Verwirrung um steigenden Meeresspiegel

...

Studie zur Klimaerwärmung

Verwirrung um steigenden Meeresspiegel

Von Jonathan Focke

Viele Medien zitieren am Dienstag (26.01.2016) eine Studie, wonach der Meeresspiegel doppelt so stark ansteige wie bislang gedacht. Doch das stimmt nicht. In der Studie geht es um etwas ganz anderes.

"Meeresspiegel steigt doppelt so stark wie bisher vermutet", melden am Dienstag (26.01.2016) diverse Online-Medien. Sie berufen sich dabei auf eine Studie, die ein Forscherteam um Roelof Rietbroek von Institut für Geodäsie und Geoinformation von der Universität Bonn jetzt im renommierten Fachjournal PNAS veröffentlicht hat. Was auf den ersten Blick nach einer Katastrophen-Meldung aussieht, erweist sich bei einem genauen Blick in die Studie als falsch. "Die Aussage, dass der Anstieg des Meeresspiegels doppelt so hoch ist wie bislang vermutet, stimmt nicht", bestätigte Rietbroek dem WDR.

Ozeane dehnen sich durch Erwärmung aus

Dr.-Ing. Roelof Rietbroek vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn

Roelof Rietbroek, Universität Bonn

Tatsächlich aber wurde bisher offenbar unterschätzt, wie sehr die Ausdehnung des Meerwassers zum Ansteigen des Meeresspiegels beiträgt. Rietbroek und seine Kollegen haben erstmals Daten verschiedener Forschungssatelliten zusammengeführt und analysiert, um herauszufinden, wie sich der Anstieg des Meeresspiegels zusammensetzt. Die weltweit steigenden Temperaturen führen nicht nur dazu, dass Eis von Gletschern und an den Polen abschmilzt, sondern erwärmen auch die Ozeane. Je wärmer das Wasser wird, desto mehr dehnt es sich aus. Und weil die Meere zwischen den Kontinenten eingezwängt sind, steigt bei der Ausdehnung ihr Spiegel an.

Anteil der Ausdehnung höher als erwartet

Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Wassererwärmung mit etwa 0,7 Millimetern zum gesamten Meeresspiegelanstieg von knapp 3 Millimetern im Jahr beiträgt. Die Daten von Rietbroek und seinem Team zeigen nun, dass der Anteil mit 1,4 Millimetern im Jahr deutlich höher ist. An der Gesamthöhe des Anstiegs ändert das aber nichts. Offenbar ist der Anteil von geschmolzenem Eis an der Steigerung des gesamten Wasservolumens geringer als bisher angenommen.

Stand: 26.01.2016, 12:00