Welches Yoga passt zu mir?

Hatha Yoga

Yoga: Fragen und Antworten

Welches Yoga passt zu mir?

Hot-Yoga bei 40 Grad, pulstreibendes Power-Yoga, Hormon- oder Paar-Yoga - in allen erdenklichen Formen werden diese Jahrtausende alten, aus Indien stammenden Übungen mittlerweile angeboten. Wie findet man den richtigen Kurs, und was ist überhaupt dran an diesem Trend? Fragen und Antworten.

Yogakurse werden mittlerweile an jeder Ecke angeboten. Wer darf sich eigentlich Yoga-Lehrer/-Lehrerin nennen?

Jeder, denn die Berufsbezeichnung ist gesetzlich nicht geschützt. Es gibt aber mehrere Berufsverbände, die versuchen, mit unterschiedlich hohen Anforderungen einen gewissen Qualitätsstandard zu sichern. So hat beispielsweise der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) in seiner vier Jahre dauernden Ausbildung relativ strenge Vorgaben. "Das heißt aber nicht, dass eine Lehrerin oder ein Lehrer ohne diese Ausbildung nicht auch gut sein kann", sagt Dr. Holger Cramer, der als Forschungsleiter der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen-Mitte die heilenden Wirkung von Yoga untersucht.

Hatha-Yoga, Ashtanga- oder Hot-Yoga, Hormon-Yoga - das Angebot ist vielfältig. Welcher Yogastil passt zu wem?

Hot Yoga

Hier wird bei 40 Grad geübt: Hot Yoga

"Aus sämtlichen Studien ergibt sich kein Hinweis, dass ein Yoga-Stil besser als ein anderer ist", sagt Cramer. Wer mit Yoga anfangen will, müsse für sich herausfinden, womit er sich am wohlsten fühle. Richtungen wie Hot-Yoga, Power- oder Ashtanga-Yoga bestehen eher aus körperlich fordernden Übungen, während bei Hatha- oder Iyengar-Yoga auch die Entspannung eine wichtige Rolle spielt - weshalb diese beiden Richtungen bei chronischen Rückenverspannungen empfehlenswert seien. "Wichtig ist", sagt Cramer, "dass man sich in einem Kurs wohlfühlt und gut mit dem Lehrer oder der Lehrerin zurecht kommt".

Kann Yoga heilend wirken?

Internationale Studien belegen, dass Yoga deutliche Verbesserungen bei Bluthochdruck, Diabetes oder Depressionen bewirken kann. In mehreren eigenen Studien haben die Wissenschaftler der Klinik für Naturheilkunde in Essen nachgewiesen, dass Yoga auch in der Krebstherapie wirkungsvoll eingesetzt werden kann, etwa um die Nebenwirkungen der eigentlichen Therapie zu lindern. So lassen sich die oft heftigen Wechseljahresbeschwerden, die Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung erleben, deutlich mindern. In zwei neuen Studien untersuchen die Essener Ärzte den Einfluss von Yoga auf chronische Darmentzündungen (Colitis ulcerosa) und Übergewicht bei Frauen. Die positive Wirkung resultiere dabei aus jeweils unterschiedlichen Aspekten der Yogaübungen, sagt Forscher Holger Cramer: So wirke sich bei Rückenproblemen vor allem die körperliche Bewegung, bei Bluthochdruck dagegen mehr die intensive Atmung im Yoga förderlich aus. Bei Depressionen wiederum sorge der stark meditative Aspekt für deutliche Verbesserungen.

Wie findet man den richtigen Yogastil für die eigenen Beschwerden?

Yoga

Bei Erkrankungen vorher den Arzt fragen

Spezielle Yogaangebote beispielsweise für Krebspatienten gibt es, seien aber noch selten, sagt Holger Cramer. Sogenannte "Rückenklassen" dagegen würden immer häufiger angeboten. Es lohne sich, zu recherchieren, welchen medizinischen Hintergrund ein Lehrer oder eine Lehrerin hat: "Was hat er oder sie beruflich bisher gemacht?" In jedem Fall sei es ratsam, bei einer speziellen Erkrankung vorher mit dem zuständigen Arzt zu sprechen. "Auch den Yogalehrenden sollte man im Vorfeld ansprechen."

Gibt es Gegenanzeigen?

Menschen mit Herzfehlern oder Herzerkrankungen sollten bei den eher fordernden Yogastilen wie Ashtanga-, Power- oder Hot-Yoga vorsichtig sein, sagt , sagt Cramer. Auch bei Grünem Star sei von sogenannten Umkehrhaltungen abzuraten - Übungen wie Kopf- oder Schulterstand ("Kerze"), bei denen der Kopf zuunterst steht, da sich hier der Augeninnendruck erhöht.

Wie groß ist das Verletzungsrisiko beim Yoga?

Yoga

"Die eigenen Grenzen spüren und respektieren"

"Nicht höher als bei anderen Bewegungsarten wie Walking oder Rückenschule auch", sagt Cramer. Nach seinen Statistiken habe sich jeder vierte Yogapraktizierende schonmal verletzt - zumeist in Form von harmloseren Verrenkungen oder Verstauchungen. "Schwere Verletzungen sind beim Yoga sehr selten." Wichtig sei, bei den Übungen die eigenen Grenzen zu spüren und zu respektieren. Auch der Yogalehrer müsse diese Grenzen respektieren - "sonst ist ein Wechsel dringend zu empfehlen!" Ein besonderer Appell des Arztes geht an Männer: "Yoga ist kein Wettkampf", es gehe nicht darum, "wer als erstes den Kopfstand schafft". Dann, mahnt er, steige das Verletzungsrisiko nämlich definitiv.

Eignet sich Yoga auch für Kinder?

Grundsätzlich schon. Wer Unterricht für Kinder anbietet, sollte allerdings eine spezielle Ausbildung dafür haben, sagt Cramer. Untersuchungen würden bereits belegen, dass Yoga bei Kindern beruhigend und stressreduzierend wirke, das Aggressionspotential senke und auch bei Erkrankungen wie Rheuma oder Reizdarm zu Verbesserungen führe.

Stand: 12.02.2016, 06:00