Aus für Schadstoffsiegel in Fußböden

Aus für Schadstoffsiegel in Fußböden

Bisher konnte man schadstoffarmes Laminat oder Parkett am Ü-Zeichen auf der Verpackung erkennen. Doch genau dieses Zeichen fällt jetzt weg. Für Verbraucher wird es schwieriger, die Wohnung gesundheits- und umweltbewusst zu renovieren.

Seit dem 15. Oktober 2016 müssen sogenannte "normierte Bauprodukte" wie Laminate, Parkette, Vliestapeten in Deutschland nicht mehr von unabhängigen Instituten auf Schadstoffemissionen getestet werden. Dafür wurde bislang das Ü-Zeichen vergeben. Diese Tests waren bisher für alle Baumaterialien verpflichtend, die in Aufenthaltsräumen, also Wohn- und Innenräumen, benutzt werden.

Ein Urteil mit Folgen

Bereits 2014 hatte der Europäische Gerichtshof in einem Feststellungsurteil entschieden, dass die deutschen Zusatzanforderungen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz bei Bauprodukten den freien Warenverkehr innerhalb der EU behinderten. Allerdings waren von dem Urteil damals nur drei Punkte der gesamten Anforderungsliste (Bauregelliste B Teil 1) betroffen:

  • Rohrleitungsdichtungen aus thermoplastischen Elastomeren
  • die Eigenschaft des Glimmens von Dämmstoffen aus Mineralwolle
  • das Brandverhalten von Toren ohne Feuer- und Rauchschutzeigenschaften

Das Gericht war der Meinung, hier sei das CE-Zeichen ausreichend. Deutschland wurde aufgefordert, innerhalb von zwei Jahren nachzubessern. Das deutsche Bauministerium reagierte auf diese Forderung radikaler, als mancher erwartet hätte. Es entschied die gesamte Bauregelliste aufzuheben. Damit galt die Regel "nur CE-Zeichen statt zusätzlichem Ü-Zeichen" auf einmal für nahezu alle technisch normierten Bauprodukte.

Eine Schutzlücke für Jahre

Für Verbraucherschützer ist das ein Skandal, denn das CE-Zeichen beinhaltet gar keine für den Umwelt- und Gesundheitsschutz benötigten Angaben. Die EU will da zwar irgendwann nachbessern, aber das kann dauern. Fünf bis zehn Jahre schätzt das Umweltbundesamt. Solange müssen Verbraucher mit weniger Gesundheitsschutz und dafür mit höheren Schadstoffbelastungen in Gebäuden rechnen. Eine Aussicht, die niemandem so recht gefallen dürfte.

Das Bild zeigt das CE-Zeichen

Das CE-Zeichen bietet keinen umfassenden Umwelt- und Gesundheitsschutz.

Neue Regelungen sind in Arbeit

Von deutscher Seite aus wird bereits an einer alternativen Lösung gearbeitet. Die Bundesländer wollen das EU-Urteil umgehen, indem die materiellen Anforderungen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz in die bereits vorhandene Musterbauordnung integriert werden. So würden dann einfach ganze Gebäude bestimmten Sicherheitsstandards entsprechen müssen.

Einen Entwurf für eine solche "Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen" (VV TB) gibt es schon. Aber da insgesamt 85 Institutionen, Verbände und Firmen mit unterschiedlichen Interessen an der Entwicklung mitwirken, ist auch hier nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen. Das Hauptproblem: Wer soll demnächst die Tests auf Schadstoffe durchführen und wie soll man Produkte ohne eine dementsprechende Kennzeichnung überhaupt erkennen können?

Verbraucher können ausweichen

Verbraucher können aber selber etwas tun. Bis die neuen Regelungen in Kraft treten, können sie auf Produkte ausweichen, die von den Herstellern freiwillig unabhängig getestet werden. Diese sind auch weiterhin mit entsprechenden Siegeln gekennzeichnet und haben zudem oft sogar noch höhere Anforderungen als das Ü-Zeichen.

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt hier den "Blauen Engel", das "Nature Plus"-Siegel und das Siegel des Kölner Eco-Instituts. Bei allen diesen Siegeln sind komplette Listen der getesteten Produkte über das Internet einsehbar. Es muss also niemand erst mühsam von Baumarkt zu Baumarkt pilgern um dementsprechende Waren zu finden.

Stand: 18.10.2016, 13:10