Menschen verhalten sich bei Feueralarm anders als gedacht

Einfamilienhaus Anbau in Flammen Erschwerte

Menschen verhalten sich bei Feueralarm anders als gedacht

Von Marcus Schwandner

  • Menschen erkennen die Gefahr nicht und reagieren kaum.
  • Sie nutzen nicht den kürzesten Fluchtweg, sondern den Eingang.
  • Sie laufen freiwillig durch gefährlichen Qualm.

U-Bahnhof Deutsche Oper in Berlin, es ist das Jahr 2000: Der letzte Wagen der U-Bahn brennt. Einige der 350 Menschen auf dem Bahnsteig bleiben stehen, gehen sogar in den Wagen hinein, um zu fotografieren. Andere kommentieren den Rauch mit Applaus.

Menschen brauchen Informationen

"Sie müssen die Gefahr erst erkennen und für sich als gefährlich einstufen", weiß die Psychologin Dr. Laura Künzer aus Studien. "Sie verstehen Alarme oder Warnungen durch andere Menschen nicht und reagieren daher falsch."

Herdentrieb verleitet zum Bleiben

"Haben Menschen zu wenige Informationen," so Künzer, "schauen sie einfach, was die anderen machen. Die bleiben, also ist es auch für mich nicht gefährlich." Der soziale Einfluss könne sogar dazu führen, dass Menschen durch den Rauch gehen, wenn andere vorangehen.

Flüchtende nehmen selten den kürzesten Weg

Fluchtweg bei Gefahr

Fluchtwege werden oft nicht genutzt

Auch das zeigen Studien von Laura Künzer: "Die meisten nehmen den Weg, den sie kennen, und das ist der Eingang. Oft sind Fluchtwege auch dunkel oder unbekannt. Da läuft niemand gerne rein."

Männer verhalten sich anders als Frauen

Männer zeigen eher Erkundungsverhalten. Sie wollen rauskriegen, was da los ist. Frauen hingegen alarmieren schneller die Feuerwehr und retten Angehörige. Das zeigen Untersuchungen nach Bränden.

Menschen gehen sogar zurück in den Qualm

Einfamilienhaus Anbau in Flammen Erschwerte

Rauch ist lebensgefährlich

"Die eigene soziale Rolle ist dabei relevant," erklärt Laura Künzer. "Eltern laufen wieder in brennende Räume, um ihre Kinder zu retten". In Fallanalysen liefen aber auch Menschen zurück, um ihre Jacke zu holen. Sie wüssten nicht, dass Qualm lebensgefährlich ist.

Rauch ist extrem giftig

Der Leverkusener Feuerwehrbereichsleiter Hermann Greven warnt vor dem Qualm. "Ist der Weg schon verraucht, würde ich abwarten. Wenige Atemzüge Qualm und man ist ohnmächtig. Also auf gar keinen Fall in den verrauchten Bereich zurück." Denn die Feuerwehr sei schnell da und könne unter Atemschutz Menschen retten.

Konsequenzen für Neu- und Umbauten

  • Fluchtwege müssen attraktiv sein. Niemand rennt in dunkle Gänge, wenn es brennt.
  • Durchsagen z.B. in U-Bahnhöfen müssen schon vorsorglich absolut klar geregelt und dann eindeutig sein.
  • Alarme und Warnungen müssen eindeutig und dringlich gestaltet sein.
  • Personal muss deutlich auftreten und die Menschen führen.

Stand: 09.05.2017, 06:00