Hilft Blutspenden gegen Bluthochdruck?

Hand mit blauem Handschuh sortiert Blutkonserven in einem Labor

Hilft Blutspenden gegen Bluthochdruck?

Am Weltblutspendetag wurde erinnert, wie wichtig Spenden sind - vor allem für Empfänger. Doch auch Spender profitieren möglicherweise vom regelmäßigen Aderlass.

WDR.de: Herr Professor Michalsen, wenn zum Blutspenden aufgefordert wird, geht es vor allem darum, etwas Gutes für mögliche Empfänger zu tun. Das ist aber nicht alles, oder?

Professor Andreas Michalsen: Zwei Studien haben die Hypothese bestätigt, dass regelmäßiges Blutspenden auch für die Spender positive gesundheitliche Effekte haben kann. Etwa, wenn sie hohen Blutdruck haben, der normalisiert sich dann nämlich. Unsere Studie hat ergeben, dass bei Probanden, die vier Mal im Jahr Blut gespendet haben - so oft darf man - die Werte sich stark gesenkt und normalisiert haben: Der systolische (erste) Wert von durchschnittlich 160 auf 144, der diastolische (zweite) Wert von durchschnittlich 91 auf 84. Wer einen normalen Blutdruck hatte, zeigt keine relevanten Veränderungen, auch keinen zu niedrigen Blutdruck. Das entspricht in etwa der Wirkung der meisten Medikamente.

WDR.de: Worauf führen Sie diesen Effekt zurück?

Portrait des Mediziners Professor Andreas Michalsen von der Berliner Charité

Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde

Michalsen: Eine These ist, dass viele Menschen aufgrund ihrer Ernährung einen zu hohen Eisenanteil im Blut haben, der sich dann durch den Blutverlust bzw. die Erneuerung des Blutes reguliert. Eine zweite These ist, dass es am Verhältnis älterer und jüngerer Blutkörperchen liegt. Die älteren sind nicht mehr so geschmeidig und verformbar und gelangen nicht in die verzweigten, kleinen Blutgefäße.

WDR.de: Gibt es weitere gesundheitliche Vorteile?

Michalsen: Es scheint so zu sein - das zeigen Studien - dass sich das Risiko für Gefäßerkrankungen - also Schlaganfall und Herzinfarkt - ebenfalls verringert. Auch in der Therapie von Diabetes-Patienten scheint Blutspende eine Verbesserung zu bringen - was an dem Zusammenhang mit dem Eisen liegen könnte. Denn durch den Eisen-Abbau könnte sich die Insulin-Funktion verbessern. Diabetiker leiden oft an einer Fettleber, und zu viel Eisen im Blut verstärkt dies. Das ist zwar noch etwas spekulativ, aber sehr interessant. Es gibt sogar einige Berichte, in denen es um Erfolge bei der Krebsvorsorge geht. So weit würde ich aber derzeit nicht gehen.

WDR.de: Welche gesundheitlichen Nachteile haben Blutspender?

Michalsen: Nach dem Blutspenden muss man mehr trinken. Nicht geeignet als Therapiemöglichkeit ist das Blutspenden bei Menschen mit Blutarmut und Patienten mit Eisenmangel. Da muss man schon sehr genau gucken. Männer dürfen alle zwei, Frauen alle drei Monate spenden, so lange braucht das Knochenmark, um ausreichend rote Blutkörperchen zu bilden. Ansonsten gibt es eigentlich keine Nachteile.

WDR.de: Das klingt ja fast zu einfach. Weht Ihnen als Naturheilkundler bei dem Ansatz, Blutspende als Therapie einzusetzen, rauer Wind entgegen?

Michalsen: Eigentlich nicht. Die Fachwelt nimmt das achselzuckend zur Kenntnis. Man könnte auf jeden Fall damit Medikamente einsparen. Für mich ist das Konzept einfach und sehr überzeugend. Mich wundert, dass es noch nicht stärker in die medizinische Versorgung integriert ist.

Die Fragen stellte Annika Franck.

Stand: 14.06.2017, 06:00