Obdachlose und Flüchtlinge besonders betroffen

Obdachlose schieben Einkaufswagen mit Hab und Gut

Wintereinbruch in NRW

Obdachlose und Flüchtlinge besonders betroffen

Der Winter ist in NRW angekommen – und mit ihm der Frost. Besonders Flüchtlinge und Obdachlose drohen unter klirrender Kälte zu leiden. Wie gut sind die Städte und Gemeinden vorbereitet? Wir haben nachgefragt.

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und stellenweise Schneefall – die Nacht zu Freitag (15.01.2016) hat den Winter in NRW eingeläutet. Für Obdachlose, die auf der Straße den Witterungsverhältnissen ausgesetzt sind, droht es nun ebenso eine harte Zeit zu werden, wie für manche Flüchtlinge in den Unterkünften im Land. Doch die Städte und Gemeinden geben sich gelassen. Beispiel Essen, hier sieht man sich für den Wintereinbruch gut gerüstet. "Die Flüchtlingsunterkünfte sind ausreichend beheizt", sagt eine Stadtsprecherin dem WDR.

Auch für Obdachlose sei gesorgt, heißt es. Die Notübernachtungsstellen in der Stadt hätten noch ausreichend Platz. Auch die Caritas Flüchtlingshilfe in Essen geht davon aus, dass es keine Probleme geben werde. "Die Zelte haben isolierte Wände, sind auf Minustemperaturen ausgerichtet und bis zu minus zehn Grad bewohnbar", erklärt Rudi Löffelsend von der Caritas Flüchtlingshilfe. Dass Wasserleitungen einfrieren könnten, befürchtet er nicht.

Beheizte Unterkünfte für Flüchtlinge und Obdachlose

"Die Menschen müssten natürlich durch die Kälte laufen, wenn sie zum Essen oder auf die Toilette wollen", sagt Löffelsend. Das sei sicherlich nicht optimal. Aber insgesamt sei die Lage gut. Sollten die Temperaturen zu sehr in den Keller gehen, sei man in Essen auch darauf vorbereitet: "Dann müssten die Flüchtlinge in Turnhallen umziehen." - In Bonn seien Flüchtlinge nicht in Zelten untergebracht, sodass das Kälteproblem nicht bestehe, heißt es von der Stadt Bonn. Auch alle Unterkünfte für Obdachlose seien beheizt. "Es werden außerdem warme Schlafsäcke für Wohnungslose verteilt", sagt eine Stadtsprecherin. Außerdem rufe man zu Beginn der kalten Tage dazu auf, besonders auf Obdachlose zu achten.

Ähnlich sieht es in Münster aus. Dort werden über die örtliche Wohnungslosenhilfe weitere Schlafplätze für die kalten Tage zur Verfügung gestellt. "Das Problem sind aber besonders die Menschen, die grundsätzlich nicht in Wohnungen schlafen wollen", erklärt Münsters Pressesprecher Joachim Schiek. Diese müssten an frostigen Tagen bei ihren Schlafplätzen im Freien angesprochen und überzeugt werden, in eine Unterkunft zu kommen. In Bielefeld wird solchen Obdachlosen die so genannte "warme Platte" angeboten. "Das ist ein einfacher Schlafplatz in einer Notunterkunft", erklärt ein Mitarbeiter des Bielefelder Sozialdezernats. Dort seien immer Plätze frei. Insgesamt gibt es in Bielefeld drei Notunterkünfte für Obdachlose. Bei den Flüchtlingsunterkünften verzichtete Bielefeld ebenso wie Münster auf Zelte, sondern hat die Flüchtlinge in Wohnheimen und Häusern untergebracht.

Obdachlose zur Annahme von Hilfe bewegen

In Siegen hilft die örtliche Wohnungslosenhilfe der Diakonie Obdachlosen auch durch die kalte Jahreszeit. "Es gibt extra einen Tagesaufenthalt, bei dem sich Wohnungslose warmes Essen und warme Getränke abholen können", sagt eine Sprecherin der Diakonie Südwestfalen auf WDR-Anfrage. Außerdem biete das Übernachtungshaus ausreichend Schlafplätze. Auch in Köln wird sich in besonderer Weise um Obdachlose gekümmert. Neben dem Angebot zusätzlicher Notfallschlafstätten versuchen Sozialarbeiter außerdem auf ihren so genannten Kältegängen, Obdachlose in Gesprächen zur Annahme von Hilfe zu bewegen. Darüber hinaus können Bürger über eine Hotline der Stadt mitteilen, wenn sie hilflose Obdachlose entdecken, die bei klirrender Kälte im Freien schlafen.

Stand: 15.01.2016, 16:00