Immer der Nase nach

Frau riecht an Blume

Immer der Nase nach

Von Anne Debus

Blumen, Gewürze oder Früchte – bis zu einer Billion unterschiedlicher Düfte kann der Mensch wahrnehmen, die Nase beeinflusst unser ganzes Leben. Denn der Geruchssinn ist eng verknüpft mit unserem Gefühlszentrum.

Immer der Nase nach

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 10.06.2017 | 15:36 Min.

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Düfte und ihr Zugang zur Seele

Eine Mutter hält ihren Säugling dicht vors Gesicht und spricht mit ihm.

Der Geruch des eigenen Babys

Die Nase ist unser ältestes Sinnesorgan, sie hat eine direkte Verbindung zum Bereich der Emotionen. So ist in der Liebe die Nase immer mit dabei. Liebende erschnüffeln unbewusst, dass ihre Immunsysteme zueinander passen - ihre 'Chemie stimmt'. Umgekehrt werden Menschen, die sich 'nicht riechen' können, niemals ein Paar.

Auch zwischen Eltern und Kindern spielt der Geruch eine wichtige Rolle. Schon der Geruch des Babys löst bei den Eltern ein starkes Gefühl der Bindung aus.

Erinnerungen werden wach

Düfte rufen auch unmittelbare Erinnerungen hervor: Riecht man in einer Menschenmenge ein Parfum, das ein früherer Liebhaber trug, wird man unweigerlich sofort an denjenigen denken. Gerüche versetzen uns in unserer Erinnerung unmittelbar in frühere Zeiten, bestimmte Situationen oder andere Orte zurück.

Gerüche in Medizin und Forschung

Die Wirkung von Düften auf unser Gehirn ist mittlerweile medizinisch erwiesen: Düfte können entspannen und Ängste mildern, Schmerzen lindern, den Schlaf fördern oder auch anregen. Der Duft von Zedern oder Orangen etwa, mindert Ängste und hellt die Stimmung auf, Lavendel wirkt beruhigend. Viele Menschen nutzen diese wohltuende Wirkung von Düften zuhause, etwa in Badeölen oder Duftlampen. Auch auf manchen Intensivstationen verwenden Ärzte und Pfleger bereits ätherische Öle für Einreibungen oder Duftkompressen.

Muskelzellen der Bronchien können riechen

Eine Nase von der Seite

Düfte wirken auf unser Gehirn

Der mögliche medizinische Nutzen geht aber noch viel weiter: Forscher haben nachgewiesen, dass Riechrezeptoren sich nicht nur in unserer Nasenschleimhaut, sondern auch in vielen anderen Organen und Körperzellen befinden. So nehmen auch die Muskelzellen der Bronchien Düfte wahr. Auf eine bestimmte Komponente aus dem Geruch von Bananen und Aprikosen etwa, reagieren die Bronchien, indem sie sich erweitern - das könnte Asthmatikern helfen.

Besonders in Krebszellen haben Forscher extrem viele Duftrezeptoren nachgewiesen, auf manche Duftstoffe reagieren sie mit einem Wachstumsstopp. Das könnte ein vielversprechender neuer Ansatz zur Krebstherapie sein.

Wenn die Nase streikt

Ungefähr jeder zwanzigste Mensch leidet unter einer Riechstörung, der so genannten 'Anosmie'. Sie kann durch einen Unfall oder eine Nebenhöhlenentzündung ausgelöst werden, aber auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung wie etwa Alzheimer sein. Den Betroffenen geht ein großer Teil ihrer Lebensqualität verloren. Zum Beispiel schmeckt man ohne Geruchssinn kaum noch etwas – für rund 80 Prozent des Geschmacks ist der Geruch verantwortlich.

Auch die Selbstständigkeit leidet: Kann ich das T-Shirt noch mal anziehen, oder muss es in die Waschmaschine? Ist die Wurst noch gut, oder sollte ich sie besser wegwerfen? Schwer zu beurteilen, wenn man nichts riecht. Der fehlende Geruchssinn kann sogar lebensgefährlich sein, wenn man etwa den Geruch von Gas oder Rauch nicht wahrnimmt. Es gibt aber Hoffnung – ein gezieltes Riechtraining kann helfen, den Geruchssinn wieder zu erlangen.

Stand: 09.06.2017, 00:00