Kölner Rosenmontagszug findet unter Auflagen statt

Schwerer Sturm vorausgesagt

Kölner Rosenmontagszug findet unter Auflagen statt

  • Meteorologen warnen vor Sturmböen am Montag
  • Düsseldorf will kurzfristig entscheiden
  • Kölner Zug kann unter Auflagen starten

Der Kölner Rosenmontagszug, so teilte die Stadt am Sonntagnachmittag (07.02.2016) mit, findet statt. Allerdings sollen anders als geplant keine Pferde mitlaufen, auch große Figuren, Schilder und Fahnen sind diesmal nicht zugelassen. Die Festwagen müssten nicht umgebaut werden, sagte eine Sprecherin des Festkomitees dem WDR. "Die sind alle sicher." Außerdem sollen an allen Tribünen am Zugweg die Verkleidungs- und Dachplanen entfernt werden. Vertreter von Bauaufsicht, Feuerwehr und Stadt überprüften derzeit den Zugweg, um mögliche Gefahren früh zu erkennen und abzustellen. Das Koordinationsgremium will am Montagmorgen erneut tagen - wenn sich die Wetterprognosen bis dahin verschlechtern, könnte neu entschieden werden. Auch in Bonn rechne man damit, dass der Zug wie geplant stattfindet, zitierten am Sonntagnachmittag mehrere Medien Vertreter des Festausschusses.

Grund ist, dass die Meteorologen für Rosenmontag (08.02.2016) mit schweren Sturmböen in ganz NRW rechnen. Sie gehen davon aus, dass ausgerechnet am Montag die Sturmböen ihren Höhepunkt erreichen. Für den Hochsauerlandkreis wurde sogar eine amtliche Unwetterwarnung wegen orkanartiger Böen (bis Windstärke 12) herausgegeben. Laut WDR-Wetterexperte Christian Schubert sind am Montagvormittag ansonsten überall im Land Böen zwischen Windstärke 8 und 10 möglich. Hinzu kommt kräftiger Regen. Im späteren Tagesverlauf könne es immer wieder zu kurzen Gewittern kommen.

Die Sturmwarnung macht auch die Düsseldorfer derzeit "jeck": In der Landeshauptstadt wird darüber nachgedacht, den Rosenmontagszug abzusagen. Gemäß des 39 Seiten starken Sicherheitskonzepts wäre dies schon ab Windstärke 8 der Fall. "Wir arbeiten weiter - bis zur Absage", sagt Jacques Tilly, für die weltberühmten Motivwagen des Zuges zuständig. "Karneval ist nun mal im Winter - ab und zu zieht man die Arschkarte." Am Montagvormittag wollen die Organisatoren nach WDR-Informationen endgültig über Zu- oder Absage entscheiden. Wenn sich am Montagmorgen abzeichnen sollte, dass der Sturm im Lauf des Vormittags an Kraft verliert, könnte der Zug auch mit einigen Stunden Verspätung starten, hieß es am Sonntag bei den Organisatoren. Dies sei aber nur eine Option unter vielen.

Absagen in Münster, Wenden-Schönau, Hagen, Duisburg und Essen

Schon am Wochenende waren mehrere Rosenmontagszüge abgesagt worden. Der Zug im sauerländischen Wenden-Schönau wird nicht stattfinden, wie die Veranstalter am Samstag (06.02.2016) mitteilten. Bis zu 10.000 Karnevalisten feiern traditionell bei der Großveranstaltung. Auch der Rosenmontagszug in Hagen findet wegen möglichen Ausläufern des Sturmtiefs "Ruzica" nicht statt. So fiel die Entscheidung auch in Duisburg: "Die Wetterlage ist uns zu heikel. Das ist uns viel zu gefährlich", sagte der Duisburger Karnevalspräsident Michael Jansen.

Jecken im Regen

Das Wetter macht den Narren derzeit einen Strich durch die Rechnung.

Am Sonntagabend (07.02.2016) entschieden die Karnevalisten in Münster gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der Polizei, ihren Rosenmontagszug abzusagen. Ob es einen Ersatz gibt, steht noch nicht fest. "Wir sind unheimlich traurig", sagte eine Vertreterin des Bürgerausschuss Münsterscher Karneval. Die Organisatoren des Kupferdreher Rosenmontagzugs in Essen-Kupferdreh verkündeten ebenfalls am Sonntag das endgültige Aus. "Aufgrund der vorliegenden Unwetterwarnungen" sei der Zug abgesagt, meldete der Festausschuss auf seiner Homepage. Der Kupferdreher Rosenmontagszug finde stattdessen am 13. März statt, sagte Zugleiterin Gisela Trüffers. Am frühen Montagmorgen wurde schließlich auch der zentrale Zug im Stadtteil Rüttenscheid abgesagt.

1990: Rosenmontag im Mai

Endgültig entscheiden muss in Düsseldorf eine Koordinierungsgruppe aus Vertretern von Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Karnevalskomitee. Es wäre nicht die erste Absage: Bereits 1990 musste der Rosenmontagszug in Düsseldorf wegen eines Sturms abgesagt werden. Am 26. Februar stoppten damals orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometer fast überall im Land die Narren. Viele Tausend kostümierte Karnevalisten, die sich trotz peitschender Regen- und Graupelschauer entlang der Zugwege eingefunden hatten, mussten unverrichteter Dinge den Heimweg antreten oder suchten Gaststätten auf. Der Düsseldorfer Rosenmontagszug wurde dann am 18. Mai bei strahlendem Sonnenschein nachgeholt. Das könnte auch in diesem Jahr der Plan sein. Auch in Duisburg bereiten die Organisatoren bereits Notfallpläne vor. Treffen die Wetterprognosen ein, könne der Zug nicht wie geplant stattfinden, hieß es.

Tierschützer fordern Pferdeverzicht

Tierschützer fordern angesichts der miesen Wetterprognosen, dass in den Rosenmontagszügen - sofern sie überhaupt stattfinden - keine Pferde eingesetzt werden. Pferde seien so genannte Fluchttiere, erklärt Ralf Unna, Vizepräsident des Landes-Tierschutzverbandes NRW. Schon bei etwas stärkerem Wind drohe die Gefahr, dass sie ausbrechen und nicht mehr zu bändigen seien. Diese Gefahr besteht in Köln zumindest nicht.

Stand: 08.02.2016, 07:27

Weitere Themen