Aachener Forscher untersuchen Flüsse und Stauseen mit High-Tech

Ei-förmiges Messboot von der Größe einer Boje schwimmt auf dem Wasser

Aachener Forscher untersuchen Flüsse und Stauseen mit High-Tech

Von Ingo Wagner

Forscher aus der Region wollen mit modernster Technik testen, wie sauber die Flüsse und Stauseen hier sind. Dafür haben sie ein spezielles Wasserfahrzeug bauen lassen, das mit allen elektronischen Schikanen ausgestattet ist.

"Riverboat" heißt der kleine Katamaran, der von zwei elektrischen Jetmotoren angetrieben wird. Vor kurzem haben die Aachener Wissenschaftler ihn auf dem Stausee Obermaubach bei Kreuzau ausprobiert.
Der Katamaran ist mit modernster Technik ausgestattet. Er verfügt nicht nur über GPS sondern auch über ein Sonargerät, das mit Schallwellen den Boden von Flüssen oder Stauseen abtasten kann. Und an seinem Heck wird auch noch eine spezielle Sonde befestigt, die ständig Wasserproben nimmt.

Wasserqualität soll genauer getestet werden

Zwei Hände halten eine kleine Plastik-Flaschem voll mit einer Wasserprobe aus einem See

Früher wurden die Wasserproben noch von Hand entnommen

Aber wozu der Aufwand? Um die Wasserqualität zu messen, haben die Forscher früher einfach von Hand eine Probe genommen und sie dann im Labor untersucht. Reicht das nicht mehr? "Nein", sagt Ralf Engels, Wissenschaftler beim Aachener Institut für Wasser- und Abfallwirtschaft.

"Früher haben wir nur eine Probe genommen und wussten dann auch nur über die Wasserqualität an dieser einen Stelle Bescheid." Die Wasserqualität in einem Fluss oder See ist aber an vielen Stellen sehr unterschiedlich.
Das Riverboat fährt daher zum Beispiel über das Obermaubacher Staubecken und nimmt ständig neue Proben. Die geben dann ein viel genaueres Bild von der Beschaffenheit des Wassers als ein paar von Hand genommene Proben.

Millionenförderung vom Bund

Eine Kamera wurde an der Seite des Riverboats befestigt, so sieht man die Fahrt aus Sicht des Bootes.

Auf dem Stausee Obermaubach haben die Forscher das Boot zuerst getestet

Um diese neuen Tests möglich zu machen, haben sich viele Institute und Forschungseinrichtungen an der RWTH Aachen zusammengeschlossen. Neben dem Institut für Wasser- und Abfallwirtschaft sind auch das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, der Wasserverband Eifel-Rur und viele andere Partner beteiligt. Dem Verbund gelang es, umfangreiche Fördergelder zu bekommen: Rund drei Millionen Euro hat das Bundesforschungsministerium in das Projekt investiert. Mit einem Teil der Gelder konnte das Riverboat finanziert werden, das die Überprüfung der Wasserqualität deutlich verbessern soll.
Die Untersuchung des Obermaubacher Staubeckens brachte positive Ergebnisse zur Wasserqualität : zum Beispiel, dass die Nitrit-Belastung des Wassers sehr niedrig ist. Auch der PH-Wert ist in Ordnung, der See ist nicht übersäuert.

Aus dem See wird Land

Aber das Riverboat ist auch mit einem Sonargerät ausgestattet. Und das hat etwas weniger Erfreuliches angezeigt: Die Wassertiefe beträgt teilweise nur wenige Meter, im Obermaubacher Staubecken lagern sich immer mehr Sedimente ab, es "verlandet" allmählich. So nennen es die Forscher. Hier werden sich die verantwortlichen Behörden in den kommenden Jahren etwas einfallen lassen müssen, sonst läuft der Stausee allmählich voll und ist dann nicht mehr funktionsfähig.

Riverboat demnächst auf zahlreichen Flüssen im Einsatz

Drei Wissenschaftler zeigen das Messboot

Die Aachener Wissenschaftler sind stolz auf die Ergebnisse ihrer ersten Tests

Die Wissenschaftler sind jedenfalls zufrieden mit den Ergebnissen dieses ersten Testlaufs. Demnächst soll das Riverboat regelmäßig eingesetzt werden und viele Kilometer auf den Flüssen und Talsperren der Region zurücklegen – davon erhoffen sich die Forscher zahlreiche besonders zuverlässige Messergebnisse der regionalen Gewässer.   

Stand: 10.02.2016, 13:50

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