Mit Genen gegen Krebs: CAR-T-Therapie lenkt Immunsystem auf Tumorzellen

Krebszelle

Mit Genen gegen Krebs: CAR-T-Therapie lenkt Immunsystem auf Tumorzellen

  • CAR-T-Therapie hat in klinischen Studien überzeugt
  • Körpereigene T-Zellen mit Gentechnik scharf gemacht
  • Sturm im Immunsystem als Nebenwirkung

Nach mehr als 20 Jahren Forschung ist die erste Gentherapie gegen Krebs in den USA zugelassen worden. T-Zellen der körpereigenen Immunabwehr werden bei dieser Heilmethode im Labor scharf gemacht. Zurück im Körper des Patienten, spüren die T-Zellen verborgene Tumorzellen auf und zerstören sie.

Gentherapie erfolgreich gegen Leukämie

Zunächst sollen die so genannten CAR-T-Zellen schwer kranken Leukämiepatienten helfen, bei denen andere Behandlungen nicht anschlagen. Dieser Patientengruppe konnte in mehreren klinischen Studien durch die neue Therapie geholfen werden, nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig. "Jetzt bricht wahrscheinlich eine neue Ära der Leukämiebehandlung an", jubelt Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen.

Aufrüstung für das Immunsystem

Krebs ist deshalb so gefährlich, weil das Immunsystem der Patienten die Tumorzellen nicht als Bedrohung erkennt. Deshalb hatten Wissenschaftler schon vor über 20 Jahren die Idee, körpereigene Immunzellen (T-Zellen) der Patienten so zu verändern, dass sie die aus dem Ruder gelaufenen Krebszellen erkennen und bekämpfen können.

"20 Jahre von der Idee bis zur Zulassung einer Therapie ist kein langer Zeitraum", erklärt Hinrich Abken. Der Genetikprofessor von der Kölner Universitätsklinik war von Anfang an der Entwicklung der neuen Therapie beteiligt. Für ihn ist die Zulassung der Methode zunächst in den USA und anschließend voraussichtlich in Europa das Ergebnis langer systematischer Arbeit. "Das Grundprinzip besteht darin, die Immunzellen des Patienten gegen den eigenen Tumor zu richten", erläutert Hinrich Abken.

Spürnase auf der T-Zelle

Bereits in den 1990er Jahren ist es Wissenschaftlern gelungen, bestimmte Zellen des Immunsystems (T-Zellen) mit einem spezifischen Antikörper auszustatten. Dieser Antikörper sitzt als Rezeptor (Empfänger) auf der Außenhülle der T-Zellen. Er ist genetechnisch so konstruiert, dass er typische Merkmale (Antigene) auf den Tumorzellen erkennt. Verbunden ist der Rezeptor mit einer Struktur an der Innenseite der Zellhülle. Zusammen werden beide Teile als CAR bezeichnet: Chimärer Antigen-Rezeptor.

Sobald der außen sitzende Rezeptor eine Tumorzelle aufgespürt hat, schaltet die Innenseite auf Angriff. Sie setzt in der Zelle eine Signalkette in Gang, und die T-Zellen greifen an. Sie bekämpfen die Tumorzellen und aktivieren andere Immunzellen im Blut.

Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

In klinischen Studien profitierten die meisten Leukämie-Patienten von der neuen Methode. Vereinzelt kam es aber auch zu erheblichen Nebenwirkungen. Bei einem so genannten "Zytokin-Sturm" führen Botenstoffe des Immunsystems zu einer starken Entzündungsreaktion. Hinrich Abken ist jedoch optimistisch, dass Ärzte diese Überreaktion des Immunsystems in den Griff bekommen werden: "Mit der zunehmenden Anzahl Patienten beginnt man zu lernen, diese und andere Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln, so dass die Durchführung einer CAR-T-Zell-Therapie sicherer wird."

Stand: 31.08.2017, 20:25