Warum kurze Ärmel in der Klinik so wichtig sind

Ärzte während einer Visite

Asklepios schafft Arztkittel ab

Warum kurze Ärmel in der Klinik so wichtig sind

In Asklepios-Kliniken sollen sich Ärzte von ihren langärmligen Arztkitteln verabschieden. Wie wichtig das für die Krankenhaushygiene ist, erklärt Dr. Bärbel Christiansen, Vorsitzende der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.

WDR: Wofür braucht ein Arzt überhaupt noch einen Kittel?

Bärbel Christiansen: Viele der Arztkittel gelten als Berufskleidung. Das heißt, die Ärzte sind für den Patienten sofort erkennbar als Ärzte und nicht als Pflegekraft oder Krankengymnast. Und das ist der Grund, warum in vielen Krankenhäusern die Ärzte noch Kittel tragen.

WDR: Was halten Sie denn von der Entscheidung der Asklepios-Kliniken, die langärmligen Kittel abzuschaffen?

Christiansen: Ich halte das für eine gute Entscheidung. Die Kommission hat ja kürzlich eine neue Empfehlung herausgegeben, in der auch die Maßnahmen der Basishygiene aufgeführt sind. Der hygienische Umgang mit Arbeitskleidung, Bereichskleidung oder Schutzkleidung ist ein wesentlicher Punkt, um die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern. Deshalb ist alles, was hilft, die Händedesinfektion zu erleichtern und mögliche direkte Kontakte zwischen verschiedenen Patienten zu verhindern und zu verringern, sicherlich ein sinnvoller Weg, die Übertragung zu reduzieren.

WDR: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt schon seit Jahren kurze Ärmel für Mediziner. In anderen Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien ist das durchaus Standard. Bei uns aber noch nicht. Warum nicht?

Christiansen: Das muss man ein bisschen relativieren. Auch in Deutschland wird kurzärmlig getragen. Standard ist es dort, wo kritische, infektionsanfällige Patienten liegen, schon lange – auf Intensivstationen, im OP-Bereich. Da sind sogenannte Kasacks schon seit Jahren im Einsatz. Nur hat man bisher nicht in anderen Bereichen auf die langärmligen Kittel verzichtet. 

WDR: In den Asklepios-Kliniken war relativ viel Überzeugungsarbeit nötig, heißt es. Die jüngeren Ärzte sehen das dort wohl sehr entspannt. Aber für die älteren Ärzte geht mit dem Kittel auch ein bisschen das Statussymbol verloren. Ist der langärmlige Kittel heute wirklich noch ein Zeichen für Seriosität und Respekt?

Dr. Bärbel Christiansen

Dr. Bärbel Christiansen

Christiansen: Das scheint so zu sein. Das zeigen auch diverse Umfragen in Häusern, in denen man den Arztkittel abschaffen wollte, dass auch die Patienten viel Vertrauen zu Ärzten haben, die ihnen im Kittel begegnen. Das ist sicherlich eine Sache, die zu einem längeren Umdenkungsprozess führen muss. Sie sollte aber natürlich in Angriff genommen werden, das ist klar. Auch Asklepios sagt ja, dass sie damit beginnen wollen. Und sie beginnen sicherlich auch nicht in den größeren Kliniken, sondern in den kleineren. Und man kann erwarten, dass sich das in den nächsten Jahren verbreiten wird.

Gleichzeitig muss man es den Patienten weiter ermöglichen, die verschiedenen Berufsgruppen in einer Klinik eindeutig voneinander unterscheiden zu können. Denn das ist für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient natürlich auch wichtig.

WDR: Es gibt schon etliche Ärzte bei uns, die freiwillig kurzärmlige Kleidung tragen. Wie lange wird das dauern, bis sich das flächendeckend in Deutschland durchgesetzt hat?

Christiansen: Ich würde mir wünschen, dass es in einigen Jahren der Fall ist. Trotzdem muss man überlegen, mit welchem Zwang man das umsetzen will. Eine Übertragung von Keimen findet nur dann statt, wenn man mit diesen Kitteln nicht einwandfrei hygienisch umgeht. Natürlich darf man nicht an einen Patienten gehen mit seinem weißen Kittel, mit dem man gerade irgendwo in der Klinik unterwegs war. Den muss man dann ausziehen und hat darunter entweder seine kurzärmlige Kleidung oder man zieht einen Extra-Schutzkittel an. Diese Hygienevorgaben sind ja jetzt bereits vorhanden, so dass der Arztkittel bei einwandfreiem Umgang kein Hygienerisiko ist.

Das Interview führte Steffi Klaus

Stand: 02.02.2016, 15:19