Bonner Datenbank warnt vor gefährlichen Kinderprodukten

Mehr Sicherheit für Kinder - neue Datenbank informiert

Bonner Datenbank warnt vor gefährlichen Kinderprodukten

Von Sebastian Tittelbach

  • 60 Produktportraits zählen Risiken auf und geben Tipps im Umgang. 
  • Einkaufshilfe für Eltern und pädagogische Fachkräfte.
  • Expertin: Gütesiegel und Prüfkennzeichen schützen nicht vor falscher Anwendung.

Eines ist Stefanie Märzheuser wichtig: Die Präsidentin der "Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder" will keine übervorsichtigen Eltern, die ihre Kinder in Watte packen. Aber Märzheuser ist auch Kinderchirurgin: "Ich stehe jeden Tag in der Rettungsstelle und habe weinende Mütter und weinende Kinder vor mir. Und das ist unnötig." 

Datenbank der Kinderprodukte

Mehr Sicherheit für Kinder - neue Datenbank informiert

BAG-Präsidentin Stefanie Märzheuser (zweite von rechts) gibt des Startschuss für die Datenbank

Vom Autositz über das Trampolin bis zum Wickeltisch. 60 Produktkategorien hat der eingetragene Verein derzeit erfasst: Unter "kindersicherheit.de" können sich Eltern und Pädagogen über Risiken informieren und darüber, worauf was beim Kauf zu beachten ist. Eltern sollten ihre Handys nicht mehr nur zum Preisvergleich nutzen, beschreibt BAG-Präsidentin Stefanie Märzheuser ihre Absicht: "Ich kann im Laden stehen und stelle mir die Frage: ‚Brauche ich dieses Produkt wirklich?‘ Und die Datenbank beantwortet mir die Frage."

"Lauflernhilfen" machen Kinder im Haushalt zu schnell 

Zielgruppe sind nicht nur Eltern und Großeltern, sondern auch pädagogische Fachkräfte. Durch die Datenbank erfahren sie, ob sie ein Produkt überhaupt brauchen und welche Gefahren sie sich damit unter Umständen ins Haus holen. Märzheuser warnt zum Beispiel eindringlich vor so genannten "Lauflernhilfen". Auf Rollen könnten sich Kinder im Haushalt plötzlich viel schneller bewegen, als ihr Kopf es eigentlich zulässt.

Gütesiegel und Prüfkennzeichen nicht immer trauen

Mehr Sicherheit für Kinder - neue Datenbank informiert

Unfallexperten aktualisieren die Datenbank

Auch Gütesiegel und Prüfkennzeichen sollten Eltern nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Falsch angewendet könnte auch ein geprüftes Produkt gefährlich sein. Unfallexperten wie Inke Ruhe tragen die Informationen zusammen und aktualisieren die Datenbank. In dem Dschungel aus Vorschriften und Fachbegriffen kommt es ihnen vor allem auf Verständlichkeit an: "Wir selber gehen als Verbraucher ran. Wie würde er suchen und was sind Informationen, die einen Mehrwert für ihn haben."

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat das Projekt mit 87.000 Euro gefördert. Die Datenbank enthält selbst keine Kaufempfehlungen für Produkte. Sie soll ständig erweitert und auf dem Laufenden gehalten werden. 

Stand: 26.09.2017, 15:39