Spannendes Rennen um die OB-Wahl in Köln

Das historische Rathaus in Köln und der Spanische Bau

Nach Attacke auf OB-Kandidatin

Spannendes Rennen um die OB-Wahl in Köln

  • In Köln wurde Sonntag (18.10.2015) ein neuer OB gewählt
  • Nur geringe Wahlbeteiligung
  • Henriette Reker gewann klar gegen Jochen Ott

Als aussichtsreichste Kandidaten traten am Sonntag (18.10.2015) in Köln die parteilose Sozialdezernentin Henriette Reker (58) sowie der Kölner SPD-Chef und Landtagsabgeordnete Jochen Ott (41) an. Den fünf weiteren Kandidaten wurden eher geringe Chancen eingeräumt. Die eigentlich für Mitte September geplante Wahl war auf diesen Sonntag verschoben worden, nachdem die Bezirksregierung Köln die Stimmzettel für unzulässig erklärt hatte. Nur knapp 40 Prozent der wahlberechtigten Kölner gaben ihre Stimmen ab. Damit gab es eine schlechtere Wahlbeteiligung als bei der letzten Kölner OB-Wahl 2009. Damals hatten allerdings auch gleichzeitig Ratswahlen stattgefunden.

Weitere Kandidaten bei der Oberbürgermeister-Wahl waren Mark Benecke (DIE PARTEI), Hendrik Rottmann (AfD), Sabine Neumeyer und Marcel Hövelmann (beide Einzelbewerber) sowie Kevin Krieger (Republikaner). In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des WDR hatte Reker vor sechs Wochen bei 51 Prozent gelegen. Ott kam damals auf 36 Prozent.

Henriette Reker gewinnt die Wahl

Henriette Reker gewann die Wahl mit der erforderlichen absoluten Mehrheit. Als Kölner Oberbürgermeisterin ist sie die erste Frau in der Geschichte der Millionenstadt, die sich die Amtskette umhängen darf. Und zugleich erobert sie als erste Parteilose den Chefsessel im Kölner Rathaus. Ihre Kandidatur wurde von CDU, FDP und Grünen unterstützt. Die 58-jährige Juristin ist seit 2010 Sozialdezernentin der viertgrößten Stadt Deutschlands. Sie verspricht einen "tiefgreifenden Wandel in Köln" und will nach Skandalen verlorenes Vertrauen in Politik und Verwaltung mit mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung wieder gewinnen. Am Samstag (17.10.2015) war die 58-Jährige aus fremdenfeindlichen Motiven auf einem Kölner Wochenmarkt niedergestochen worden. Ihr Zustand ist nach einer Notoperation stabil. Sie liegt auf der Intensivstation, die Ärzte halten es für wahrscheinlich, dass sie wieder vollständig gesund wird. Sie nahm nicht an der Wahl teil.

Die anderen Parteien hatten nach dem Attentat aus Solidarität alle Wahlkampfaktivitäten gestoppt. Am Samstagabend versammelten sich vor dem Kölner Rathaus kurzfristig Bürger und Vertreter vieler Parteien, unter anderem Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, NRW-CDU-Chef Armin Laschet, FDP-NRW-Chef Christian Lindner und OB-Kandidat Jochen Ott, um gegen den Anschlag zu protestieren.

Parteiübergreifende Menschenkette in Köln

Menschenkette: Jochen Ott, Christian Lindner, Hannelore Kraft und Armin Laschet (v.l.)

Mit 41 Jahren wäre der Kölner SPD-Chef Jochen Ott als Oberbürgermeister der Domstadt ein ungewöhnlich junger Rathaus-Chef geworden. Ott wollte dem Wohnungsbau in der schnell wachsenden Millionenstadt oberste Priorität einräumen, aber auch soziale Infrastruktur, Kita, Schulen und Verkehr fördern. "Ich möchte wie in Hamburg beim Büro des Oberbürgermeisters eine Leitstelle für Wohnungsbau ansiedeln", hatte Ott erklärt.

Viel zu tun in der Domstadt

Auf Reker wartet eine lange Liste von Aufgaben: Köln ist hoch verschuldet, hat viele Probleme. Das Theater um die geplatzte Wiederöffnung von Oper und Schauspielhaus wirkt noch nach, im Rat herrscht ein politisches Patt. Nach der OB-Wahl muss erst mal eine neue Koalition geschmiedet werden. Denn die Neuauszählung eines Kommunalwahl-Stimmbezirks im Mai hatte die SPD - und zwar ausgerechnet Jochen Ott - einen Sitz im Rat gekostet, den sie an die CDU abgeben musste. Die hauchdünne rot-grüne Mehrheit ist weg. Doch nun muss Henriette Reker erst einmal gesund werden.

Stand: 18.10.2015, 20:32