Warum Hungerkuren nicht funktionieren

Warum Hungerkuren nicht funktionieren

Von Susanne Schnabel

Unser Schönheitsideal grenzt bisweilen ans Krankhafte. Der 6. Mai ist internationaler Anti-Diät-Tag, ein Zeichen gegen den Schlankheitswahn. Warum Hungerkuren Unsinn sind - alle!

Frau packt an ihr kleines Speckröllchen an der Hüfte

Diät-Kochbücher, Diät-Apps, Diät-Ratgeber in Magazinen - anscheinend möchte uns jeder daran erinnern, jetzt endlich abzuspecken: "Sieben Kilo in sieben Tagen", "Ohne Hunger zur Bikinifigur", "Die Pfunde purzeln", lauten die Versprechen. Und viele fallen darauf rein.

Diät-Kochbücher, Diät-Apps, Diät-Ratgeber in Magazinen - anscheinend möchte uns jeder daran erinnern, jetzt endlich abzuspecken: "Sieben Kilo in sieben Tagen", "Ohne Hunger zur Bikinifigur", "Die Pfunde purzeln", lauten die Versprechen. Und viele fallen darauf rein.

Fast die Hälfte der deutschen Frauen hat schon mal eine Diät gemacht, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. Nur 27 Prozent der Frauen konnten bestätigen, nach einem Jahr leichter gewesen zu sein als vor der Diät. 50 Prozent waren genauso schwer wie vorher und 23 Prozent gaben an, sogar schwerer geworden zu sein. Übrigens sind Männer Diät-Muffel. Nur zwölf Prozent haben in den vergangenen fünf Jahren versucht, mit einer Diät abzunehmen.

Obwohl seriöse Ernährungs-Experten immer wieder vor Crash-Diäten warnen, sind viele experimentierfreudig. Sie essen Unmengen Ananas, Kohlsuppe, zählen Kalorien, verzichten auf Kohlehydrate, Fett oder Eiweiß. Manche versuchen es mit Diät-Drinks, Babybrei oder Apfel-Essig.

Ganz Verrückte - oder Verzweifelte - lassen einen Bandwurm verdauen. Der Parasit sondert Proteine ab, durch die der Stoffwechsel verändert und ein Gewichtsverlust gefördert wird. Die Würmer wurden eine Zeit lang in den USA und anderen Ländern in Pillenform angeboten. Der Verzehr kann tödlich enden.

Abgesehen von solchen Skurrilitäten – auch scheinbar harmlose Diäten eignen sich nicht, um langfristig Gewicht zu verlieren. Im Gegenteil. Diäten bringen unseren Grundumsatz völlig durcheinander. Die Waage zeigt zwar kurzzeitig weniger an, aber nach dem Ende der Diät stellt sich der berühmte Jo-Jo-Effekt ein.

Der Jo-Jo-Effekt funktioniert so: Wer die Energiezufuhr drastisch reduziert, schaltet seinen Körper auf den Hungermodus um und lernt, mit weniger Nahrung auszukommen. Sobald man wieder normal isst, ist der Organismus mit dem plötzlichen wieder vorhandenen Lebensmittel-Angebot überfordert. Die Kalorien, die der Körper nicht verbrennen kann, lagert er als Fettreserven für schlechte Zeiten ein.

Wissenschaftler sehen in Diäten sogar eine Gefahr für Kontrollverlust, Heißhungerattacken und Essstörungen. Regelmäßige oder unkontrollierte Diäten könnten in ernsthafte Erkrankungen wie Magersucht, Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder Binge Eating (Fressanfälle) münden, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Wir könnten unser Gewicht genauso wenig beliebig manipulieren wie unsere Körpergröße, sagen Gewichtsforscher der Uni Duisburg-Essen. Es sei biologisch vorgegeben und lasse sich langfristig kaum willentlich verändern. Also lebenslang hungern? Um einem aufdiktierten Schönheitsideal zu entsprechen? 1992 hat die Britin Mary Evans Young den internationalen Anti-Diät-Tag initiiert. Sie hat es sich nach einer überwundenen Magersucht-Erkrankung zur Aufgabe gemacht, andere darin zu bestärken, sich so zu mögen, wie sie sind.

Heute, 25 Jahre später, ist das Thema wichtiger denn je. Schon Kinder orientieren sich an dürren Models, Popstars und Schauspielern. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts zeigt, dass bei etwa einem Fünftel aller elf- bis 17-Jährigen in Deutschland ein Verdacht auf eine Essstörung vorliegt.

Die Initiative "Anybody Deutschland" setzt sich für mehr körperliche Vielfalt in Medien und Gesellschaft ein. Die Gruppe sagt: "Unsere Kultur ist verseucht von Schlankheitswahn und dem allgegenwärtigen eindimensionalen Schönheitsideal." Es sei unglaublich schwierig, sich dem toxischen Druck zu entziehen und den eigenen Körper zu akzeptieren - geschweige denn: gern zu haben.

Davon abgesehen ist dünn nicht gleich gesund: Kanadische und US-Forscher haben Studien mit mehreren Millionen Teilnehmern ausgewertet. Danach liegt das Sterberisiko bei Untergewichtigen (BMI unter 18,5) weit über dem der Normalgewichtigen. Ein leichtes Übergewicht (BMI 25 bis 30) reduziert das Sterberisiko. Also nicht nur am Anti-Diät-Tag genussvoll zugreifen! Ansonsten viel gesunde, frische Kost, regelmäßig bewegen und nicht so streng auf die eigenen Pölsterchen achten!

Stand: 06.05.2017, 11:49 Uhr