2016 ist Jahr der Hülsenfrüchte

2016 ist Jahr der Hülsenfrüchte

Sie enthalten viel Eiweiß, Mineralien und Ballaststoffe - waren aber als Arme-Leute-Essen verschrien. Nun hat die FAO, die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen, das Jahr der Hülsenfrüchte ausgerufen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Verschiedene hülsenfrüchte in weißen Schälchen

Hülsenfrüchte sind gesund, sie liefern dem menschlichen Körper vor allem Eiweiß, also Proteine. "Hülsenfrüchte können eine gute Alternative zu Fleisch sein, wenn es um die Bereitstellung von Eiweiß geht", erklärt Ernährungswissenschaftler Peter Stehle, Professor an der Uni Bonn. Ihr Image als Arme-Leute-Essen haben sie - vor allem in der vegetarischen und veganen Küche - längst abgelegt.

Hülsenfrüchte sind gesund, sie liefern dem menschlichen Körper vor allem Eiweiß, also Proteine. "Hülsenfrüchte können eine gute Alternative zu Fleisch sein, wenn es um die Bereitstellung von Eiweiß geht", erklärt Ernährungswissenschaftler Peter Stehle, Professor an der Uni Bonn. Ihr Image als Arme-Leute-Essen haben sie - vor allem in der vegetarischen und veganen Küche - längst abgelegt.

Ihre Kampagne fokussiert die FAO auf die Hülsenfrüchte, die wir getrocknet kennen und entsprechend zubereitet zu uns nehmen. Auf Englisch heißen diese Hülsenfrüchte "pulses". Die Vorteile: Hülsenfrüchte sind nahrhaft, enthalten vor allem viel Eiweiß, außerdem Ballast- und Mineralstoffe, Kalium und Calcium. Sie sollen außerdem Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs vorbeugen. Zudem sind sie in vielen Ländern vergleichsweise günstig. Mit Ausnahme der Sojabohne sind Hülsenfrüchte fettarm und enthalten kein Gluten.

Zu den Hülsenfrüchten zählen aber nicht nur Bohnen, Erbsen und Linsen. Auch Lupinen und Erdnüsse gehören zu den sogenannten Leguminosen.

Hülsenfrüchte sind nicht nur gesund. Zudem betont die FAO, dass der Anbau von Leguminosen ein Baustein nachhaltiger Landwirtschaft sein kann und dazu beiträgt, die Biodiversität zu stärken. Auch in Zeiten des Klimawandels könnten Leguminosen dazu beitragen, für Nahrungssicherheit zu sorgen. Die Wurzeln der Pflanzen gehen im Boden eine Symbiose mit Bakterien ein, die an ihren Wurzeln Stickstoff anreichern - damit wird dann der Boden natürlich gedüngt. Außerdem lockern sie den Boden.

Vor allem Soja wird häufig angebaut, nicht als Eiweißquelle für Menschen, sondern als Futtermittel in der Tiermast. Doch um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen, müssen viele Kilogramm Futtermittel verwendet werden. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen, und Experten sind sich einig, dass der hohe Fleischkonsum in den Industrieländern nicht nachhaltig ist. "Und der Mensch kann ja auch die Hülsenfrüchte direkt essen", betont Ernährungswissenschaftler Professor Stehle. Weiterer Kritikpunkt am Sojaanbau: Vor allem in Südamerika - woher der Großteil des in Deutschland verfütterten Sojas stammt - werden Wälder abgeholzt für den Anbau von Soja für die Tiermast. Dabei wird Kohlendioxid aus Böden und Bäumen frei, außerdem werden beim Anbau massiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Praktisch: Getrocknet sind Hülsenfrüchte lange haltbar. Als Grundnahrungsmittel vor allem in wärmeren Ländern gelten sie daher als ideal.

Nicht so praktisch: Die vergleichsweise langwierige Zubereitung der Speisen. Hülsenfrüchte müssen zunächst mehrere Stunden - am besten über Nacht - eingeweicht und anschließend noch lange gekocht werden. "Hülsenfrüchte roh zu verzehren ist ungünstig und vor allem für kleine Kinder sogar gefährlich", betont Ernährungswissenschaftler Stehle. Denn Leguminosen enthalten einige Inhaltsstoffe, die für den Menschen unverträglich sind.

Unverträglich sind beispielsweise Lektine, das sind Verbindungen aus Proteinen und Kohlenhydraten. Durch Einweichen und Kochen werden diese Verbindungen zerlegt, haben dann eine andere Struktur und können ganz normal gegessen, verdaut und verwertet werden.

Weniger bekannt ist, dass Lupinen ebenfalls zu den Hülsenfrüchten gehören. Die heimische Pflanze blüht nicht nur schön und wird an Tiere verfüttert ...

... sondern sie sind auch interessant für die Nahrungsmittelindustrie. Forschern ist es gelungen, den grasigen und bitteren Beigeschmack der Lupinen-Samen zu entfernen und einen Grundstoff für vegetarische und vegane Lebensmittel herzustellen. Dafür erhielten sie 2014 den Zukunftspreis. Inzwischen findet man die ersten Lupinen-Produkte im Supermarkt: Lupinen-Desserts, Nudeln, Brotaufstrich, eine Art Milch, Joghurt und Eiscreme. Aus dem laktosefreien Milchersatz auf Lupinenbasis lässt sich auch eine Cremeorte zaubern.

Entwarnung - zumindest teilweise - gibt es für diejenigen, die die blähende Wirkung der Hülsenfrüchte fürchten. Grund für den Aufruhr im Darm (Foto) sind schwer verdauliche Kohlenhydrate, also Zuckermoleküle, die im Dickdarm auf größere Mengen von Bakterien treffen. Die Bakterien freuen sich über das "Futter" und wachsen - produzieren aber als Nebenprodukt eben die gefürchteten Gase. Komplett unterbinden lässt sich das zwar nicht, auch nicht durch Zugabe von Kümmel, Anis oder Kräutern wie Bohnenkraut. Allerdings sei das eine Frage der Anpassung, betont Wissenschaftler Peter Stehle: Bei regelmäßigem Verzehr von Hülsenfrüchten gewöhne sich der Darm an die Nahrung und passe sich an. Und die Blähungen nehmen ab.

Stand: 15.01.2016, 06:00 Uhr