Senioren sollen große Wohnungen tauschen

Senioren sollen große Wohnungen tauschen

Junge Familien suchen oft händeringend nach bezahlbaren vier Wänden. Gleichzeitig leben viel ältere Alleinstehende in eigentlich viel zu großen Wohnungen. Tauschmöglichkeiten schlagen diese aber meist aus.

Die Wohnung war mal passend: Als die Kinder noch zuhause wohnten und die Ehefrau noch lebte. Mittlerweile aber ist der Ehemann hochbetagt und alleinstehend übrig geblieben - und die Wohnung eigentlich viel zu groß, um sie noch alleine zu bewirtschaften. Ein typischer Fall, der gerade in großen Städten dazu führt, dass viele junge Familien vergeblich nach bezahlbaren Wohnungen suchen, während Single-Senioren mehr Raum zur Verfügung haben, als sie eigentlich bräuchten. Noch dazu oft in höheren Etagen, ohne Aufzug und auch sonst kaum altersgerecht.

Kleinere Wohnung, halbe Miete

Mit der Initiative "Wohnen für Generationen" will der Immobilienkonzern LEG die Situation lösen: Mietern soll ein Wohnungstausch angeboten werden. Lebt beispielsweise ein Rentner mittlerweile allein in einer 90-Quadratmeter-Wohnung, versucht die LEG, ihm eine 45-Quadratmeter-Wohnung ganz in der Nähe anzubieten. Angeblich mit der Garantie, dass der Mann in der Wohnung, die halb so groß ist, wie seine vorherige, auch nur halb so viel Miete zahlt.

Ziel sei, "die Wohnsituation für Jung und Alt zu optimieren", sagt LEG-Chef Thomas Hegel. "Ohne zeitaufwendigen Neubau" hoffe man so, "rasch und unbürokratisch zusätzlichen Wohnraum für Familien" schaffen zu können. 1.000 familiengerechte Wohnungen könnten so in NRW frei werden, schätzt die LEG. Das Unternehmen verwaltet rund 130.000 Wohnungen im Land.

Fragwürdiger Tausch? Angebot stößt auf wenig Interesse

Älterer Mann vor dem Fernseher

Niedrige Miete bei gleichzeitiger Einsamkeit?

Vom Bundesbauministerium bekam die LEG viel Lob für diese Initiative. Beim Erbbauverein Köln biete man den Wohnungstausch bereits seit mehr als zehn Jahren an, sagt Vorstandsmitglied Werner Roche. 2.300 Wohnungen vermietet die Genossenschaft, und innerhalb der Mieterschaft gebe es durchaus sinnvolle Tauschoptionen. Das Problem: Viele ältere Mieter wohnen bereits seit vielen Jahren in ihren Wohnungen und bezahlen eine dementsprechend niedrige Miete. Wenn dann ein einsamer Renter seine alte 80 Quadratmeter-Wohnung für 600 Euro warm gegen eine 40-Quadratmeter-Wohnung tauschen soll, die allerdings modernisiert schon 700 Euro kostet, dann stoße das Angebot in der Regel auf wenig Interesse, sagt Roche.

"Viele bleiben, solange es geht"

Zwar bietet der Verein einen Zuschuss zu den Umzugskosten von bis zu 1.500 Euro - aber dennoch gelinge ein solcher Wohnungstausch im Schnitt nur zweimal im Jahr. Gerade die ältere Generation sei oft sehr verwurzelt in ihrer vertrauten Umgebung, und außerdem "recht genügsam", so Roche: Selbst, wenn die alte Wohnung mühsames Treppensteigen und ein veraltetes Bad bedeute, während die angebotene neue komplett modernisiert, barrierefrei und mit Fahrstuhl sei - "die meisten bleiben, so lange es geht, in ihrer Wohnung und wechseln von da aus oft direkt ins Pflegeheim".

Auch bei der wesentlich größeren Firma LEG läuft die Aktion Wohnungstausch schleppend: Im Juni damit gestartet, konnte die LEG bis jetzt nach eigenen Angaben noch keinen Wohnungstausch vertraglich besiegeln. Immerhin gebe es "verschiedene Interessenten", heißt es.

Mieterverein NRW: Tauschangebot gute Idee

Wohnungsanzeige in der Zeitung, rot umrandet

Dabei sei solch ein Tauschangebot im Grunde "eine gute Sache", sagt Silke Gottschalk vom Mieterbund NRW - vorausgesetzt, der Mieter zahlt am Ende wirklich nicht mehr als in seiner alten Wohnung.

"Lebensumstände ändern sich", sagt auch sie: Aus jungen Paaren werden Familien, aus Ehepaaren werden Alleinstehende. Da möglichst passgenaue Wohnungen für alle zu finden, sei eine gute Idee - zumal sich auf dem derzeit angespannten Wohnungsmarkt viele Mieter gar nicht trauen würden, ihre unpassend gewordenen Wohnung aufzugeben. Denn gerade in Großstädten und Ballungszentren sind kleine Wohnungen häufig besonders teuer. Wenn überhaupt, sagt sie, könne ein solches System nur in sehr angespannten Lagen - wie in Köln - funktionieren, wo Mieter in der Regel ihre Wohnung erst dann kündigen, wenn sie definitiv eine neue gefunden haben.

Stand: 26.09.2017, 06:00