Exzellenzinitiative positiv bewertet

Dieter Imboden, Leiter der Kommission zur Evaluation der Exzellenz-Initiative, am 29.01.2016

Experten-Bilanz zur Spitzenförderung

Exzellenzinitiative positiv bewertet

  • Die 2006 gestartete Exzellenzinitiative für Spitzenforschung habe neue Dynamik in das deutsche Hochschulsystem gebracht
  • Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertenkommission, die ihre Bilanz am Freitag (29.01.2016) vorgestellt hat
  • Nun geht es in die dritte Förderrunde

"Die deutschen Universitäten sind auf dem Weg, aber das Ziel ist noch weit", sagte Dieter Imboden, der Vorsitzende einer von Bund und Ländern berufenen zehnköpfigen Kommission. Es sei eine Verstetigung und Verbesserung des bisher 4,6 Milliarden Euro teuren Förderprogramms notwendig, um "auf Augenhöhe mit den Besten" etwa in Großbritannien oder den USA zu gelangen. Es gebe noch mehrere "Baustellen" in der deutschen Wissenschaft, die bearbeitet werden müssten, beispielsweise bei der "Differenzierung von Forschungsthemen" an den Unis.

Für eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative von 2018 an im Umfang von mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr solle den Hochschulen genügend Zeit gegeben werden, notfalls könne der Wettbewerb auch verlängert werden, schlug Imboden vor.

Wanka: "Das geht jetzt schnell"

 Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der PK zur Evaluation der Exzellenz-Initiative am 29.01.2016

Sieht sich bestärkt: Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU)

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte, das Gutachten der Kommission bestärke Bund und Länder, ihre Exzellenzförderung fortzuführen. Nächste Woche werde es ein Treffen der Staatssekretäre der Wissenschaftsressorts geben, um den Bericht auszuwerten und Schlussfolgerungen zu ziehen. "Das geht jetzt schnell." Bis zum Frühsommer könne eine Bund-Länder-Vereinbarung für das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten fertig sein, um den nächsten Wettbewerb in die Wege zu leiten.

Die große Koalition will für eine Fortsetzung des Ende 2017 auslaufenden Förderprogramms mindestens vier Milliarden Euro von 2018 bis 2028 sowie eine Milliarde Euro für Nachwuchsforscher-Karrieren bereitstellen. Seit 2006 hatten Bund und Länder 4,6 Milliarden Euro investiert. Davon hatten elf Elite-Unis und Dutzende weitere Standorte profitiert.

Bisher drei geförderte Projektlinien

Bisher wurden drei Projektlinien gefördert: Die erste umfasst Graduiertenschulen für Doktoranden, 45 existieren davon. In der zweiten Linie wurden 43 sogenannte Exzellenz-Cluster gebildet. Das sind fachübergreifende Forschungsprojekte wie beispielsweise das Projekt "Religion und Politik" an der Uni Münster. Im dritten Projektlinie wurden "Zukunftskonzepte" prämiert. Universitäten, die in allen drei Linien erfolgreich waren, dürfen den inoffiziellen Titel Exzellenz-Universität tragen. Hierzu zählen zum Beispiel die Unis in Köln, Aachen, Heidelberg, München und Berlin.

Geld für Spitzen-Unis oder Hochschulverbünde?

Allerdings gibt es teilweise unterschiedliche Ansichten zwischen Union und SPD, wie die zur Verfügung stehenden Mittel zukünftig auf Universitäten und Einrichtungen verteilt werden sollen. Es geht um die Frage, ob einzelne Spitzen-Unis oder doch eher regionale Hochschulverbünde gefördert werden sollen. Dieser Zielkonflikt inspirierte den Bremer Forschungsprofessor Stefan Leibfried in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zur Schlagzeile "Leuchtturm und Lampion". Auch über die Zahl der Exzellenz-Cluster sind sich Union und SPD wohl noch nicht einig.

