Embryonenspende in Deutschland

Künstliche Befruchtung

Embryonenspende in Deutschland

Von Doris Arp

  • Bei künstlicher Befruchtung bleiben häufig Embryonen übrig
  • Manche Paare spenden anderen Paaren diese Embryonen
  • Juristisch und ethisch ein Problem

Sie liegen zu tausenden eisgekühlt in den Fortpflanzungszentren: Befruchtete Eizellen aus abgeschlossenen Kinderwunschbehandlungen. Sie sind oft noch im Vorkernstadium, also legal keine Embryos, würden aber welche, wenn man sie auftaut und damit die vollständige Verschmelzung von Eizelle und Spermium zulässt. "Das könnten glückliche Kinder werden, aber die meisten landen im Abfalleimer."

Deshalb hat der Psychologe Hans-Peter Eiden 2013 zusammen mit bayrischen Fortpflanzungsmedizinern das Netzwerk Embryonenspende als Verein gegründet. 19 Kinder sind inzwischen aus einer solchen Embryonenspende geboren. Etliche Frauen sind schwanger und allein in NRW stehen 50 Paare auf der Warteliste.

Embryonenschutzgesetz veraltet?

Paar mit Denkblase, in der ein Kinderwagen zu sehen ist

Für viele bleiben Kinder nur ein Traum

Etwa ein Viertel aller Paare zwischen 20 und 50 Jahren sind in Deutschland ungewollt kinderlos. Für sie klingt es paradox, dass die Samenspende erlaubt ist, eine Eizellspende aber nicht. Sie verbietet das Embryonenschutzgesetz von 1990.

Man wollte damals dem Kind eine doppelte Mutterschaft nicht zumuten und zugleich jede Form von Manipulation und Forschung an werdendem Leben verhindern. Als wissenschaftlich und ethisch überholt, fordern Reproduktionsmediziner seit Jahren eine Anpassung der Rechtslage. Das Netzwerk könnte da neuen Druck ausüben.

Kinderwunsch-Tourismus

Was hierzulande verboten ist, ist anderswo erlaubt. Und so blüht das Geschäft mit dem Kinderwunsch-Tourismus insbesondere in Spanien, Tschechien, Rumänien und der Ukraine. Sofie (42) und Thomas (46) hatten einige Jahre in Deutschland alles versucht, ohne Erfolg. So sind sie in eine private Klinik im tschechischen Karlsbad gefahren. Dort haben sie für 7.000 € eine Embryonenspende erhalten.

In der Regel sind es junge Studenten und Studentinnen, die anonym ihre Eizellen und Samen gegen ein Honorar abgeben. Gerade die Eizellspende kann gesundheitliche Folgen für die Frauen haben. "Die finanzielle Notlage der Frauen in diesen Ländern wird so ausgenutzt", kritisiert Prof. Sigrid Graumann vom Deutschen Ethikrat. Sofie ist inzwischen im 8. Monat schwanger und glücklich: "Jetzt bin ich vollständig. Es wächst in meinem Bauch, es ist mein Kind."

Lange Warteliste für Embryonenspende

Das Netzwerk hat eine lange Warteliste, denn es fehlt an Paaren, die ihre eingefrorenen Keimzellen spenden. "Dabei gibt es nur Gewinner", findet der Psychologe Eiden. "Die abgebenden Eltern müssen ihre Schneeflöckchen nicht mehr wegwerfen." Für die aufnehmenden Eltern erfülle sich der ersehnte Kinderwunsch ohne, dass Geld im Spiel ist. Und die Kinder? "Sie dürfen leben."

Aber sie müssen auch mit einer komplizierten Entstehung aus vier Elternteilen zurechtkommen. "Und damit, dass sie ihre genetischen Eltern möglicherweise nie kennen lernen", gibt Anne Meier-Credner zu bedenken. Sie ist Psychologin und Sprecherin des Vereins Spenderkinder, einem Zusammenschluss von Menschen, die aus einer Samenspende entstanden sind.

Psychische Probleme denkbar

Handling von Eizellen/Embryonen in einer Kulturschale am Stereomikroskop

Viele Kinder erfahren nie von ihrer Herkunft

Der Verein schätzt, dass die Mehrzahl der betroffenen Kinder über ihr Zustandekommen nicht aufgeklärt wird. Und internationale Studien belegen, dass eine im Labor zusammengebaute Herkunft psychische Probleme bereiten kann. Besonders dann, wenn die Kinder erst spät oder gar nicht aufgeklärt werden. Denn manchmal entwickeln solche Familiengeheimnisse ein ungutes Eigenleben.

Recht auf Kenntnis der Herkunft

Deshalb hat das in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegte "Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft" das Bundesverfassungsgericht 2015 noch einmal bestätigt. Kinderwunschpraxen müssen die Samenspender seither dokumentieren und zugänglich machen.

Das Netzwerk Embryonenspende hinterlegt die Spender-Informationen bei einem Notar. Allerdings kann niemand die Eltern zur Aufklärung zwingen. Sofie wird ihre in Tschechien gespendete Tochter bald zur Welt bringen und niemand wird daran zweifeln, dass sie ihre leibliche Mutter ist. Das Paar will erstmal über das Zustandekommen schweigen.

Ein rechtlicher Graubereich

Ungeklärt ist noch, ob Unterhalts- und Erbansprüche gegenüber den genetischen Eltern bestehen. Und der Rechtsstatus der tiefgefrorenen Keimzellen ist offen, da sie legal noch keine Embryonen sind. Das Netzwerk wirft also ethisch und rechtlich offene Fragen auf, die der Gesetzgeber nach Auffassung des Deutschen Ethikrates dringend beantworten muss.

Stand: 14.05.2017, 08:50