Wildstauden – Unterschätzte Wolfsmilch

Die Vielfarbige Wolfsmilch verändert ihre Farbe von Leuchtend-Gelb bis Orangerot

Wildstauden – Unterschätzte Wolfsmilch

Von Sabine Krüger

Der Hildener Gartengestalter Peter Janke strebt natürliche Gartenbilder an. Er bricht eine Lanze für bescheidene robuste Wildarten. Wolfsmilchgewächse sind beispielsweise echte Teamplayer mit dennoch eigenem Charakter.

Wildstauden – Unterschätzte Wolfsmilch

WDR 4 Drinnen und Draußen | 28.04.2017 | 02:25 Min.

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Auf den ersten Blick bescheiden

Da die Wolfsmilch meist gelbgrün daherkommt, ohne aufsehenerregende Blüten in schreienden Farben, fällt sie vielen Hobbygärtnern nicht als erstes ein, bei der Gestaltung ihres Gartens. Wenn man allerdings genau hinschaut, erkennt man, wie ungeheuer vielfältig diese Pflanzengruppe ist. Zudem braucht es für ein harmonisches Gartenbild nicht nur Diven, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern auch einen bescheidenen Chor, der die Solisten erst so richtig zur Geltung bringt.

"Elektrisches Grün" baut Brücken

Diese Rolle füllt die Wolfsmilch, lateinisch Euphorbie, perfekt aus. Die große englische Gartengestalterin Beth Chatto, die dieses Jahr 94 Jahre alt wird, hat die typische Wolfsmilchfarbe mal als "elektrisches Grün" bezeichnet. Es ist eine aparte Mischung aus Gelb und Grün. Peter Janke hat als junger Gartengestalter bei Beth Chatto in Essex angeheuert, bevor er sich in Hilden sein eigenes Reich geschaffen hat. Er liebt dieses typische Wolfsmilch-Grün, "weil es sich quasi mit jeder Farbe kombinieren lässt". Die Mandelblättrige Purpur-Wolfsmilch ist beispielsweise ein idealer Partner für pinkfarbene Bergenien.

Farbe wechsel dich!

Aber auch unter den Wolfsmilcharten gibt es viele, die aus der Masse hervorstechen. Besonders interessant sind diejenigen, die ihre Farbe über die Jahreszeiten verändern. So zum Beispiel die Vielfarbige Wolfsmilch (Euphorbia polychroma Purpurea): "Sie fängt in diesem strahlenden Leuchtend-Gelb an, was dann zum Grün-Gelb wird, dann kommen Rottöne hinzu und im Herbst leuchtet sie wirklich in Purpur bis Orangerot!", schwärmt Peter Janke. Die Sumpf-Wolfsmilch wechselt ebenfalls von Gelb zu Rot.

Nachhaltig schön: Wolfsmilch

Die Wolfsmilch, lateinisch Euphorbia, ist schwer zu beschreiben und gerade deshalb für den Garten interessant. Sie besticht durch ihre ganz eigene Struktur und ein ausgefallenes Grüngelb im Blatt und meist auch in der Blüte. Meist, denn die Vielfalt der Wolfsmilch ist enorm: Weltweit gibt es über 2000 Arten. Und viele eignen sich für unsere Gärten.

Gartengestalter Peter Janke

Der renommierte Gartengestalter Peter Janke aus Hilden ist ein führender Vertreter des "New German Style" (Neuer Deutscher Stil). Das ist ein Gartenstil, der die Natur zum Vorbild hat. "Da passt die Wolfsmilch perfekt rein, weil sie wild-romantisch wirkt und dabei eine ganz unkomplizierte Gartenpflanze ist", weiß der Gartendesigner.

Der renommierte Gartengestalter Peter Janke aus Hilden ist ein führender Vertreter des "New German Style" (Neuer Deutscher Stil). Das ist ein Gartenstil, der die Natur zum Vorbild hat. "Da passt die Wolfsmilch perfekt rein, weil sie wild-romantisch wirkt und dabei eine ganz unkomplizierte Gartenpflanze ist", weiß der Gartendesigner.

Ein Paradebeispiel für die eigene Struktur der Wolfsmilch ist die Walzenwolfsmilch, lateinisch: Euphorbia myrsinites. Ihr deutscher Name klingt zwar wenig schmeichelhaft, beschreibt aber sehr gut ihr Aussehen: Die eigentümlich dreieckig-tropfenförmigen Blätter sind angeordnet wie auf einer Walze.

Ebenfalls charakteristisch für die Wolfsmilch ist ihre gelbgrüne Farbe. Die Zypressenwolfsmilch bildet rasch einen strahlenden Teppich im Garten. Man sieht sie auch oft in unseren Wäldern, denn diese Wolfsmilchart ist bei uns heimisch. Bei Peter Janke wächst sie am Rand seines sonnigen Kiesgartens.

Die Sumpfwolfsmilch steht am Teichrand in Peter Jankes schattigem Waldgarten. Euphorbien gibt es praktisch für alle Standorte. Man muss nur die richtige Art auswählen. Der sich langsam entrollende Königsfarn im Vorder- und die gelbe Sumpfwolfsmilch im Hintergrund ergeben ein gleichzeitig harmonisches und spannendes Frühlingsbild. Im Herbst verfärbt sich das Laub der Sumpfwolfsmilch orangerot.

