Wenn Menschen mit Down-Syndrom alt werden

Dennis Lawrenz

Wenn Menschen mit Down-Syndrom alt werden

  • 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag
  • Mehr als 50.000 Menschen mit Down-Syndrom leben in Deutschland
  • Menschen mit dieser Behinderung werden immer älter
  • Viele von ihnen leiden unter Demenz

Dennis Lawrenz ist 32 Jahre alt und lebt noch zuhause bei seinen Eltern. Dennis hat Trisomie 21. Bisher habe es sich einfach nicht ergeben, dass ihr Sohn auszieht, sagt seine Mutter Rita. Doch jetzt suchen seine Eltern nach einer geeigneten Wohnmöglichkeit für Dennis.

Denn Rita Lawrenz wird im nächsten Jahr 65. Sie möchte, dass ihr Sohn gut untergebracht ist, wenn sie und ihr Mann sich eines Tages nicht mehr um ihn kümmern können.

Menschen mit Down-Syndrom kommen ins Rentenalter

Die Lebenserwartung von Menschen mit Down-Syndrom steigt dank des medizinischen Fortschritts in den vergangenen Jahren immer weiter. Bis vor dreißig Jahren starben drei Viertel der Menschen mit Down-Syndrom vor der Pubertät. Nur zehn Prozent wurden älter als 25 Jahre. Heute können Menschen mit der Behinderung über sechzig Jahre alt werden.

"In unserem Haus betreuen wir jetzt die erste Generation von Menschen mit Down-Syndrom, die in Rente gehen", sagt Petra Bender von der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr-Hagen. Sie leitet eine Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen, unter denen auch einige mit Trisomie 21 sind, wie das Down-Syndrom heute in der Regel genannt wird.

Hauptrisiko: Demenz

Dennis Lawrenz

Rita Lawrenz will ihren Sohn auch in Zukunft gut versorgt wissen

Eine der größten Herausforderungen: Menschen mit dieser Behinderung altern sehr schnell und sie leiden überdurchschnittlich häufig an Demenz. Dazu kommt, dass die Krankheit früher beginnt als bei Menschen ohne Behinderung. Darauf weist die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hin. So ist es nicht selten, dass Menschen mit Trisomie 21 bereits vor ihrem 40. Lebensjahr an Alzheimer, einer häufigen Form der Demenz, erkranken.

Die Träger müssen sich deshalb umstellen. Statt Betreuung wird deshalb auch die Pflege immer wichtiger. Einige Träger, wie zum Beispiel die Lebenshilfe schulen ihre Mitarbeiter auch in der Palliativpflege, damit die Bewohner möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. "Wenn es irgendwie geht, möchten wir die Menschen bis zu ihrem Tod begleiten", sagt Petra Bender. Aber auch für Bewohner, die besonders intensive Pflege brauchen, hält die Lebenshilfe einige Plätze bereit.

Zu wenig gute Konzepte für ältere Menschen

Rita Lawrenz hofft, dass sie für ihren Sohn eine Einrichtung findet, in der er auch im Alter noch gut betreut werden kann. Einfach wird das nicht. Denn gute Wohn- und Betreuungskonzepte für ältere Menschen mit Behinderungen sind absolute Mangelware. "Das hat die Gesellschaft überhaupt nicht im Blick“, kritisiert Rita Lawrenz. "Wenn es gar nicht passt, muss Dennis halt wieder nach Hause kommen. Noch sind wir ja da."

Stand: 21.03.2017, 06:00