Was gegen den großen Herzschmerz hilft

Liebeskummer

Liebeskummer-Forschung

Was gegen den großen Herzschmerz hilft

Von Anna Beerlink

Kann man Liebeskummer überleben? Wer gerade mittendrin steckt, hat bisweilen den Eindruck: Niemals! Was Forscher über den großen Herzschmerz sagen - und welche Gegenmitteln es gibt.

Liebeskummer fühlt sich erst einmal so an, als höre der Schmerz nie wieder auf. Und es ist tatsächlich etwas Wahres dran an diesem Gefühl: Liebeskummer kann grauenhaft sein.

Schmerzmittel gegen das Bild vom Ex?

Der US-Psychologe Walter Mischel rät sogar dazu, den Herzschmerz auch mit Schmerzmitteln zu behandeln. Die emotionale Pein gehe oft einher mit körperlichen Schmerzen - das zeigen laut Mischel auch Untersuchungen im Magnetresonanz-Tomografen: Bei Probanden, die kürzlich verlassen wurden, waren, wenn sie ein Bild ihres Ex-Partners sahen, dieselben Hirnregionen aktiv, die auch aktiviert wurden, wenn die Forscher den Versuchspersonen Schmerzen am Arm zufügten. Für Mischel steht deshalb fest: Seelischer Schmerz tut auch körperlich weh und muss deshalb auch so behandelt werden.

Starres Selbstbild - längerer Kummer

Wie stark man unter der Zurückweisung eines geliebten Menschen leidet, hängt natürlich von den Umständen ab - es ist aber offenbar auch Typ-Sache. Zu diesem Ergebnis kommen die Psychologinnen Lauren Howe und Carol Dweck von der Universität Stanford. Sie konnten in einer kürzlich veröffentlichten Studie zeigen, dass es vom Selbstbild beeinflusst wird, wie stark jemand unter Liebeskummer leidet.

Die Probanden wurden bei der Untersuchung in zwei Gruppen eingeteilt: In der ersten Gruppe waren Personen mit einem starren Selbstbild, die also der Meinung waren: "So und so war ich schon immer - und so werde ich auch immer sein." Die zweite Gruppe bestand aus denjenigen, die der Ansicht waren, dass sie sich im Laufe ihres Lebens verändern und weiterentwickeln, also auch aus Erfahrungen lernen. Es zeigte sich, dass die erste Gruppe länger unter Liebeskummer litt als die zweite. Das begründen die Forscherinnen damit, dass die Probanden mit dem wenig flexiblen Selbstbild die Zurückweisung eher auf sich selbst bezogen. Nach dem Motto: "Er hat sich getrennt, weil ich immer so geklammert habe." Oder: "Ich finde einfach nicht die Richtige." Diese Personen empfinden es der Studie zufolge zudem eher als Schande, verlassen zu werden. Wer dagegen auch den bzw. die Ex oder widrige Umstände verantwortlich macht, kommt offenbar leichter über das Ende einer Beziehung hinweg.

Kummer vom Kopf bis in den Darm

In eine ähnliche Richtung zielt auch ein wichtiger Ratschlag, den die psychologische Beraterin Silvia Fauck bei Herzschmerz gibt: "Man muss den Partner vom Podest nehmen und sich selber hochhalten. Das macht ja erst mal keiner, der verlassen wurde." Fauck betreibt eine Beziehungs- und Liebeskummer-Praxis in Berlin. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass Herzschmerz oft mit körperlichen Beschwerden einhergeht: "Jeden dritten Klienten muss ich zum Arzt schicken", berichtet sie. Die Betroffenen hätten zum Beispiel Migräneanfälle oder Panikattacken. "Und Männer leiden besonders oft unter Magen-Darm-Problemen und ihren Bandscheiben."

Frau stützt Kopf in die Hände

Hilfe suchen, wenn der Kummer nicht enden will

Seit den 90er-Jahren weiß man außerdem, dass große emotionale Belastungen das "Broken-Heart-Syndrom" hervorrufen können - mit Symptomen, die denen eines Herzinfarkts ähneln. Auch in der Praxis zeigt sich also, was die Theorie schon vermuten lässt: Liebeskummer sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Wer mehr als sechs Wochen lang weder richtig schlafen noch essen kann, sollte sich Hilfe suchen," rät Silvia Fauck.

"Broken-Heart-Syndrom"

Eine Situation, die jemand als große seelische Belastung empfindet, kann gefährliche Herzprobleme verursachen. Dann spricht man vom "Broken-Heart-Syndrom". Bei dieser seltenen Krankheit, die vor allem bei älteren Frauen auftritt, spielen wahrscheinlich die Stresshormone im Körper eine entscheidende Rolle. Die Herzkranzgefäße verengen sich und behindern den Blutfluss. Der Patient beziehungsweise die Patientin hat Symptome, die denen eines Herzinfarkts ähneln. Behandelt werden kann das "Broken-Heart-Syndrom" mit Medikamenten.

Ein weiterer wichtiger Tipp: "Wer einen nicht mehr will, kriegt auch keine SMS oder Nachrichten mehr. Wer etwas will, muss es sich holen." Heißt also: Wer verlassen wird, sollte dem anderen nicht hinterherrennen. "Man macht sich sonst selbst klein - und treibt den anderen immer weiter von sich weg", erklärt die Beraterin. Was außerdem noch helfen kann: Wer als frisch getrennter Single weiter in der gemeinsamen Wohnung lebt, sollte sie zu seiner eigenen Wohnung machen, also zum Beispiel die Möbel umstellen, neues Geschirr oder neue Handtücher kaufen.

Trauer, Ablenkung und Freunde

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Zerplatzte Liebes-Träume - häufig nach Karneval

Ablenkung hilft nach der Erfahrung von Silvia Fauck nicht jedem. "Das muss man ausprobieren." Genauso ist es nach ihren Worten aber auch in Ordnung, sich erst mal hängenzulassen. "Trauern ist erlaubt." Und auch Walter Mischel, der Psychologe aus den USA, der zu Aspirin gegen Herzschmerz rät, hat noch einen weiteren Tipp auf Lager: Wer darunter leide, dass der Ex-Partner ihn nicht mehr will, solle sich auf andere Menschen besinnen, die für einen da sind, zum Beispiel Familie und Freunde: "Genauso wie es schmerzt, das Bild einer verflossenen Liebe zu betrachten, lindert es den Schmerz, wenn man an diejenigen denkt, zu denen man eine sichere, unverwüstliche Bindung hat."

Stand: 10.02.2016, 00:05