Permakultur – Für dauerhaften Erntesegen

So schön kann Permakultur sein, wie hier im Umweltkulturpark Dortmund

Permakultur – Für dauerhaften Erntesegen

Von Sabine Krüger

Die Australier Bill Mollison und David Holmgren entwickelten vor circa 40 Jahren die Permakultur. Dafür gab es den Alternativen Nobelpreis. Kurz darauf wurde das Konzept in Dortmund umgesetzt – bis heute. Es scheint aktueller denn je.

Permakultur - Für dauerhaften Erntesegen

WDR 4 Drinnen und Draußen | 12.08.2017 | 02:29 Min.

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Permakultur – Wildheit mit System

Permakultur bedeutet so viel wie "nachhaltige Landwirtschaft". Das Ziel ist, dauerhaft zu ernten. Das geht nur mit der Natur, nicht gegen sie. Für dieses Konzept gab es 1981 den Alternativen Nobelpreis. Ein Garten in Dortmund lebt die Idee.

Ulla Riesberg bewirtschaftet zusammen mit vierzehn weiteren Aktiven den Perma-kulturgarten in Dortmund

Ulla Riesberg bewirtschaftet zusammen mit vierzehn weiteren Aktiven den Permakulturgarten in Dortmund. Entstanden ist der Garten 1986, er ist 2.500 qm groß und eingebettet in den Dortmunder Umweltkulturpark. Das Projekt der Pioniere von damals, hier eine Lebensgemeinschaft, inklusive Tierhaltung, zu gründen sei zwar gescheitert. "Wir versuchen hier aber weiterhin nach den Prinzipien der Permakultur zu gärtnern", so Ulla Riesberg.

Ulla Riesberg bewirtschaftet zusammen mit vierzehn weiteren Aktiven den Permakulturgarten in Dortmund. Entstanden ist der Garten 1986, er ist 2.500 qm groß und eingebettet in den Dortmunder Umweltkulturpark. Das Projekt der Pioniere von damals, hier eine Lebensgemeinschaft, inklusive Tierhaltung, zu gründen sei zwar gescheitert. "Wir versuchen hier aber weiterhin nach den Prinzipien der Permakultur zu gärtnern", so Ulla Riesberg.

Typisch für die Permakultur ist der Anbau von Pflanzen, die sich selbst versamen, wie zum Beispiel hier im Bild der Baumspinat, auch Magentaspreen genannt. Er kann wie Mangold oder Spinat gegessen werden. Von diesen spinatähnlichen Pflanzen wachsen viele im Dortmunder Permakulturgarten: Amaranth, Neuseeländer Spinat, der Gute Heinrich und die Gänsedistel. Deren spitze Blattenden werden beim Kochen weich.

"Ein Prinzip der Permakultur lautet: Jedes Element soll mehrere Funktionen erfüllen", erklärt Ulla Riesberg. Der Teich liegt südlich vom Anlehn-Gewächshaus, reflektiert die Sonne und wärmt damit das Gewächshaus zusätzlich. Er ist Lebensraum für Wassertiere und Tränke für Vögel und Insekten. Er schafft ein eigenes Mikroklima und somit Lebensraum für Pflanzen, die sonst hier nicht wachsen würden.

Sonnenfallen-Beete sind ein weiteres typisches Element der Permakultur. Flächen, die nach Süden ausgerichtet sind, erhalten hinten eine halbrunde Trockenmauer, die die Sonne zusätzlich reflektiert. Dahinter stehen hochwachsende Stauden, die den Wind von Norden her abhalten: zum Beispiel rosafarbener Wasserdost, weiß-blühender Eibisch, Weinraute und Weberkarden. Die Stauden sind auch Bienenweiden und die Trockenmauern Lebensräume für Ringelnattern und Molche.

Permakultur heißt auch: Beobachte deinen Garten und pflanze, was dort gut gedeiht. Im Dortmunder Permakulturgarten hat das Team gute Erfahrungen mit Wildtomaten gemacht. "Trotz des lange sehr nassen Wetters haben sie noch keine Braunfäule". Mischkulturen, wie hier Tomaten und Lauch, brauchen weniger Platz, und der Lauch schützt vor Schimmelpilzen.

Zuweilen wird die Mischkultur hier auch international. Das koreanische Ehepaar Jesaja und Rebecca Lee kombiniert deutsche Bohnen mit koreanischen Einlegegurken. Koreanische Zucchinis (im Bild) gedeihen prächtig an einem Rankgerüst. Koreanischer Beifuß und deutscher Rainfarn sollen mit ihrem Geruch Schnecken abhalten.

Ein wichtiges Anliegen der Permakultur ist auch die Artenvielfalt. Deshalb hütet der Dortmunder Garten auch einige alte Sorten, wie den Andorn. Seine Blätter und Blüten helfen als Tee gegen Verschleimungen der Luftwege und Lungen. Die Heilpflanzen wachsen hier auf einem Hügelbeet, dem "Heilpflanzenhügel".

