Gender-Gap in der Medizin: Frau Doktor und Herr Professor

Ein Ärzteteam steht am Krankenbett einer Patientin

Gender-Gap in der Medizin: Frau Doktor und Herr Professor

Von Marion Kretz-Mangold

  • Immer mehr Frauen in NRW werden Ärztin
  • In der Wissenschaft haben aber weiter die Männer das Sagen
  • Medizinerinnen berieten dazu am Mittwoch (08.03.2017) in Essen

Seit gut 100 Jahren dürfen Frauen Medizin studieren - seitdem hat sich das Geschlechterverhältnis gedreht: Zwei Drittel der Erstsemester im Numerus-Clausus-Fach sind weiblich. Genug Nachwuchswissenschaftlerinnen also, die es an die Spitze schaffen könnten. Aber den Weg bis zur Frau Professor gehen nur wenige.

64 Prozent der Medizinstudenten in NRW sind weiblich, der Frauen-Anteil an Promotionen liegt bei 58 Prozent - aber nur bei 16 Prozent, was Professuren betriff: Ein "Gender Gap", an dem sich trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Gleichstellungsquote in NRW nichts geändert hat. Auch in den Vorständen und Institutsleitungen sind Frauen kaum vertreten, die Dekanate der medizinischen Fakultäten in NRW sind allesamt von Männern besetzt.

Gender-Report mit Schwerpunkt auf Hochschulmedizin

Uni-Klinik Köln

Auch die Uniklinik Köln wurde erfasst

Fakten dazu hat das NRW-Hochschulministerium in einem "Gender-Report 2016" geliefert. Dafür wurde die Stellensituation an den sieben Uni-Kliniken des Landes erfasst und der wissenschaftliche Nachwuchs interviewt. Außerdem wurden Klinikleiter und Gleichstellungsbeauftragte befragt: Was hält die Frauen auf dem Weg nach oben auf?

Angst vor dem Ärger

Ärzte

Strenge Hierarchie

Ergebnis: Wer an die Spitze will, muss nicht nur forschen, ausbilden und behandeln - eine Dreifachbelastung, die auch Männern zu schaffen macht. Frauen wird außerdem nachgesagt, weniger risiko- und konfliktbereit zu sein und deswegen an der Hierarchie zu scheitern. Ein Vorurteil?

Schichtdienst, Forschung - und Familie

Besonders gravierend in den Augen der befragten Experten: Wer Kinder bekommt, belastet sich noch mehr. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer noch ein Problem der Mütter, heißt es. Die arbeiten oft nur noch Teilzeit, weil es keine Kinderbetreuung gibt, brechen Forschungsprojekte ab, mit denen sie sich profilieren könnten.

Die nächste Generation soll es richten

Die Frauen, obwohl hochqualifiziert, fallen also für die Leitungsebene aus. "Absolut schwachsinnig", so einer der Befragten, auch angesichts des Fachkräftemangels in der Medizin. Zumindest einige der Führungskräfte hätten aber erkannt, dass ein Bewusstseinswandel nötig sei. Der wird wohl auf sich warten lassen: Von innen heraus werde sich das System kaum ändern lassen, heißt es im Gender-Report - Hoffnungsträge sei die nächste Generation.

Stand: 08.03.2017, 07:00