Die Kleine Anfrage - Warum verfilzt Wolle?

Wollpullover in der Nahaufnahme

Die Kleine Anfrage - Warum verfilzt Wolle?

Von Verena von Keitz

Wolle kann sich in der Waschmaschine in einen dicken Filzklumpen verwandeln. Doch wann verfilzt Wolle? Handwäsche in kaltem Wasser, nur mit Haarshampoo, nie schleudern, nicht wringen - welche Ratschläge sollte man befolgen?

Wollstoff ist von Natur aus anfällig für das Verfilzen, weil die Oberfläche von Tierhaaren wie Schafswolle schuppig-rau ist wie die Schuppen eines Tannenzapfens.

Die Faser ist Schuld

Diese schuppige Oberfläche führt dazu, dass Wollfasern bei der Bewegung in Wasser – nichts anderes ist Waschen – nur in eine Richtung aneinander vorbeigleiten können, ohne zu verhaken. Die Fäden wandern also aneinander vorbei, können nicht mehr zurück – und ziehen sich immer enger und fester zusammen - im Gegensatz zur Baumwolle, die aus pflanzlichen Fasern besteht und eine glatte Oberfläche hat. Baumwollfasern können im Wasser in beiden Richtungen aneinander vorbeigleiten und deshalb immer wieder die ursprüngliche Lage einnehmen.

Einfluss der Waschtemperatur

Verstärkt wird der Verfilzungs-Effekt bei Wolle noch durch höhere Temperaturen. Denn in warmem Wasser quellen die Wollfasern auf, spreizen die Schuppen stärker ab und verhaken sich noch mehr. Auch die Beschaffenheit der Wolle hat einen Einfluss auf die Filzneigung: Glatte Wollpullover aus fest gedrehtem Garn sind weniger empfindlich aus flauschige Wuschelpullis, in denen die Wollfasern in lockerem Verbund nebeneinander liegen.

Neue Garne schonen die Hände von Hausfrau und -mann

Und die Textilindustrie hat inzwischen auch nachgezogen: Wollfasern werden oft so behandelt, dass ihre Oberfläche glatter wird und die Fasern im Wasser gut aneinander vorbeigleiten – in beide Richtungen. Kleidungsstücke aus derart behandelter Wolle lassen sich normal in der Maschine waschen ohne zu verfilzen. Sie sind mit einem entsprechenden Pflegesymbol auf dem Kleidungsschildchen gekennzeichnet.

Also wie jetzt?

Insgesamt gilt: Wolle am besten im Wollwaschgang oder mit der Hand bei maximal 30 Grad Celsius waschen, nur leicht schleudern (vor allem, wenn die Wäsche noch sehr nass ist, die Fasern also noch im Wasser "schwimmen"), vorzugsweise auf dem Wäscheständer liegend trocknen. Kräftiges Auswringen verursacht Knittern. Haarshampoo als vermeintlich sanftes Reinigungsmittel ist aber überflüssig – es ist für die Wolle nicht schonender,  aber deutlich teurer als normales Wollwaschmittel.

Stand: 15.09.2016, 10:15