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Fahren auf Standstreifen auf mehr Autobahnen erlaubt

Standspur wird befahren gegen Stau.

Fahren auf Standstreifen auf mehr Autobahnen erlaubt

  • NRW gibt 33 weitere Kilometer Standspur frei.
  • Verkehrsminister Wüst will Staus auf Autobahnen verringern.
  • Freigabe hängt vom Verkehrsaufkommen ab.

Als Maßnahme gegen die hohe Staubelastung in Nordrhein-Westfalen gibt Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) die Standspur auf weiteren Autobahn-Abschnitten während Spitzenzeiten frei. Das Ministerium bestätigte dem WDR am Freitag (13.01.2017) einen Bericht der WAZ.

Ab Mitte 2018 soll auf der A3 zwischen dem Kreuz Hilden und dem Autobahndreieck Ratingen-Ost der Seitenstreifen in beiden Fahrtrichtungen genutzt werden können. Anfang 2019 werde die A52 zwischen Mönchengladbach-Nord und den Autobahnkreuz Neersen folgen. Das ist eine Strecke von zusammen 33 Kilometer.

Minister Wüst: Zusätzliche Kapazitäten schaffen

"Das allein löst nicht das grundsätzliche Stau-Problem in Nordrhein-Westfalen", sagte NRW-Verkehrsminister Wüst dem WDR. "Aber wir müssen jede Maßnahme ergreifen, die Besserung verspricht. Gerade bei Spitzenbelastungen können wir so flexibel reagieren und auf diese Weise zusätzliche Kapazitäten schaffen."

WDR-Verkehrsexperte: Nur Verschiebung der Staus

Frank Schewe vom WDR-Verkehrsstudio erwartet vom Vorhaben des Verkehrsministers kaum eine Wirkung: "Die Freigabe von Standstreifen bringt so gut wie nichts. Damit lassen sich Staus nicht vermeiden." Die Engpässe würden nur um ein paar Kilometer verschoben.

"In der Vergangenheit haben solche Maßnahmen keine Lösung gebracht, sonst wären sie längst häufiger eingesetzt worden", sagte Schewe. Das Problem werde durch mehr Straßen nicht kleiner. "Der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel hat bereits 1972 gewarnt: 'Wer Straßen säht, wird Verkehr ernten'", sagte Schewe.

Bislang auf zwölf Kilometern möglich

Grundsätzlich darf der Standstreifen auf Autobahnen nicht befahren werden. Seit 2002 sind aber Ausnahmen erlaubt: Falls es die Verkehrslage erfordert, dürfen Seitenstreifen zeitweise für Autofahrer freigegeben werden. Dort gilt allerdings ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde.

In NRW standen bisher insgesamt zwölf Kilometer für diese Maßnahme zur Verfügung. Es handelt sich um Abschnitte auf der A57 und auf der A4 um Köln sowie auf der A45 bei Hagen.

Lückenlose Videoüberwachung

Voraussetzung für die temporäre Freigabe eines Seitenstreifens ist eine lückenlose Videoüberwachung des Streckenabschnitts. Damit soll sichergestellt werden, dass keine liegengebliebenen Fahrzeuge oder Gegenstände den Verkehrsfluss blockieren.

Außerdem muss der Autobahnabschnitt über elektronische Anzeigetafeln verfügen, damit die Autofahrer über die Freigabe informiert werden können. Freigeschaltet werden die dafür vorgesehenen Seitenstreifen durch die NRW-Verkehrszentrale in Leverkusen.

Mehr digitale Anzeigetafeln

Um den Verkehr besser lenken und die Autofahrer besser informieren zu können, will das NRW-Verkehrsministerium auch die Zahl der elektronischen Anzeigetafel erhöhen. Bis Ende 2017 gibt es demnach voraussichtlich 91 Tafeln. Im kommenden Jahr kommen 43 weitere dazu. Bis Ende 2020 sollen insgesamt 159 Tafeln im Einsatz sein.

Stand: 13.10.2017, 13:45