Kohlestrom macht E-Autos zu Dreckschleudern

Auto wird an einer Strom-Tankstelle aufgeladen

Ökobilanz von Elektroautos

Kohlestrom macht E-Autos zu Dreckschleudern

Von Martin Gent

Die Bundesregierung will eine Million E-Autos bis 2020. Auf der Straße sind erst 24.000. Vielleicht ist das ganz gut so. Denn eine neue Studie von US-Forschern stellt den Umwelt- und Gesundheitsnutzen der vermeintlichen Sauber-Stromer in Frage.

Elektroautos haben den Ruf, teuer aber sauber zu sein. Wer mehr Geld auf den Tisch legt, tut dies der Umwelt zuliebe. Sind Elektroauto-Fahrer deshalb Klimaschützer? An dieser These gibt es schon länger Zweifel, selbst wenn in den Prospekten von Null Gramm CO2 zu lesen ist. Wenn beispielsweise der ADAC für seinen Ecotest die Emissionen der Stromerzeugung einrechnet, liegen Erdgas- und Elektroautos gleichauf, sparsame Diesel- und Hybridfahrzeuge ganz knapp dahinter.

Verengter Blick auf CO2

Die US-Forscher rund um Christopher Tessum von der University of Minnesota wollten den Blick nicht nur auf Treibhausgase lenken, sondern eine umfassende Ökobilanz ermitteln. Neben dem CO2-Ausstoß wurden deshalb die Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung einbezogen, konkret Feinstaub und bodennahes Ozon. Dabei wurden weite Teile der Treibstoffkette berücksichtigt, beim Ladestrom für die Elektroautos also auch dessen Produktion im Kraftwerk.

Benziner oft besser als Stromer

Elektroautos werden an einer Stromtankstelle aufgeladen

Strom allein ist nicht Öko

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Die Luftverschmutzung überwiegt in den Effekten den Treibhausgasausstoß. Wird ein Elektroauto mit reinem US-Kohlestrom betankt, ist der Gesundheitsschaden mehr als doppelt so hoch wie beim Benzin-Fahrzeug. Legt man den durchschnittlichen US-Strommix zu Grunde, ist der Gesundheitsschaden durch die Luftschadstoffe immer noch 80 Prozent größer. Die Forscher haben versucht, die Effekte konkret in Zahlen zu fassen und sprechen von zusätzlichen 1.500 bis 3.200 Todesfällen, wenn in sechs Jahren in den USA 10 Prozent der Fahrleistung mit Kohlestrom-Elektroautos erfolgen würde.

Anhaltspunkte auch für deutsche Diskussion

Die Wissenschaftler haben versucht, ihre Szenarien möglichst genau durchzurechnen. Zum Beispiel wurden virtuelle Schadstofflandkarten erstellt, abhängig davon, wo Kohleminen, Kraftwerke und Fabriken stehen und wie viele Menschen in den belasteten Regionen leben. Diese Verhältnisse liegen in Deutschland natürlich anders. Aber dass Feinstaub sehr negativ auf die Gesundheit wirkt, gilt auch hier. Deutschland ist ein großer Kohleverbraucher und produziert immer noch sehr viel Strom aus Kohle. Insofern liefert die US-Studie wichtige Anhaltspunkte für die Beurteilung alternativer Antriebe.

Ranking der besten Antriebe

Untersucht wurden neben dem Benzinmotor zehn andere alternative Antriebe. In der Studie findet sich auch eine Gesamtabschätzung, die Klima- und Gesundheitseffekte zusammenfasst:

  • Elektroautos sind tatsächlich zu begrüßen, wenn sie mit Ökostrom betankt werden.
  • Gut bewertet wird Biosprit, sofern er aus Pflanzenresten hergestellt wird. Ungünstig ist Biosprit aus Mais.
  • Im Vergleich zum Ottomotor (Benziner) sind Hybrid-, Gas- und Dieselautos etwas besser zu beurteilen.
  • Eindeutig schädlich sind zur Zeit E-Autos, die mit Strommix oder gar Kohlestrom geladen werden.

Die Ökostrom-Wende ist gefragt

Der Ökostromanteil im Strommix liegt in Deutschland bei zurzeit knapp 30 Prozent. Die grünen Elektronen im Netz lassen sich kaum gezielt in Autobatterien lenken, zumal sie dann in Waschmaschine, beim Licht, bei der Kaffeemaschine fehlen würden. Je schneller die Energiewende vorankommt, umso eher dürften Elektroautos einen eindeutigen Umwelt- und Gesundheitsnutzen haben.

Stand: 16.12.2014, 18:00

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