Das Leben als To-do-Liste

Montage Twittermeldungen Hashtag Bucket List

Das Leben als To-do-Liste

Von Ildiko Holderer

Einmal mit Haien schwimmen, Fallschirmspringen oder gesünder leben: Viele Menschen halten ihre Lebensziele in "Bucket Listen" fest. Machen uns diese Listen glücklich? Und wann können sie schaden?

Auf Twitter, Instagram oder auf Webseiten wie bucketlist.org veröffentlichen hunderttausende Menschen ihre to-do-Listen fürs Leben. Häufig sind es Reiseziele, die auf diesen Listen stehen, waghalsige Unternehmungen, oder eben die typischen guten Vorsätze wie "Aufhören mit dem Rauchen" oder "Gesünder leben".

Das Wort "Bucket List" kann im übertragenen Sinne mit "Löffelliste" übersetzt werden. Der Gedanke hinter der "Bucket Liste" ist, sich zu überlegen, was man tun möchte, bevor man "den Löffel abgibt". Vor allem seit dem 2007 erschienenen Film "Das Beste kommt zum Schluss" mit Jack Nicholson und Morgan Freeman sind die "Bucket Listen" bekannt.

Realistisch bleiben

Grundsätzlich seien solche Listen hilfreich, sagt Psychologie-Professor Wilhelm Hofmann von der Universität Köln: "Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass man sich immer mal wieder hinsetzt und sich fragt: Was ist mir eigentlich wichtig?". Denn so könne man Prioritäten setzen und Dinge tun, die im Trubel des Alltags auch mal unter den Tisch fallen, erläutert Hofmann.

Zwei Männer entspannen auf dem Auto am Strand auf Fraser Island, Australien

Ziele sollten realistisch sein

Sinn ergeben "Bucket Listen" allerdings laut Hofmann nur dann, wenn sie realistisch sind. "Jeder Punkt auf einer to-do-Liste, den wir nicht abhaken, kann Stress und Druck erzeugen", sagt Hofmann. Umso wichtiger sei es deshalb, sich realistische Ziele zu setzen und diese bis auf die kleinstmögliche Ebene herunter zu brechen.

Checkliste: Wie erreiche ich meine „Bucket List“-Ziele?

1. Abstrakte Ziele setzen (z.B. „Gesünder leben“).
2. Unterziele setzen (z.B. „Sport machen“).
3. Was bedeutet es, dieses Ziel zu erreichen? (Was konkret möchte ich machen, wie viel Zeit muss ich investieren, wer könnte mir dabei helfen...)
4. Wenn/Dann-Formulierungen nutzen (z.B. „Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, dann packe ich meine Turnschuhe aus und gehe direkt joggen.“)

Ihre konkreten Ziele veröffentlichen viele Menschen auf Seiten wie bucketlist.org – derzeit sind es nach Angaben des Unternehmens über 180.000 Nutzer. Andere Nutzer können sehen, welche Ziele man sich setzt und wenn man sie erreicht hat. Auf Seiten wie stickk.com kann man sogar Geld deponieren, das nur dann an einen zurück ausgezahlt wird, wenn man sein Ziel erreicht hat. Klappt das nicht, erhält eine andere Person das Geld.

Sanktionen und sozialer Druck

Als zusätzliche Quelle der Motivation könne das grundsätzlich nützlich sein, sagt Wilhelm Hofmann. Er sieht allerdings auch die Risiken einer Social Media-Bucket List. Denn Sanktionen und sozialer Druck, so Hofmann, könnten sich negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken. "Im Idealfall braucht man eine solche Motivation von außen nicht", so Hofmann.

Eine weitere Gefahr besteht laut Hofmann darin, dass es bei dem Abhaken von Punkten auf Bucket-Listen nur noch um Leistung geht. "Man darf diese to-do-Listen nicht missverstehen als Methode, um z.B. in den Bereichen Familie, Freundschaft oder Hobbys erfolgreich zu sein. Vielmehr sollte es im Vordergrund stehen, diesen Bereichen mithilfe einer 'Bucket Liste' überhaupt Zeit zu geben", sagt Hofmann.

Stand: 30.12.2016, 06:00