In einer Weinkiste hat der Gartengestalter verschiedene Wolfsmilcharten mit seinem Lieblingsgras kombiniert: dem Herbstkopfgras. Die breitblättrige Pflanze in der Mitte ist auch eine Wolfsmilch: Euphorbia x pasteurii. Sie hat keinen deutschen Namen und ist eine der größten, die man hier kultivieren kann. Sie wird bis zu 2,50 Meter hoch. Ihre 25-30cm langen Blätter, die sich im Herbst rot verfärben, behält sie auch im Winter. "Was will man mehr im Garten", schwärmt Peter Janke.

Auch die zarte Mandelblättrige Purpur-Wolfsmilch ist immergrün. Beziehungsweise in dem Fall "immerrot", denn sie besticht durch ihren kräftigroten Stiel mit rötlichen Blättern und den typisch gelbgrünen Blüten. Sie blüht von April bis Juli und versamt sich, wenn sie sich am Standort wohlfühlt. Besonders geeignet sind lichte Schattenplätze unter Laubgehölzen oder halbschattige Steingärten.

Eine besondere Schönheit ist die Himalaya-Wolfsmilch (Euphorbia griffithii). Bei ihr sind nicht nur Stiel und Laub rot, sondern auch die Blüte. Diese Art fühlt sich an nährstoffreichen, nicht zu trockenen Standorten wohl. Am besten pflanzt man sie im Frühjahr und schützt sie im ersten Winter mit Laub.

Ein ganz wunderbarer Pflanzpartner für die Himalaya-Wolfsmilch ist die Bachnelkwurz. Die Farbe ihrer Blüte harmoniert ideal mit der Stielfärbung der Euphorbia griffithii (im Hintergrund). Wer es lieber kontrastreich mag, kombiniert mit dunkelviolett blühenden Kugelprimeln. In jedem Fall ist die Euphorbia griffithii ein "wahres Farbfeuerwerk", meint Peter Janke. "Und dennoch ist es, wieder typisch Wolfsmilch, eine angenehme Farbe."

Die Busch-Wolfsmilch (Euphorbia x martinii) fällt durch einen tiefroten Stern inmitten des klassischen Wolfsmilch-Grün auf. "Tatsächlich ist nur dieser tiefrote Stern die Blüte der Wolfsmilch. Die weiteren Blätter drum herum, die wir fälschlicherweise auch als Blüte bezeichnen sind Scheinblüten, die die Bestäuber anlocken sollen", erklärt der Gartengestalter.

Peter Janke kombiniert die Wolfsmilchpflanzen, hier links im Vordergrund in seinem Kiesgarten, sehr gerne mit Gräsern: "Besonders die frühaustreibenden oder immergrünen Gräser garantieren ein fantastisches Frühlingsbild. Mein Lieblingsgras ist das Herbstkopfgras, denn es hat auch schon so ein tolles gelb-grünes Laub."

Ausdauernde Langzeit-Blüher

Die Sumpf-Wolfsmilch blüht von Mai bis Juni, also schon recht lange. Vier bis Sechs Wochen dauert die durchschnittliche Blütezeit der Wolfsmilcharten. Es gibt aber auch regelrechte Dauerbrenner, wie die Steppenwolfsmilch. Sie beginnt zwar erst im Juni, blüht aber bis Oktober. "Auch die Mittelmeer-Wolfsmilch oder die Martins-Wolfsmilch blüht mehrere Monate und das sogar an solch heißen Standorten", so Peter Janke. Die Mittelmeer-Wolfsmilch fängt bereits im April an und ist mindestens bis Mitte des Sommers sehr attraktiv.

Pflegeleicht – aber mit Handschuhen!

Hat man einmal den richtigen Standort ausgewählt, ist die Wolfsmilch extrem pflegeleicht. "Bei den Immergrünen schneidet man den verblühten Blütenstiel im Spät-Winter, kurz vor dem Neuaustrieb, bis unten heraus. Alle anderen kürzt man im frühen Winter knapp über dem Boden", erläutert Peter Janke. "Beim Zurückschneiden sollte man aber Handschuhe tragen, denn die Milch der Wolfsmilch setzt den UV-Schutz der Haut auf null. Das kann bei empfindlichen Menschen zu Verbrennungen führen", warnt der Gartengestalter. Daher kommt auch der deutsche Name dieser Pflanze. "Die Wolfsmilch beißt". Bei großen Flächen trägt er sogar eine Schutzbrille.

Wildstauden bevorzugt

Alle hier vorgestellten Wolfsmilchpflanzen sind Wildarten, die so auch in der Natur vorkommen. Ihnen gibt Peter Janke gegenüber Kreuzungen, also Hybriden, den Vorzug: "Bei vielen Gattungen ist es so, dass die Wildformen viel anpassungsfähiger an die Garten-Standorte sind. Was mir aber auch besonders wichtig ist, sie haben eine natürliche Eleganz, die einen Charme in den Garten bringt, wie sie die Hybride oftmals nicht leisten kann. Bei Letzteren stimmen häufig die Proportionen nicht so perfekt wie bei den Wildformen".

Lesetipps:

Peter Janke, Jürgen Becker
Meine Vision wird Garten. Ganzjährig attraktiv. Mit nachhaltigen Pflanzkonzepten für jeden Standort
Becker Joest Volk Verlag, 2012
39,90 €

Brigitte Kleinod, Friedhelm Strickler
Schön wild! Attraktive Beete mit heimischen Wildstauden im Garten
pala-Verlag, 2017
19,90 €

Norbert Griebl
Mein ungezähmter Garten
Haupt Verlag, 2017
29,90 €

Elke Schwarzer
Heimische Pflanzen für den Garten
Ulmer Verlag, 2016
12,90 €

Stand: 28.04.2017, 00:00