EU will Kerzen sicherer machen

Gesetzesvorstoß aus Brüssel

EU will Kerzen sicherer machen

Von Andreas Sträter

Gut ein Drittel aller Kerzen werden in der Vorweihnachtszeit verkauft. Romantisch, gemütlich, weihnachtlich - aber auch gefährlich können Kerzen sein. Die EU will jetzt für mehr Sicherheit im Kerzenschein sorgen.

Adventszeit ist Kerzenzeit. Ob Absicht oder Zufall, genau jetzt will die EU-Kommission ein Gesetz auf den Weg bringen, das Kerzen sicherer machen soll. Design, Herstellung, Standsicherung, Brandneigung, chemische Anforderungen, Sicherheitshinweise und sogar die Emissionen sollen auf den Prüfstand – und künftig einheitlich geregelt werden.

Die Verbraucherzentrale Düsseldorf allerdings bewertet das Thema Kerzen nicht unbedingt als ein gravierendes Problem. Wer hierzulande Kerzen für Weihnachten oder den Advent kaufe, der sollte bei Kerzen vor allem auf das so genannte RAL-Gütezeichen achten, erläutert Philip Heldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der NRW-Verbraucherzentrale. Das Gütezeichen wird vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung vergeben. "Es weist darauf hin, dass die Kerze sicher abbrennt", sagt Verbraucherschützer Heldt. Zertifizierte Kerzen seien in jedem Supermarkt erhältlich.

Auf Kerzenmaterialien achten

Bei der Auswahl der Adventskranz-Kerzen sollte neben dem Siegel auch das Wachsmaterial genauer betrachtet werden. 75 Prozent aller hierzulande verkauften Kerzen bestehen aus Paraffin, das bei der Produktion von Benzin, Diesel und Heizöl anfällt. Als hochwertiger gilt Stearin, das zumeist aus Kokos- oder Palmfetten hergestellt wird. Stearinkerzen rußen und tropfen weniger. Oft wird ihnen aber Paraffin beigemischt, um Bröckeln zu vermeiden. Als natürlichstes, aber auch teuerstes Kerzenmaterial dient Bienenwachs. Die Kerzen zeichnen sich durch Duft und ihre lange Brenndauer aus. Aber nur wenn die Brennmasse aus Bienenwachs ohne jegliche Beimischung bestehe, dürften die Kerzen als Bienenwachskerzen bezeichnet werden, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Schwermetall kann an Luft abgegeben werden

Kerze wird mit einem Streichholz angezündet

Kerzen können auch Schwermetalle enthalten

Durch den EU-Entwurf sollen künftig zum Beispiel Blei- und Nickelverbindungen verboten werden. "Blei wirkt bei Kindern negativ auf die Nerven-, Gehirn- und Intelligenzentwicklung", heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Bei Erwachsenen könne eine dauerhafte Bleiaufnahme zu Nierenschäden und zu Krebs führen. "In Kerzen kann das Schwermetall sowohl im Docht zur Verlängerung der Brenndauer, in den Farbpigmenten als auch als Verunreinigung im Wachs enthalten sein." Beim Abbrennen von bleihaltigen Kerzen werde das Blei an die Raumluft abgegeben. Ü̈ber die Atmung könne das Blei in den Körper gelangen, was zu einer erhöhten Bleikonzentration im Blut beitragen kann. Nickel, das über die Atemluft aufgenommen wird, könne krebserzeugend sein, so das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Räume gründlich lüften

Das Abbrennen von Kerzen verschlechtert die Qualität der Raumluft. "Wie bei jeder unvollständigen Verbrennung entstehen dabei verschiedene Schadstoffe. Die feinen Partikel steigen mit der heißen Luft nach oben, werden zu Bestandteilen des Schwebstaubs und können eingeatmet werden", heißt es bei der Verbraucherzentrale Bayern, die sich ausführlich mit dem Kerzenthema beschäftigt hat. Allerdings sei die Schadstoffbelastung aus Kerzenwachsen sehr gering. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Kerze aus Paraffin-, Stearin- oder Bienenwachs hergestellt wird. Wichtig sei, die Raumluft durch gründliches Lüften auszutauschen.

Duftkerze

Doch nur Selbstverständlichkeiten?

In der geplanten Kerzen-Regulierung geht es auch um Selbstverständlichkeiten. Piktogramme sollen auf Hinweisschildchen verdeutlichen, dass sie nicht in Reichweite von Kindern und Haustieren oder unbeaufsichtigt brennen dürfen. Damit auch wirklich nichts passiert, sollten Verbraucher darüber hinaus darauf aufmerksam gemacht werden, einen hitzebeständigen Kerzenhalter oder eine hitzebeständige Unterlage zu verwenden. Diese überraschenden Erkenntnisse halten jedoch auch Politiker wie Herbert Reul, Vorsitzender der CDU/CSU-Abgeordneten im Europaparlament, für nur bedingt sinnvoll: "Ich frage mich, ob solche Selbstverständlichkeiten wirklich in diesen Zeiten von der Politik geregelt werden müssen".

Stand: 27.11.2015, 06:00