Brandgefahr Solaranlage

Eine Solaranlage auf einem Dach

Brandgefahr Solaranlage

Von Nina Magoley

Brennt es in einem Haus mit Solaranlage, kann die anrückende Feuerwehr manchmal gar nicht löschen – wegen der Gefahr heftiger Stromschläge. Wie Hausbesitzer vorbeugen können.

Solaranlagen erzeugen permanent Strom, und wer eine auf dem Dach hat, dessen Haus ist durchzogen von elektrischen Leitungen. Bricht in einem solchen Haus ein Brand aus, hat die Feuerwehr möglicherweise ein Problem: "Solaranlagen lassen sich nicht komplett ausschalten und führen häufig bis zum Gleichrichter gefährliche Spannung" sagt Thomas Tremmel, stellvertretender Leiter der Feuerwehr in Ratingen und beim Verband der Feuerwehren NRW Experte für Gefährdungsbeurteilung. Das aber bedeutet, dass die Helfer ihren Wasserstrahl nicht einfach in die Flammen halten können. Zu groß ist die Gefahr, damit auf eine beschädigte Stromleitung zu treffen und dann einen möglicherweise tödlichen Stromschlag abzubekommen.

Aus-Schalter ist oft unauffindbar

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Feuerwehr muss erstmal nach dem Schalter suchen

"Im Extremfall können wir nur mit besonderem Abstand löschen", sagt Tremmel. Häufig liege der sogenannte Gleichrichter, die Stelle im System, an der sich die Solaranlage auch abschalten lässt, irgendwo im Keller eines Gebäudes. Nur sehr moderne oder entsprechend nachgerüstete Anlagen hätten Freischaltmöglichkeiten - z. B. sogenannte Feuerwehrschalter - in unmittelbarer Nähe der Solarpaneele.

Sind Gleichrichter oder Feuerwehrschalter aber nicht erreichbar oder gar nicht erst auffindbar, müssen die Feuerwehrleute vorsichtig sein, denn die Anlage produziert dann weiterhin Energie und sämtliche Leitungen stehen unter Spannung. In einigen Fällen musste die Feuerwehr bereits zusehen, wie ein Haus abbrannte, ohne eingreifen zu können.

Giftige Gase durch Solaranlagen

Geht eine Photovoltaikanlage in Flammen auf, besteht außerdem die Gefahr, dass dabei Giftstoffe freigesetzt werden, die sich in Kabeln oder Modulen befinden. Problematisch ist außerdem der Kamineffekt, den Solarmodule auslösen können, wenn der Dachstuhl brennt: Dadurch, dass die Paneele in der Regel mit einem Abstand von etwa zehn Zentimetern auf die Dächer montiert werden, entsteht in dem Zwischenraum ein Luftzug, der die Flammen erst so richtig entfachen und dafür sorgen kann, dass sich das Feuer schneller ausbreitet. 

Eine weitere Gefahr, wenn der Dachstuhl brennt: Es können sich Teile der Photovoltaikanlage lösen und beim Herabfallen die Einsatzkräfte verletzen. "Trümmerschatten", nennt Feuerwehrmann Tremmel das.

Brandursache Photovoltaikanlage

Abgesehen davon, dass eine Photovoltaikanlage bei einem Hausbrand zusätzliche Probleme bereiten kann, kommt es auch vor, dass die Solarpanels selber Brandursache sind. Fertigungsfehler, die zum Beispiel durch schlechte Lötkontakte entstehen, oder auch Beschädigungen eines Panels können zu einer starken punktuellen Erhitzung führen.

Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft allerdings seien bisher in Deutschland "nur wenige Brände" durch Solaranlagen ausgelöst worden. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Meistens seien das Anlagen gewesen, die "nicht den in Deutschland herrschenden Richtlinien, Normen sowie Installations- und Sicherheitsstandards entsprechen", erklärt der Verband.

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Hausbesitzer sollten Notfall-Informationen bereithalten

Trotz all dieser Gefahren sei es für die eintreffenden Feuerwehrleute grundsätzlich das Ziel, den Brand zu löschen, versichert Tremmel – auch wenn sie auf dem Dach des brennenden Hauses Solarpanels erblicken. Zunächst würden die Kollegen dann versuchen, Informationen über die Anlage zu bekommen: Wie alt sie ist, ob es bereits einen gut erreichbaren Gleichrichter gibt oder ob sein Ort bekannt ist. Falls sich das nicht klären lässt und ein Bereich des Hauses betroffen ist, in dem sich höchstwahrscheinlich Solarstromkabel befinden, versuche die Feuerwehr, den Brand hier mit dem erforderlichen Abstand zu löschen: "Dann können wir in solche Gebäudebereiche unter Umständen nicht hineingehen."  

Schutzmaßnahmen für Hausbesitzer

Hausbesitzer und –bewohner, die eine Solaranlage auf dem Dach haben, können allerdings Vorkehrungen treffen, damit im Brandfall möglichst doch gelöscht werden kann:

  • Ein gut gekennzeichneter "Feuerwehrschalter", der möglichst nah an den Solarpanelen wirkt, gibt der Feuerwehr die Möglichkeit, die Anlage schnell und möglichst nach an den Solarmodulen komplett abzuschalten.
  • Eine technische Beschreibung der Anlage, die an einem zentralen Ort aufbewahrt wird, kann der Feuerwehr schnell Auskunft über Alter, Ausstattung und Details geben.
  • Ein Übersichtsplan der Anlage, der auch den Verlauf der Leitungen darstellt hilft bei der Einschätzung, in welchen Gebäudebereichen im Brandfall besondere Vorsicht geboten ist.

Stand: 02.10.2017, 06:00