Online-Bestellungen sorgen für Stau

Ein Ärgernis - Lieferwagen in der zweiten Reihe

Verkehrskollaps in Innenstädten

Online-Bestellungen sorgen für Stau

Von Sebastian Auer

Die Innenstädte im Ruhrgebiet sind überlastet, Autofahrer sind den täglichen Stau längst gewöhnt. Doch es könnte noch schlimmer werden. Denn die Lieferwagen der vielen Online-Bestellungen verstopfen die Straßen zusätzlich. Alternativen müssen her.

Auf den ersten Blick ist das Ergebnis einer jetzt vorgestellten Studie des Fraunhofer-Instituts in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Bochum (IHK) wenig überraschend. Der Straßenverkehr in den Innenstädten wird weiter zunehmen, bis zum Jahr 2025 werden 15 Prozent mehr Autos unterwegs sein, bei den Lastern sind es sogar 31 Prozent. Grund für den starken Anstieg des Lieferverkehrs: der Onlinehandel. Beim Fraunhofer-Institut gehen die Wissenschaftler davon aus, dass immer häufiger vor allem kleine Lieferungen über die Straße geschickt werden. Zahlreiche verschiedene Lieferwagen, die in zweiter Reihe parken - das Bild ist schon jetzt bekannt. Gleichzeitig, so die Studie, würde der Einzelhandel in den Innenstädten für die Menschen weiter attraktiv bleiben. Und die meisten würden eben mit dem Auto zum Einkaufsbummel in die Städte fahren.

Andere Städte machen es vor

Lösungen müssen also her und da kann die Verkehrsstudie als Weckruf an Wirtschaft und Politik gewertet werden. "Wir müssen uns alternative Liefermöglichkeiten überlegen. Das Ruhrgebiet traut sich bisher in diesem Bereich wenig", sagt Christiane Auffermann vom Fraunhofer-Institut. Ein Blick in die Niederlande kann helfen. In Utrecht sind in der Innenstadt sogenannte Cargohopper unterwegs. Sie sehen aus wie eine Bimmelbahn für Touristen. Kleine Lieferwaggons, vorne ein Elektrofahrzeug. Diese Mini-Züge auf der Straße werden in einem großen Warenverteilzentrum am Rande der Stadt befüllt und fahren dann in der Innenstadt die Geschäfte ab. Der Vorteil: Weniger Lkw-Verkehr in den Städten, weniger Staus, weniger Abgase.

"Die letzten Meter sind das Problem"

"Es geht um die letzte Meile", sagt Kerstin Groß von der Bochumer IHK. Es sei wenig sinnvoll, wenn jeder Paketdienst mit seinen eigenen Transportern die Straßen verstopfe. Weil die Lagermöglichkeiten vor Ort begrenzt seien, Bestellungen von Händlern und Privatpersonen aber zunehmen würden, könne man damit rechnen, dass bald noch mehr Lieferwagen unterwegs sein werden. Cargohopper für die letzten Meter vom Logistikzentrum in die Innenstadt sind das eine, E-Bikes mit Ladeflächen eine andere Idee. Ein weiterer Vorschlag: Warenanlieferungen auf die Nacht verschieben. "Dazu muss die Politik den Mut haben, die Gesetze zu ändern. Denn bisher ist das in Deutschland kaum erlaubt", sagt Christiane Auffermann vom Fraunhofer-Institut. Ob Arbeitnehmer und Gewerkschaften davon so begeistert wären - fraglich.

Nahverkehr wichtig

Luft nach oben sieht Auffermann auch beim Nahverkehr im Ruhrgebiet: "Paris plant eine autofreie Innenstadt, einfach weil der Nahverkehr so gut funktioniert. Wenn die U-Bahnen alle drei bis fünf Minuten kommen, bleibe das Auto öfter stehen. So lässt sich ein Verkehrskollaps im Ruhrgebiet in Zukunft auch verhindern." Viele gute Ideen, ob es mit der Umsetzung im Ruhrgebiet klappt, da will sich keiner festlegen. "Die Holländer sind experimentierfreudiger. Da werden Sachen einfach mal angepackt und ausprobiert", sagt Kerstin Groß von der IHK. Zumindest die Hoffnung ist da, dass das im Ruhrgebiet auch einmal so sein wird.

Stand: 11.02.2016, 13:38

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