Herbstzeit gleich Stauzeit

Autobahn im Regen bei Dunkelheit

Herbstzeit gleich Stauzeit

Von Petra Sommer

Kaum fallen die ersten Blätter von den Bäumen, wird es auf den Straßen in NRW noch voller und enger als sonst. Woran liegt das eigentlich? Wir fassen zusammen.

Ist allein die Witterung verantwortlich oder gibt es weitere Faktoren, die in der kalten Saison die Staubildung begünstigen? Verkehrsexperten forschen und rätseln, sie versuchen Staus zu verstehen und zu verhindern. Eine exakte Formel, warum es vermehrt in der Herbstzeit zu so langen Staus kommt, gibt es dennoch nicht.

Herbstzeit ist Stauzeit

Stillstand. Zu den Stoßzeiten sind die Autobahnen voll. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen, wo das Autobahnnetz so dicht und die Anzahl der Pendler hoch ist. Der Großteil aller Staus entsteht durch zu hohes Verkehrsaufkommen. Für den Rest sind Baustellen, Unfälle und Pannen verantwortlich. Ist dann noch eine Fahrspur blockiert, sind lange Staus unausweichlich. Denn Engstellen bedeuten immer Staustellen.

Ein Haufen nasses Laub auf der Straße

Laub sorgt für rutschige Straßen.

Tage mit mehr als 300 Staukilometern in der Spitze sind ab September keine Seltenheit. Aber echte Stautage, sind das nicht eigentlich so Tage wie vor Pfingsten (dieses Jahr mit der Rekordzahl von gesamt 573 km in NRW) oder vor Himmelfahrt und Fronleichnam (je über 380 km)? Ja, jedoch kann da ein Dienstag im Oktober letzten Jahres mithalten. Am 25. Oktober 2016 wurden zur Rushhour vormittags satte 452 Staukilometer gezählt. Die Gründe sind eigentlich typisch für die Jahreszeit: schlechtes Wetter, Berufsverkehr sowie viele kleinere Unfälle.

Herbstzeit ist Pendlerzeit

Die neue S8 ist überfüllt

Gehören auch zum Herbst: Volle Bahnen.

„Zur Schlechtwetterzeit sind doch viel mehr Leute mit dem Auto unterwegs!“, ist da der erste Gedanke. Wer möchte auch bei nasskaltem Wetter mit dem Rad unterwegs sein oder auf dem Bahnsteig stehen? Dass das gar nicht so ist, weiß Holger Klein, Pressesprecher von Busse & Bahn NRW: „In der dunklen Jahreszeit sind sogar mehr Leute mit den öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs als im Sommer. Die Monate zwischen Oktober und Februar sind, bezogen auf die Fahrgastzahlen, mit die stärksten des Jahres. Nach den Herbstferien schießt das hoch! Einerseits besuchen zu dieser Jahreszeit mehr Leute die Innenstädte und nutzen dazu die öffentlichen Verkehrsmittel, andererseits weichen auch Pendler bei schlechter Witterung gerne auf Busse und Bahnen als Alternative zur Straße aus. Im letzten Jahresdrittel haben zudem weniger Leute Urlaub“.

Viele Firmen müssen zum Jahresende ihre laufenden Projekte zu Ende bringen. Im Vergleich zur Sommerzeit sind somit zwar mehr Pendler unterwegs, diese nutzen aber gleichermaßen das Auto und die öffentlichen Verkehrsmittel.

Herbstzeit ist Baustellenzeit

PKW und LKW stauen sich auf der A1 bei Wuppertal in einer Baustelle

Baustellen sorgen für zusätzliche Staus.

„Nach den Sommerferien geht es doch erst richtig los mit den Baustellen!“, scheint der Eindruck der meisten Autofahrer zu sein. Zwar verteilt sich die Anzahl der Baustellen auf den Autobahnen in NRW laut Straßen.NRW relativ konstant auf das ganze Jahr, jedoch wird im letzten Jahresdrittel definitiv mehr gearbeitet als im Sommer.

Ein Blick in die Statistik bekräftigt das. Irgendwie logisch: im Herbst ist die Witterung noch okay und zum Ende des Jahres muss das Restbudget weg. Insbesondere Ausbesserungsarbeiten am Asphalt finden dann häufig statt. „Bei Asphaltarbeiten benötigt man Plusgrade“, so Stephan Lamprecht von Straßen.NRW.

Herbstzeit ist Unfallzeit

Die Zeit um September und Oktober ist stets eine kritische Phase. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Faktor Mensch. Jedes Jahr aufs Neue scheint das Herbstwetter die Autofahrer regelrecht zu überraschen. Ausserdem beeinflussen die schlechten Witterungsverhältnisse das Fahrverhalten. Nebel, Dunkelheit, schlechte Sicht, Laub und Nässe auf den Fahrbahnen erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit. Und an diese neuen Gefahren müssen sich Autofahrer erst wieder gewöhnen.

Die Folge: sie reagieren mit verhaltenem und unsicherem Fahren, zum Beispiel durch frühes oder abruptes Abbremsen. Und das wiederum begünstigt die Staubildung. Ein weiteres Problem bleibt zu nahes Auffahren. Dabei gibt es eine einfache Faustregel: Sicherheitsabstand gleich halber Tacho. Denn ist der Abstand zum Vordermann zu gering, bahnt sich die Stauwelle schnell ihren Weg.

Wie entsteht ein Stau

Grafik: ADAC

Herbstzeit ist Servicezeit

Kostenloser Lichttest

Die Scheinwerfer sollten in der dunklen Jahreszeit richtig eingestellt sein.

Gibt es denn nichts was ich tun kann? Doch: jeder Autofahrer sollte loslegen und sein Auto winterfest machen. Der kleine Check lässt sich schnell ausführen. Kühlwasser und Frostschutz kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen, Batterie prüfen sowie Scheibenwischer erneuern. Anfang Oktober bietet sich für den Reifenwechsel an. Dabei sollten auch Profil und Luftdruck kontrolliert werden. Faustregel: Winterreifen von Oktober bis Ostern.

Die geschenkte Stunde

Zeiger einer Uhr zwischen 2 Uhr und 3 Uhr zu sehen.

Die Zeitumstellung bereitet Vielen Probleme.

Und dann ist da noch das Phänomen mit der Zeitumstellung. Erfahrungsgemäß gibt es am Montagmorgen nach der Zeitumstellung stets größere Probleme auf den Straßen. Warum? Eine echte Erklärung gibt es nicht. Dieses Jahr werden die Uhren am Sonntagmorgen (29. Oktober) um 3 Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Eine geschenkte Stunde, die wir hoffentlich nicht im Stau verbringen. Falls man doch im Stau stehen sollte: unbedingt an die Rettungsgasse denken!

Stand: 06.10.2017, 11:12

Verkehrslage

Kein Stau gemeldet in NRW

Wetter

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