200 Jahre Parkinson: Warum die Krankheit noch immer unheilbar ist

Zitternde Hände eine Parkinson-Patienten

200 Jahre Parkinson: Warum die Krankheit noch immer unheilbar ist

Von Henning Hübert

  • Parkinson noch immer nicht heilbar
  • Ernährung und Bewegung für Krankheitsverlauf bedeutend
  • Bonner Forscher berichten über Therapiemöglichkeiten

Verlangsamung, veränderte Bewegungen, Zittern: 1817 hat der britische Chirurg und Apotheker James Parkinson die erste medizinische Beschreibung der Schüttellähmung veröffentlicht. Genau 200 Jahre später berichten Bonner Forscher am Welt-Parkinson-Tag über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten – auf einer Infoveranstaltung für Patienten und Angehörige.

Zitternde Hände, unsicherer Gang

Am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen DZNE in Bonn ist man sich sicher: Parkinson ist nicht heilbar. Aber man kann die Symptome lindern und immer besser in Schach halten.  So sagt auch der Bonner Rentner Hans-Josef Gratzfeld, dass er gut behandelt wird. Vor vier Jahren bekam er die Diagnose Parkinson – nach einem Sturz bei einem Ausflug. Dazu kamen bei ihm zitternde Hände: "Wenn ich zum Beispiel einen Suppenlöffel habe oder sowas, fällt auch schon mal was runter. Was aber eigentlich für mich noch schwerwiegender ist, ist meine Gangunsicherheit." Wenn er mit Nordic-Walking-Stöcken trainiert, funktioniere das eigentlich ganz gut.

Bewegung hilft

Außerdem besucht der Patient regelmäßig die Parkinson-Gymnastik, ein Angebot, auf das ihn die Bonner Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinson-Gesellschaft gestoßen hat. Genau das richtige, sagen Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen DZNE in Bonn: Patienten sollten unbedingt 3 mal 30 Minuten in der Woche stramm marschieren.

Parkinson geht durch den Magen

Neurologieprofessor Ullrich Wüllner

Der Bonner Neurologieprofessor Ullrich Wüllner forscht mit rund 600 Parkinson-Patienten

Zusätzlich zum Nerven-Botenstoff Dopamin sollen sie viel Obst und Sauerkraut zu sich nehmen. Für den Bonner Neurologie-Professor und Parkinson-Forscher Ullrich Wüllner wirkt die richtige Ernährung eindämmend und sogar vorbeugend. Er empfiehlt eine Ernährung, die reich an Gemüse ist und die einer mediterranen Diät entspricht: "Zu den Gemüsen zählen insbesondere verschiedenen Kohlarten. Auch vorvergorener Kohl wie das Sauerkraut zum Beispiel ist wahrscheinlich etwas sehr wertvolles. Weil damit unsere Darmbakterien eine bestimmte Art von Fettsäuren erzeugen können, die sich wiederum günstig auf Entzündungsvorgänge im Körper auswirken."

Zittern war mal

Der Verlauf von Parkinson kann, so die Einschätzung des Forschers am DZNE, bei 80 Prozent der Patienten markant verlangsamt werden. So sehr, dass sie nie im Rollstuhl landen werden. Das Zittern ist nur noch etwa bei einem Drittel aller Patienten zu beobachten. 200 Jahre nach der ersten medizinischen Beschreibung der Schüttellähmung entdeckt die heutige Forschergeneration andere Symptome wieder, die schon der britische Chirurg und Apotheker James Parkinson erkannt hatte: "Wir beobachten jetzt vermehrt Stimmungsschwankungen. Eine depressive Verstimmung kann der Erkrankung lange voraus gehen. Und es gibt sicherlich Patienten, bei denen Verdauungsstörungen eine Rolle spielen", so Ullrich Wüllner. Er fügt an: "Neueste Untersuchungen auch aus unserer Arbeitsgruppe zeigen, dass es sogar Veränderungen bei Darmbakterien gibt."

Ursache ungeklärt

MRT-Aufnahme des Gehirns eines an Parkinson erkrankten Patienten

MRT-Aufnahme eines Parkinson-Patienten

Es werden intensiv weitere mögliche Auslöser für den Mangel am Nervenbotenstoff Dopamin und damit Parkinson diskutiert: Entzündungen, Umweltgifte, genetische Veranlagungen. Die bundesweit 250.000 bis 300.000 Patienten sind zumeist älter und männlich. Oft können Angehörige nur schwer mit deren Schlafstörungen und der Verlangsamung, die zum Parkinson gehört, umgehen. Der Traum von Parkinson-Patient Hans-Josef Gratzfeld: "Dass es nicht weiter fortschreitet. Dass man also immer noch in der Lage ist, selbst was zu unternehmen und dass in der Familie das halbwegs klappt."

Forschungen an einem Impfstoff

Hoffnungen ruhen auf einer Impfstrategie, die intensiv beforscht wird. Favorit ist ein bestimmter Eiweißstoff, der in Nervenzellen des Gehirns, im Darm und der Haut eine Rolle spielt, und der bei Parkinson fehlerhaft ausgebildet ist. Insgesamt 600 Probanden werden allein am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn betreut. Das sind einhundert Mal mehr als die sechs Patienten, deren Zittern James Parkinson vor 200 Jahren beschrieb. Nach wie vor aber gilt: Die Folgen von Parkinson kann die Medizin nur lindern, aber nicht heilen.

Stand: 11.04.2017, 06:00