Info-Grafik, Deutschlandkarte, Standorte Elite-Universitäten

Die elf deutschen Exzellenz-Unis

Bundesministerin Wanka (CDU) hat sich für Leuchttürme ausgesprochen: "Es hat sich seit Beginn der Exzellenzinitiative bewährt, wirklich Exzellenz zu fördern." CDU-Fachleute können sich vorstellen, einige Exzellenz-Unis nochmals finanziell aufzuwerten. Die SPD hingegen will eher in die Breite fördern, in "exzellenten Hochschulnetzwerken für Innovation". Konsens in den Parteien und im Wissenschaftsbetrieb herrscht nach Einschätzung von Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), "dass man die sogenannten Exzellenz-Cluster weiter fördern sollte." Konsens sei ferner, "dass die Graduiertenschulen wohl wegfallen werden, weil jede größere Einrichtung und Hochschule so etwas inzwischen hat."

Auch Experte Imboden empfahl am Freitag, die Exzellenz-Cluster beizubehalten und die Förderlinie der Graduiertenschulen zu beenden: "Das Instrument hat seine Funktion gehabt." Die bisherige dritte Projektlinie "Zukunftskonzepte" solle in ein Prämienmodell umgestaltet werden: Nicht für eine beantragte Idee, sondern für deren Umsetzung soll es im Nachhinein Geld geben. Als Anreiz brachte er frei verwendbare jährliche "Exzellenzprämien" von je 15 Millionen Euro für die zehn besten Unis nach einem Ranking ins Spiel.

Elite förden oder Grundfinanzierung sichern?

Es gibt aber auch andere, kritischere Stimmen: Der Deutsche Hochschulverband (DHV) will die Förderung der Spitzenforschung an den Universitäten neu ausrichten. Künftig sollten stärker als bisher Wissenschaftler und Hochschulinstitute im Mittelpunkt stehen und nicht länger die Universitäten in ihrer Gesamtheit. "Eine Universität war und ist nie als ganze exzellent, vielmehr sind es immer einzelne Köpfe und Wissenschaftler in den Fachbereichen und Fakultäten", sagt DHV-Präsident Bernhard Kempen. Neben einer weiteren Steigerung der Mittel fordert er zudem, die Exzellenzinitiative weiterhin ausschließlich auf die Spitzenforschung zu konzentrieren. Eine Ausweitung der Förderlinien auf andere Leistungsbereiche wie die Lehre oder den Wissenstransfer, eine Öffnung des Wettbewerbs für Fachhochschulen und forschende Industrieunternehmen seien weder hilfreich noch zielführend.

Für die Bildungsgewerkschaft GEW hingegen steht die Grundfinanzierung der Hochschulen im Vordergrund. Dies sei "wichtiger, als sich jetzt etwas Neues für die Exzellenzinitiative auszudenken", sagt der stellvertretende GEW-Chef und Hochschulexperte Andreas Keller. "Die Grundfinanzierung stagniert, und die Länder werden zunehmend Probleme kriegen, sie sicherzustellen." 2020 greife die Schuldenbremse, spätestens dann müssten Bund und Länder ein entsprechendes Konzept für die deutschen Unis haben. Ohnehin sei ein Förderprogramm, das auf nur wenige Leuchttürme setze und dabei immer mehr befristete Stellen an den Hochschulen zur Folge habe, "der falsche Ansatz".

Enger Zeitplan

Mit der organisatorischen Abwicklung der Exzellenzinitiative und der Begutachtung von Anträgen ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) beauftragt. Bis Ende April muss von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder (GWK) ein Gesamtkonzept aufgestellt werden.

Die Entscheidung über die Förder-Milliarden ab 2018 muss schnell geklärt werden. Bis Juni 2016 müssen Bund und Länder sich einigen, denn das mehrstufige Vergabeverfahren für die Auswahl der Exzellenzprojekte braucht rund anderthalb Jahre.

Stand: 29.01.2016, 14:15