Mit einem Wisch zum Abitur

Schüler nutzen Tablets im Mathematik-Unterricht

Mit einem Wisch zum Abitur

Von Lars Faulenbach

  • Am Dienstag (25.04.2017) haben die Abiprüfungen in NRW begonnen
  • Taschenrechner können durch Tablets ersetzt werden
  • Besondere Maßnahmen sollen Schummeln verhindern
  • Lehrer-Gewerkschaften fordern mehr Engagement vom Land

An fast 1.400 Schulen in NRW schreiben Schüler in diesen Tagen ihre Abiturklausuren. An lediglich zwei von ihnen kommen im Fach Mathematik Tablets zum Einsatz. Dabei ermöglicht es eine Verordnung des Landes aus dem Jahr 2014, die grafikfähigen Taschenrechner, welche die Schüler an den anderen Schulen in den Abiturprüfungen benutzen, durch Tablets zu ersetzen. Doch die Schulen sind bislang sehr zurückhaltend.

Tablets verändern den Unterricht

Neben dem Neuen Gymnasium in Bochum nutzt auch das Hansa Berufskolleg in Unna diese Möglichkeit. Schulleiter Günter Schmidt ist von den Vorteilen der Tablets überzeugt: "Ihre Displays sind deutlich größer als die der Taschenrechner, die Bedienung ist intuitiver, Grafiken lassen sich mit einem Wischen verändern und Tablets werden auch in anderen Fächern eingesetzt." Zum Beispiel nutzen Schüler sie als elektronische Schulbücher, lernen damit Vokabeln oder drehen Filme. Das verändere den Unterricht in Unna.

Besondere Maßnahmen gegen Schummeln

Dafür hat sich jeder Oberstufenschüler ein eigenes Tablet angeschafft. In den Abiturprüfungen hingegen nutzen sie schuleigene Geräte. Das ist eine gesetzliche Vorgabe. So soll sichergestellt werden, dass die Schüler die Tablets nicht zum Schummeln nutzen.

Das Gebäude des Hansa Berufskollegs

Das Hansa Berufskolleg in Unna nutzt Tablets im Abitur

Am Hansa Berufskolleg wird während der Abiturprüfung außerdem das WLAN abgeschaltet. Zusätzlich haben die Lehrer auf ihren eigenen Geräten eine App, mit der sie die Tablets der Schüler kontrollieren und für einzelne Anwendungen sperren können.

Tablets im Abi müssen angemeldet werden

Mit dieser Lösung ist das Hansa Berufskolleg ein Vorreiter in NRW. Alle Schulen, die in den Mathematik-Prüfungen ein anderes Gerät als den Grafiktaschenrechner einsetzen wollen, müssen dies gegenüber der zuständigen Bezirksregierung anzeigen. Für dieses Schuljahr hat das neben dem Hansa Berufskolleg nur das Neue Gymnasium in Bochum getan. Ansonsten aber ist digitale Bildung in NRW ein Flickenteppich. Denn jede Schule muss für sich selbst eine Lösung finden.

CAS-App auf einem Tablet ersetzt den Taschenrechner

Die CAS-App auf dem Tablet ersetzt den grafikfähigen Taschenrechner

Das kritisieren mehrere Lehrer-Gewerkschaften. Die NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Dorothea Schäfer, etwa findet: "Es kann nicht sein, dass nur Schulen, wo Kollegen ein Konzept entwickeln, mit dieser besonderen Lösung arbeiten können. Für unsere 6.000 Schulen wäre es viel schöner, wenn es Vorgaben und Angebote des Landes für die Schulen geben würde und nicht jede Schule das Rad neu erfinden müsste."

Anders als in Niedersachsen fehlten solche Vorgaben in NRW bislang aber, beklagt Ulrich Walter, Leiter des städtischen Gymnasiums in Selm. Seine Schule nutzt seit diesem Schuljahr Tablets in der Orientierungsstufe in allen Fächern. Um Tablets noch besser im Unterricht nutzen zu können, müsse das Land die Schulen besser finanziell ausstatten, etwa für den Breitbandausbau.

Fördermittel schnell aufgebraucht

Eine Möglichkeit wäre das Programm "Gute Schule 2020", mit dem das Land den Schulträgern in den kommenden Jahren gut vier Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Dorothea Schäfer fürchtet allerdings, dass von diesem Geld nur wenig in die digitale Ausstattung der Schulen fließen wird: "Das Geld wird in großen Teilen schon dafür gebraucht, den Investitionsstau beim Schulbau aufzuholen, also kaputte Toiletten, Belastung durch Schadstoffe, Schimmel an den Wänden."

Stand: 25.04.2017, 06:00