Umweltschadstoffen in Kinderzimmern auf der Spur

Kind mit Plastikspielzeug

Umweltschadstoffen in Kinderzimmern auf der Spur

Von Anne Preger

Wie stark sind Kinder und Jugendliche mit Schadstoffen belastet? Dieser Frage geht das Umweltbundesamt in der "Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit" nach. Deswegen haben Familien in ganz Deutschland Besuch bekommen.

Feinstaub in der Luft, Pestizide auf der Apfelschale, Weichmacher im Spielzeug, Ausdünstungen aus Möbeln - Kinder und Jugendliche sind umgeben von Schadstoffen. Das ist keine schöne Vorstellung. Ob es Grund zur Besorgnis gibt, untersucht das Umweltbundesamt (UBA) seit Mitte der 1980-er Jahre regelmäßig.

Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Von 2014 bis Anfang 2017 besuchen Interviewer und Spurensammler rund 2.500 Familien in ganz Deutschland - aus ganz unterschiedlichen Einkommensgruppen und Bevölkerungsschichten. Kinder und deren Eltern werden befragt und Proben gesammelt. Ziel ist es, einen repräsentativen Eindruck davon zu bekommen, welche Umwelteinflüsse aktuell Kinder und Jugendliche in Deutschland am ehesten gefährden und über welche Wege die Stoffe in den Körper kommen. Die Familien werden ausgesucht, sie können sich für die Teilnahme nicht selbst bewerben.

Neue Chemikalien       

Eine Spielzeugente mit giftigen Weichmachern

Viele Plastikspielzeuge enthalten Weichmacher

Einige Belastungen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen: Seitdem Benzin nicht mehr verbleit ist, finden die Experten vom Umweltbundesamt deutlich weniger Blei im Blut. Dafür treten aber neue mögliche Gefahren auf. "Das sind beispielsweise bestimmte Weichmacher, die in Produkten noch nicht so lange verwendet werden“, sagt André Conrad vom Umweltbundesamt. "Wir wissen noch nicht genau, wie stark junge Menschen in Deutschland mit diesen neuen Chemikalien belastet sind. Und wir wollen natürlich herausfinden, ob es Kinder oder Jugendliche gibt, die so hoch belastet sind, dass wir uns aus gesundheitlicher Sicht Sorgen machen müssen." Denn Weichmacher wirken im Körper wie Hormone und können so Einfluss auf die Entwicklung von Kindern nehmen.

Spurensuche im Staubsaugerbeutel

Weichmacher stecken nicht nur in Plastikspielzeug. Sie gelangen auch aus Plastikbehältern in Cremes und Körperpflegemitteln und von da über die Haut in den Körper. Die UBA-Experten haben außerdem festgestellt, dass auch manche Fertiggerichte wie Tiefkühllasagne Weichmacher enthalten können. Die Verbindungen gelangen vermutlich bei der Produktion ins Gericht.

Nach all diesen möglichen Quellen werden Kinder und Eltern in der "Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit" gefragt. Dafür führen die Spurensammler vom UBA mit den Familien lange Interviews. Außerdem geben die Kinder Blut- und Urinproben ab, und in einem Teil der Haushalte werden halbvolle Staubsaugerbeutel eingesammelt. Denn Weichmacher können auch über den Hausstaub in den Körper gelangen, z. B. wenn Kinder noch viel auf dem Boden spielen.

Dicke Luft

Ein Wasserglas läuft voll

Ist das Wasser aus dem Wasserhahn unbedenklich?

Die teilnehmenden Familien erfahren, ob das Trinkwasser aus ihrem Wasserhahn einwandfrei ist. Es wird gemessen, wie viel Lärm vor dem Kinderzimmerfenster herrscht und wie dick die Luft im Kinderzimmer ist: Ein Messgerät zählt die besonders feinen Feinstaubpartikel, die zwischen 0,1 und 1 Mikrometer klein sind und beim Einatmen bis in die Lunge und zum Teil sogar in den Blutkreislauf gelangen können.

Post vom Umweltbundesamt

Einige Monate nach dem Besuch des Spurensammlers bekommt jede Familie dann Post vom UBA. In dem Brief steht, ob und welche Schadstoffwerte auffällig sind, erzählt Umwelttechnik-Ingenieur André Conrad vom UBA. "Wir sagen den Eltern und den Kindern in diesem Brief natürlich auch, welche Quellen für diese tendenziell höhere Belastung verantwortlich sein können, und geben auch Ratschläge, wie man diese Belastung gegebenenfalls reduzieren könnte." Bis alle Daten zusammen ausgewertet sind und aus der aktuellen Studie die ersten Veröffentlichungen zur Belastung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland entstehen, dauert es nach Schätzung des Umweltbundesamtes bis Mitte 2017.

Stand: 22.11.2016, 12:24