Sex, Drogen und Ernährung - 50 Jahre Aufklärungsarbeit

Sex, Drogen und Ernährung - 50 Jahre Aufklärungsarbeit

Von Susanne Schnabel

Die Themen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind seit 50 Jahren die gleichen. Die Umsetzung allerdings hat sich sehr geändert ...

Kollage: Schild Nikotin - Gift - und Tierversuch mit Maus - Kampagne der BZgA

Einer der ersten Spots der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), gegründet am 20. Juli 1967, beschäftigt sich mit Nikotin - damals war Rauchen noch salonfähig. Die Stimme aus dem Off: "Nikotin ist eines der stärksten und gefährlichsten Gifte, die wir kennen." Zum Beweis bekommt eine Maus 1,5 Milligramm Nikotin in Wasser gelöst und stirbt daran. Tierschützer würden heute auf die Barrikarden gehen.

Einer der ersten Spots der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), gegründet am 20. Juli 1967, beschäftigt sich mit Nikotin - damals war Rauchen noch salonfähig. Die Stimme aus dem Off: "Nikotin ist eines der stärksten und gefährlichsten Gifte, die wir kennen." Zum Beweis bekommt eine Maus 1,5 Milligramm Nikotin in Wasser gelöst und stirbt daran. Tierschützer würden heute auf die Barrikarden gehen.

Bei diesem Spot könnten Tierschützer höchstens bemängeln, dass Kamele keine dummen Tiere sind. Dieses animierte Kamel behauptet im Jahr 2001: "Ich rauche gerne, weil ich ein Kamel bin." Ob es dem Kamel zu verdanken ist? Jedenfalls ist der Zigarettenkonsum Jugendlicher zwischen 2001 und 2015 von 28 auf acht Prozent gesunken.

Gesunde Ernährung beschäftigt seit Jahrzehnten die BZgA: "Oh Gott, Herr Schlappschlapp, wollen Sie sich umbringen?", heißt es in diesem Clip aus dem Jahr 1974. Darin geht es darum, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen, nicht eine große. Mit Humor, Comics, allerdings auch mit dem erhobenen Zeigefinger informiert die BZgA in den 1970er Jahren.

Ein großes Thema ist Alkoholmissbrauch. Berühmt geworden in den 1970er Jahren ist dieser junge Mann, der seine Angebetete zu "Spaghetti nach Art des Hauses" einlädt und Wein bereithält. Eine Frauenstimme aus dem Off sagt: "Ich mag ihn ja wegen seiner Schüchternheit. Mut muss er sich nicht antrinken. Hoffentlich weiß er das auch."

1967 ist die sexuelle Aufklärung noch sehr verklemmt. Die Tochter fragt: "Wo kommen die kleinen Kinder her?" und die Mutter antwortet: "Sie wachsen bei der Mutti im Bauch." Tochter: "Wie kommen sie aber da rein?", Mutter: "Der Vater hat seinen Samen in die Mutter gelegt." Alles klar?

Anfangs klärt die BZgA mit diversen Filmen trocken, sachlich und wissenschaftlich auf. 1988 darf dieser Junge schon mit Kondomen spielen.

Offen und unverkrampft geht die BZgA in den 1980er Jahren mit dem Thema Aids um. Der wohl bekannteste Spot in der Reihe "Gib Aids keine Chance!" ist mit Hella von Sinnen als Supermarkt-Kassiererin, Ingolf Lück als Kunde und der legendären Frage zu den Kondompreisen: "Tina, wat kosten die Kondome?".

"Gib Aids keine Chance!" ist die größte und bekannteste Gesundheitskampagne in Deutschland. 27 Millionen Faltblätter werden an alle Haushalte verteilt. Prominente wie Tennisstar Boris Becker beteiligen sich. In diesem Spot aus dem Jahr 2006 findet Becker am Flughafen ein Kondom in seiner Hemdtasche und kommentiert: "Schutz ist wichtig. Ich weiß warum".

Der Supermarkt-Klassiker mit Ingolf Lück wird 2016 neu aufgelegt. Lück kauft Kondome, welche mit Bananengeschmack, und ein junger Mann sagt zu ihm: "Mal ernsthaft: Banane! Findest Du das nicht ein bisschen retro?"

Die Initiative "Gibt Aids keine Chance" heißt heute "Liebesleben". Die jüngste Plakataktion vermittelt die Botschaft: "Geht bei Symptomen für eine sexuell übertragbare Infektion zum Arzt".
Die Kampagnen der BZgA sind seit 50 Jahren auch immer ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Stand: 20.07.2017, 06:00 Uhr