Fingerfood für Babys umstritten

Ein Kleinkind knabbert einen Apfel

Fingerfood für Babys umstritten

Von Christiane Tovar

  • Neuer Trend: Fingerfood für Kleinkinder
  • Kinder sollen selbst entscheiden, was sie essen
  • Ernährungswissenschaftler befürchten Eisenmangel

Der sechs Monate alte Anton hat ein Stück Avocado in der Hand. Doch so richtig weiß er noch nicht, was er damit tun soll. Immer wieder landet das Gemüse auf dem Boden. Irgendwann hat der Kleine den Dreh raus. Zielsicher steckt er sich dann ein Stück Gurke in den Mund, zum Nachtisch gibt es Banane.

Aller Anfang ist schwer

Das alles sieht man auf dem Video, das Antons Mutter Mascha von den ersten Essversuchen ihres Sohnes gemacht hat. Und schnell wird klar: Wer sein Kind sauber und unkompliziert füttern möchte, wird mit "Baby-led Weaning" Probleme bekommen.

Geschmacksvielfalt statt Einheitsbrei

Die babygeführte Beikost, wie "Baby-led Weaning" übersetzt heißt, kommt aus England. Die Gesundheitsberaterin Gil Rapley hat sie entwickelt. Viele Mütter und Hebammen sind begeistert.

Antons Mutter zum Beispiel findet die Methode gut, weil sie ihrem Kind keinen "Einheitsbrei" geben möchte." So lernt er schon früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennen und ist hinterher vielleicht nicht so wählerisch."

Weniger Ess-Störungen?

Außerdem seien die Kinder freier beim Essen. Sie könnten zum Beispiel ihr eigenes Tempo bestimmen, argumentieren die Befürworter des Ernährungstrends. Das wirke sich auch positiv auf die Einstellung zum Essen aus.

Fachleute befürchten Mangelernährung

Prof. Dr. Mathilde Kersting

Wissenschaftlich belegt ist all das nicht. Sehr gut untersucht ist dagegen, welche Nährstoffe ein Kind in der letzten Milchphase braucht, erklärt Prof. Mathilde Kersting von der Forschungsabteilung für Kinderernährung an der Uniklinik Bochum.

Die Ernährungswissenschaftlerin befürchtet, dass die Kinder in der Abstill-Phase nicht ausreichend versorgt werden: "Eine Beikost ohne Brei ist wissenschaftlich nicht vorstellbar".

Ein großes Problem sei die Eisenversorgung, denn bei dieser Fingerfood-Methode könne man sehr schlecht kontrollieren, ob das Kind genügend davon bekommt. Darüber sind sich auch viele Mütter im Klaren. Sie bieten ihren Kindern deshalb beides an: Fingerfood und Brei.

Die Mischung macht es

Babybrei

Damit kann dann auch die Ernährungswissenschaftlerin Mathilde Kersting gut leben. Gurken, Möhren und anderes Fingerfood dürfen die Kleinen nach den aktuellen Empfehlungen jetzt auch schon bekommen, wenn sie ein halbes Jahr alt sind. Immer vorausgesetzt, der Brei bleibt als Grundlage drei Mal täglich weiter auf dem Speiseplan.

Stand: 14.07.2017, 06:00