Nur 15 Prozent der Studenten erhalten Bafög

Studenten sitzen in einer Vorlesung

Nur 15 Prozent der Studenten erhalten Bafög

  • Weniger NRW-Studenten bekommen Bafög.
  • Verzicht auf Bafög aus Angst vor Schulden.
  • Die Folge: Kinder aus einkommensschwächeren Familien studieren seltener.

Immer weniger Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien schaffen es an eine Hochschule: Das lässt sich aus der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks und den Zahlen herauslesen, die die NRW-Studierendenwerke erhoben haben. Wer aus einem finanzschwachen Elternhaus kommt, verzichtet öfter auf das Bafög - und damit ganz auf das Studium.

Immer weniger Bafög-Empfänger

Konkret: In NRW erhielten im Wintersemester 2016/2017 nur noch 88.700 junge Leute die staatliche Unterstützung, das entspricht 15 Prozent der Studierenden. Im Vorjahr waren es noch 16,4 Prozent, vor fünf Jahren sogar 19 Prozent. Die Quote sinkt also - und das, obwohl die Bafög-Sätze gerade nach einer langen Pause erhöht wurden.

"Bloß nicht verschulden!"

Warum das so ist, weiß auch Frank Zehetner nicht genau. "Es gibt keine wissenschaftlichen Studien dazu, dafür sind die Fälle auch zu unterschiedlich", sagt der Geschäftsführer des Studierendenwerks Düsseldorf. Einen wichtigen Grund kann er aber nennen: "Die jungen Leute laufen mit dem Gedanken im Kopf herum: 'Bloß nicht verschulden!' Dabei müssten sie später höchstens 10.000 Euro zurückzahlen."

Der Staat muss nicht alles wissen

Vielen scheint auch der bürokratische Aufwand zu groß, trotz des Bafög-Rechners, der beim Planen helfen soll. "Ich habe keinen Antrag gestellt, weil der gesagt hat, dass ich nur 30 Euro bekomme", erklärt ein Student dem WDR. Andere können oder wollen die Vermögensverhältnisse nicht bis ins Kleinste offenlegen. Deswegen stellen sie erst gar keinen Antrag.

Kellnern und Taxi fahren

70 Prozent aller Studenten bundesweit haben einen Nebenjob, sagt Frank Zehetner vom Studierendenwerk Düsseldorf. Das sind die, die kein Bafög erhalten, aber auch die Bafög-Empfänger, die mit der monatlichen Überweisung nicht auskommen.

Akademiker-Kinder können sich ein Studium leisten

Symbolbild: Kellner im sommerlichen Biergarten bei der Arbeit

Kellnern: begehrter Studentenjob

Im Schnitt beträgt das Bafög 440 Euro im Monat - zu wenig, findet zum Beispiel Michael Schema, Koordinator der Studierendenvertretungen NRW. Das führe dazu, "dass Kinder aus nicht-akademischen Elternhäusern eher vom Studium abgehalten werden". Akademiker dagegen, sagt Zehetner, sind meist einkommensstark - fähig und willens, das Studium ihrer Kinder zu finanzieren.

Die anderen sollten eine Unterstützung bekommen, die dynamisch angepasst wird, findet Frank Zehetner. Wünschen würde er sich aber ein elternunabhängiges Bafög: "Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Manche Kinder haben ja gar keinen Kontakt zu ihren Eltern. Und, nicht zu vergessen: Es würde auch die Bearbeitung deutlich vereinfachen."

Stand: 04.08.2017, 14:46