Allergie-Auslöser nehmen zu

Mädchen mit Asthmaspray

Allergie-Auslöser nehmen zu

Der Welt-Asthma-Tag macht auf eine Krankheit aufmerksam, an der immer mehr Menschen leiden. Und deren Symptome sich durch Klimawandel und Globalisierung verschlimmern.

Karl-Christian Bergmann arbeitet am Allergiezentrum der Berliner Charité. Außerdem leitet der Allergologe den Polleninformationsdienst. Im Interview erzählt er, warum eingeschleppte Arten und der Klimawandel für Allergiker gefährlich sind.

WDR.de: Herr Prof. Bergmann, Sie warnen, dass immer mehr eingeschleppte Arten vielen Patienten, die an allergischem Asthma leiden, Probleme machen. Warum?

Karl-Christian Bergmann: Pollen wie von der Ambrosia - in den USA beheimatet - zum Beispiel sind besonders aggressiv. Andere, einheimische Pollen lösen zunächst Heuschnupfen aus, der kann sich dann zu allergischem Asthma entwickeln. Bei Ambrosia ist das anderes, die Pollen können besonders schnell direkt zu Asthma führen. Ähnlich ist es beim Glaskraut, das ursprünglich aus Italien stammt und eine Schwester der Brennessel ist.

Mehrere Tontöpfe mit Olivenstämmchen

Sehen harmlos aus, lösen aber Allergien aus: Olivenstämmchen

Auch die Pollen von Olivenbäumchen, die wir in jedem Baumarkt sehen, führen schnell zu Asthma, vor allem bei Patienten, die auf Esche reagieren. Gleiches gilt für die Japanische Zypresse.

WDR.de: Sind es nur diese Pollen, die Asthmatikern Probleme bereiten?

Bergmann: Nein, ein weiteres Problem bereiten Schimmelpilze und der Klimawandel. Weil mehr Kohlendioxid in der Luft ist, entwickeln die Sporen etwa des Schimmelpilzes wie Alternaria mehr Allergene. Das ist zwar keine neue Art, aber die Allergene nehmen zu.

Gibt es denn entsprechend mehr Menschen, die an Asthma leiden?

Bergmann: Rund neun Prozent der Menschen in Deutschland leiden unter Asthma, die Zunahme in den vergangenen zehn Jahren beträgt zwischen zwei und drei Prozent. Interessant ist, dass immer mehr ältere Menschen Asthma bekommen - wir wissen nicht, warum das so ist.

WDR.de: Kann ich allergischem Asthma vorbeugen?

Bergmann: Bisher haben wir keine Möglichkeiten, allergischen Schnupfen, der in der Regel Grundlage für Asthma ist, zu vermeiden. Alle Versuche bisher sind fehlgeschlagen. Aber: Wenn Asthma früh diagnostiziert wird, haben wir gute Behandlungschancen. Heilen können wir die Krankheit in der Regel nicht, aber oft sind Patienten über mehrere Jahre beschwerdefrei. Es gibt auch Apps wie "Husteblume" von der Techniker Krankenkasse, die über Behandlungsmöglichkeiten und die aktuelle Pollensituation informieren. Das ist sehr hilfreich.

WDR.de: Was müsste in der Asthma-Forschung passieren?

Bergmann: Einige schwere Formen von Asthma können wir heute sehr gut und differenziert behandeln, mit so genannten Biologicals. Die sind zwar sehr teuer, aber auch sehr effektiv.

Aber: Es gibt immer noch Formen von Asthma, die wir nicht behandeln können und gegen die vorhandene Medikamente nicht wirken. Toll wäre auch, wenn wir wüssten, wie die Zusammensetzeung der Bakterien im Darm zu Beginn des Lebens sein müsste. Denn von dieser Zusammensetzung scheint sehr viel abzuhängen, was Krankheitsverläufe beeinflusst, gerade bei Allergien.

Stand: 02.05.2017, 06:00