbands nachweisen können, dass sie regelmäßig Sport treiben.

Gesundheit per App?

Für die gesetzlichen Krankenkassen gilt das nicht. Aber auch sie geben Zuschüsse für Fitness-Armbänder. So wie heute von einigen gesetzlichen Kassen Sportkurse belohnt werden, könnten künftig vielleicht auch Daten von Fitness-Trackern eine Rolle im Bonusprogramm spielen.

Eines steht jedenfalls fest: Für die Versicherungen sind die Daten ein großes Kapital, zum Beispiel um Risiken und Tarife passgenauer zu berechnen.

Stand: 08.06.2017, 12:00