Astronaut Matthias Maurer: "Der Mond bietet Abenteuer"

Matthias Maurer

Astronaut Matthias Maurer: "Der Mond bietet Abenteuer"

Nach "Astro-Alex" Alexander Gerst könnte Matthias Maurer aus Köln der nächste Deutsche im All sein. Seinem Ziel – einem Spaziergang auf dem Mond – rückt er immer näher. Fünf Fragen an den ESA-Astronauten.

WDR 5: Nach Alexander Gerst könnten Sie der nächste deutsche Astronaut sein, der ins All fliegen darf. Und Sie haben auch schon ein konkretes Ziel: Sie wollen gerne auf den Mond.

Matthias Maurer: Absolut. Ich beschäftige mich ja schon seit einigen Jahren am Astronautenzentrum damit, wie wir Exploration auf dem Mond angehen könnten. Dafür müssen wir jede Menge Technologien entwickeln. Wie können wir aus Mondsand, mittels 3D-Druck zum Beispiel, eine Mondstation bauen? Es ist natürlich viel einfacher, wenn wir das Material, das wir dort finden, nutzen können, statt alles mitzubringen.

WDR 5: Wie stellen Sie sich aktuell schon ein Leben auf dem Mond vor?

Das aus 400.000 Kilometern Entfernung aufgenommene Bild zeigt die Distanz von Mond und Erde zueinander.

Traum eines jeden Astronauten: ein Mond-Spaziergang

Maurer: Ich stelle mir das so vor, dass wir auf dem Mond eine Station aufbauen, ähnlich einer Antarktis-Forschungsstation. Eine kleine Station, in der vielleicht dann vier oder sechs Wissenschaftler für vier bis sechs Monate, vielleicht sogar ein Jahr, leben könnten und auch dort forschen würden.

WDR 5: Inwiefern ist das auch fernab von Ihrer Tätigkeit als Astronaut vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn man mal ein paar Monate wegkommt von der normalen Zivilisation?

Maurer: Eigentlich bin ich sehr gerne mit anderen Menschen zusammen. Die Zivilisation ist mit Sicherheit etwas, das ich vermissen würde, wenn ich zum Mond fliegen würde. Aber der Mond bietet natürlich ganz andere Abenteuer. Dort können wir eine Vielzahl an Wissenschaft durchführen, die wir hier auf der Erde gar nicht so machen können.

WDR 5: Jetzt sitzen Sie auf der Ersatzbank. Wie fühlt sich das an?

Matthias Maurer

Matthias Maurer trainiert für seinen Ausflug ins All

Maurer: Es ist ein unglaubliches Gefühl. Der Traum wirklich einmal selbst in den Weltraum zu fliegen, die Erde von oben zu sehen, der ist jetzt ein ganz schönes Stück realistischer geworden. Ich würde es auch nicht als Ersatzbank bezeichnen, sondern als Pool der Gleichqualifizierten, aus dem der Direktor dann einen Astronauten erwählen kann.

WDR 5: Jetzt wissen Sie ja nicht, ob sie in zwei, vier, sechs oder acht Jahren ins All fliegen. Bereitet man sich da irgendwie drauf vor im Kopf? Was macht das mit einem, dass man den Zeitpunkt nicht vorhersagen kann?

Maurer: Hier würde ich gerne den ehemaligen ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain zitieren. Er hat immer gesagt, es sei viel besser, eine Mission vor sich zu haben, als eine hinter sich. Und ich denke, das ist es. Die Vorfreude ist ein ganz großer Teil der Begeisterung, die man jeden Tag mit sich trägt.

Die Fragen stellte Daniel Schlipf für Leonardo am 15.02.2016. Für eine bessere Rezeption weicht die schriftliche Fassung des Interviews an einigen Stellen vom gesendeten Interview ab und ist gekürzt. Die intendierte Ausrichtung der Fragen und Antworten bleibt dabei unberührt.

Stand: 15.02.2017, 09:10