Möglicher Auslöser für Multiple Sklerose entdeckt

Forscherin im Labor

Möglicher Auslöser für Multiple Sklerose entdeckt

Von Sümeyye Algan

Es könnte eine kleine medizinische Sensation sein. Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen verkünden einen Durchbruch bei der Frage, wodurch Multiple Sklerose ausgelöst wird.

Multiple Sklerose, auch bekannt als die Krankheit mit tausend Gesichtern, ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Bei der Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem den eigenen Körper an. Ärzten und Patienten gibt MS seit Jahrzehnten viele Rätsel auf. Neue, wichtige Antworten für eine mögliche Therapie liefert jetzt ein Team der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Patienten können darauf hoffen, dass sich aus den Forschungsergebnissen eine völlig neue Chance zumindest auf Linderung der Symptome ergibt.

Blutgerinnung im Fokus

Neurologe Christoph Kleinschnitz

Neurologe Christoph Kleinschnitz

Ein bisschen stolz sind sie schon, der Essener Neurologe Christoph Kleinschnitz und sein Team. Ihre Erkenntnisse könnten ein echter Durchbruch bei der Erforschung und der Behandlung der Multiplen Sklerose sein. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Münster haben die Forscher aus Essen Bestandteile des Blutgerinnungssystems ins Visier genommen. Viele Jahre haben sie geforscht und experimentiert. "Wir haben in unseren Studien herausgefunden, dass ein Blutgerinnungsfaktor in der Entstehung der Multiplen Sklerose eine wichtige Rolle spielten könnte", erklärt Christoph Kleinschnitz. "Und dieser Faktor kann auch das Immunsystem beeinflussen. " Die menschliche Blutgerinnung setzt sich aus insgesamt 13 Gerinnungsfaktoren zusammen. Faktor 12 steht nun im Fokus. Die Forscher konnten nachweisen, dass er bei MS-Patienten während eines akuten Schubs besonders hoch ist.

Neue Hoffnung für Patienten

Raubwanze auf Haut

Die Spur zu einer möglichen Therapie liefert ausgerechnet eine blutsaugende Wanze. Aus ihr haben die Forscher ein Protein gewonnen, auf das sie jetzt große Hoffnungen setzen, denn mit dessen Hilfe könnte der krankmachende Faktor bei MS-Patienten gehemmt werden. Das aus der Wanze gewonnene Protein Infestin-4 hat in Tiermodellen  wirkungsvolle Ergebnisse erzielt. Es besitzt die Eigenschaft, den Gerinnungsfaktor 12 blockieren zu können - sogar dann noch, wenn beim Patienten bereits neurologische Symptome ausgebrochen sind. Bei eintretenden Lähmungen, Sehstörungen, Taubheitsgefühlen bis hin zu Muskelkrämpfen, könnte also zukünftig medikamentös eingegriffen werden. Für die Patienten bedeutet das eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität. Allerdings werde es wohl noch einige Zeit dauern, bis ein Medikament zur Verfügung steht und zugelassen ist, prognostiziert Christoph Kleinschnitz.

Stand: 12.07.2016, 06:00