Trumps Gesundheit: Wie seriös sind Ferndiagnosen?

Donald Trump

Trumps Gesundheit: Wie seriös sind Ferndiagnosen?

Von Matthis Dierkes

  • US-Präsident Trump sorgt bei Auftritten immer wieder für Verwirrung
  • Seine Kritiker sehen in seinem Verhalten Anzeichen für psychische Probleme
  • Psychiater sind bei solchen Ferndiagnosen aber vorsichtig

Eines ist Donald Trump ganz sicher: ein Freund einfacher Sprache. Er bezeichnet die Berichterstattung über ihn am liebsten als "fake news" und Terroristen als "evil losers" (zu Deutsch: teuflische Verlierer).

Gerüchte über Trump: Wie seriös sind Ferndiagnosen?

WDR 5 Leonardo Top Themen | 10.07.2017 | 06:33 Min.

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Das allein wäre erstmal kein Grund zur Sorge. Dazu kommt aber, dass Trump auch dafür bekannt ist, Sätze zu bilden, die offensichtlich keinen Sinn ergeben, und einzelne Wörter gleich ganz wegzulassen.

Stress als mögliche Ursache                                                   

Das US-Portal statnews, ein Ableger der Tageszeitung Boston Globe, hat Trumps öffentliche Auftritte über mehrere Jahrzehnte untersucht. Die Journalisten holten sich dafür Hilfe von Psychologen und Psychiatern. Einige waren bekennende Trump-Anhänger, andere das genaue Gegenteil.

Das Ergebnis: Alle Experten stellten fest, dass sich Trumps Sprache mit der Zeit verändert hat. Er macht kürzere Sätze, benutzt weniger Wörter und wiederholt sich. Als mögliche Ursache sehen einige der Wissenschaftler Stress und Schlafmangel: "Seine Sprachprobleme könnten mit dem Druck im Amt zusammenhängen. Oder mit den ganzen Skandalen um ihn herum", sagt der Neuropsychologe Sterling Johnson dem Portal statnews.

Sprachqualität nimmt bei fast jedem ab

Auch Trumps fortgeschrittenes Alter könnte eine Rolle spielen. Er war 70, als er Präsident wurde - so alt wie kein anderer Präsident beim Amtsantritt. "Die Forschung zeigt, dass quasi niemand mit 70 so scharfsinnig ist wie mit 40", erklärt der Psychologe Dan McAdams bei statnews.

Ferndiagnosen gelten als unseriös

Immer wieder äußern sich Psychologen zur Gesundheit und Psyche von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Der US-Psychologe John Gartner etwa hat Trump schon häufiger eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert.

Solche Ferndiagnosen gelten unter Psychiatern grundsätzlich als unseriös. Die American Psychiatric Association hat diese sogenannte "Goldwater-Regel" schon vor Jahrzehnten aufgestellt. Sie besagt, dass eine Diagnose unethisch ist, so lange der Psychiater einen Patienten nicht persönlich untersucht hat. Nach Trumps Wahlerfolg wurde die Regel sogar noch einmal konkretisiert.

Diagnosen: Aufgabe der Sicherheitsbehörde

Ferndiagnosen sind demnach auch dann nicht erlaubt, wenn ein Psychiater das Land und die nationale Sicherheit in Gefahr sieht. Das zu beurteilen sei ausschließlich Aufgabe der Sicherheitsbehörden.

Stand: 11.07.2017, 15:00