Eine weitere alte Heilpflanze ist das Herzgespann, das zudem sehr interessant aussieht. "Ja, schön darf es auch sein in der Permakultur", kommentiert Ulla Riesberg lachend. Als Tee, gemischt mit Johanniskraut, Weißdorn, Melisse und Baldrian soll das Herzgespann gegen nervöse Herzbeschwerden und Schlaflosigkeit helfen.

Nicht zuletzt geht es in der Permakultur auch um Mitmenschlichkeit: Kooperation statt Konkurrenz ist die Devise. Das scheint gut zu klappen: Jesaja und Rebecca Lee sind schon zwölf Jahre dabei, Ulla Riesberg 18 Jahre und Ulrike Günther vier Jahre. Die Flötistin bei den Dortmunder Philharmonikern bedauert, dass sie abends oft arbeiten muss, wenn die anderen gärtnern.

So schön kann Permakultur sein! Orangefarben leuchten die Beeren des Sanddornbaums ganz hinten. Links davor setzt die Verbene (auch Eisenkraut) lilafarbene Akzente und imposant ragen die gelben Königskerzen in die Höhe. Vielleicht werden die Stangenbohnen rechts vorne sie bald überragen.

Vielfalt gegen Monokulturen

Als Bill Mollison in den 70er Jahren beobachtete, dass Monokulturen den Boden zerstörten, fragte er sich, wie eine Landwirtschaft aussehen könnte, die mit der Natur arbeitet. Impulse bekam er vom respektvollen Umgang der Aborigines mit der Natur. Beobachten, Zusammenhänge erkennen und Artenvielfalt fördern wurden zentrale Elemente der von ihm und seinem Schüler David Holmgren entwickelten Permakultur. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus dem englischen "permanent" und "agriculture", übersetzt also "nachhaltige Landwirtschaft".

Dortmund: Permakultur auf 2.500 qm

Mit dem Alternativen Nobelpreis 1981 verbreitete sich das Konzept weltweit. In Deutschland entstand Mitte der 80er einer der ersten Permakulturgärten in Dortmund. Heute bewirtschaften 15 Vereinsmitglieder das Gelände von 2.500 qm, eingebettet in den Dortmunder Umweltkulturpark. Der Garten ist geprägt von fließenden Formen. Eckige Beete sieht man kaum. Hinter dem vermeintlichen Wildwuchs steckt aber System und Methode. Nach dem Vorbild der geschlossenen Kreisläufe in der Natur sollen sich selbst erhaltende Systeme aufgebaut werden.

Jedes Element erfüllt mehrere Funktionen

"Ein Prinzip der Permakultur lautet: Jedes Element soll mehrere Funktionen erfüllen", erklärt Ulla Riesberg, Vorstandsmitglied im Dortmunder Permakulturverein. Sie erläutert das anhand des Anlehn-Gewächshauses und des Teiches davor: "Der Teich liegt südlich vom Gewächshaus. Er hat die Funktion, die Sonne zu reflektieren und dadurch auch nochmal das Anlehn-Gewächshaus wärmer zu machen. Gleichzeitig ist der Teich aber auch Lebensraum und Trinkwasser für Tiere. Er verändert das Mikroklima, also können da nochmal andere Pflanzen wachsen."

Spinaternte garantiert

Der Umkehrschluss des Prinzips soll auch gelten: Jede Funktion wird von mehreren Elementen erfüllt. Im Permakulturgarten wachsen zum Beispiel mehrere spinatähnliche Pflanzen, wie der Baumspinat, der Neuseeländer Spinat, der Gute Heinrich oder die Gänsedistel. Wenn eine in einem Jahr nicht wächst, weil das Klima nicht stimmte oder Schnecken sie abgefressen haben, kann man immer noch von den anderen Pflanzen ernten. "Die spitzen Blattenden der Gänsedistel werden beim Kochen weich. Zusammen mit Kartoffeln und Spiegelei schmecken die echt lecker!", schwärmt Ulrike Günther, die auch hier gärtnert.

Permakultur auch für Hausgarten und Balkon

Wichtig ist den Dortmunder Permakultur-Gärtnern, dass man das Prinzip auch im Reihenhaus-Garten oder sogar auf dem Balkon umsetzen kann. "Platzsparende Mischkulturen und vertikales Gärtnern machen das möglich", ermutigt Ulla Riesberg. "Wir sind keine Experten und wollen auch nicht andere Gärten planen, denn bei der Permakultur geht es ja gerade darum, selbst Schlüsse aus dem eigenen Standort zu ziehen. Aber Interessierte sind herzlich eingeladen, sich hier inspirieren zu lassen", so Ulla Riesberg. Vorher anmelden ist allerdings ratsam, denn es ist nicht immer jemand im Garten.

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Permakultur. Grundlagen und Praxisbeispiele für nachhaltiges Gärtnern
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Stand: 12.08.2017, 11:01