Genuss pur! Mobile Saftpresse

Äpfel werden vor dem Pressvorgang im Saftmobil gewaschen

Genuss pur! Mobile Saftpresse

Von Sabine Krüger

Frischer Saft ist lecker! Wer Obstbäume hat oder bei anderen pflücken darf, kann die Ernte in Saftmobilen pressen lassen. Diese touren gerade durch Nordrhein-Westfalen.

Eigener Saft von eigenen Äpfeln

Frisches Obst ist etwas Herrliches. Zu Saft gepresst kann man sich diese spätsommerlichen Vitamine in den Winter hinüber retten. Mobile Saftpressen machen es möglich.

Walter Jordans (BUND), Gerhard Kuckertz (DGA) und Bernd Virnich (BUND) hinten stehend von links sowie vorne sitzend Lothar Kurth (BUND)

Im Kreis Düren gibt es das Saftmobil seit acht Jahren. Es ist eine Kooperation der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz des Kreises Düren (BUND). Und das sind sie, die "Vier von der Press-Stelle": Walter Jordans (BUND), Gerhard Kuckertz (DGA) und Bernd Virnich (BUND) hinten stehend von links sowie vorne sitzend Lothar Kurth (BUND). Gerhard Kuckertz leitet die vier Mitarbeiter der DGA an, die die Geräte auf dem Mobil bedienen.

Im Kreis Düren gibt es das Saftmobil seit acht Jahren. Es ist eine Kooperation der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz des Kreises Düren (BUND). Und das sind sie, die "Vier von der Press-Stelle": Walter Jordans (BUND), Gerhard Kuckertz (DGA) und Bernd Virnich (BUND) hinten stehend von links sowie vorne sitzend Lothar Kurth (BUND). Gerhard Kuckertz leitet die vier Mitarbeiter der DGA an, die die Geräte auf dem Mobil bedienen.

Einer von ihnen (links im Foto) hilft beim Ausladen und wäscht das angelieferte Obst. Mehrere Stunden lang Wäschekörbe voll Obst auf das Mobil und in den Waschzuber zu hieven, ist anstrengend. "Aber es macht Spaß! Die Kunden sind nett und haben immer ein freundliches Wort", sagt der DGA-Mitarbeiter lachend.

Als erstes wird das Obst gewaschen. Ein paar Macken oder Würmer schaden nicht, denn alles wird später erhitzt. "Nur wenn eine Frucht mehr als zur Hälfte vergammelt ist, sortieren wir sie aus", erklärt der DGA-Mitarbeiter. Dann wird das Obst zum Schreddern weitertransportiert.

Sein Kollege bedient den Schredder. Das Zerkleinern des Obsts macht das Pressen ergiebiger. Man bekommt so also mehr Saft. Das kleingehäckselte Obst wird in Tücher gepackt und in die Presse gelegt, die der nächste Kollege im Griff hat.

In mehreren Lagen wird der so zerkleinerte Obstbrei übereinandergeschichtet und unter Hochdruck zusammengepresst. Der entstehende Fruchtsaft wird dann über Schläuche in Metalltanks geleitet. Auf ihnen kleben Namenszettel, damit jeder Kunde auch wirklich den Saft von seinen eigenen Früchten bekommt.

Aus den Tanks zur Zwischenlagerung fließt der Saft wieder über Schläuche in die Pasteurisier-Maschine. "Hier wird der Saft auf knapp 80 Grad erhitzt, damit er haltbar bleibt, und wird danach heiß in einen Folienschlauch geleitet, der fünf Liter fasst", erklärt Bernd Virnich vom BUND. Zum Schluss kommt das Ganze noch in Kartons, die wiederverwertbar sind.

Auch Benedikt Jansen mit seinem Sohn Moritz aus Echtz hat die alten Kartons wieder mitgebracht. So kosten die fünf Liter Saft 4,50 Euro statt 5 Euro. Wegen der Spätfröste in diesem Jahr ist seine Ernte geringer ausgefallen und er kann nur acht Kartons mit nach Hause bringen. "Es gab schon Jahre, da sind wir mit dem Anhänger hierher gefahren und jetzt nur mit der Kofferraumladung", so seine Bilanz.

Diana Pletenecky aus Alsdorf ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Kürzlich hat sie schon 420 Kilo Äpfel gebracht, heute sind es circa eine halbe Tonne Birnen. Gesammelt hat sie das Obst mit Helfern auf Wiesen zwischen Schlich und Derichsweiler. Die gehören dem Eigentümer der Weide, auf der ihr Pferd steht, und den Bauern in seiner Nachbarschaft.

Den Birnensaft von Diana Pletenecky findet Prinz Albert-Henri von Merode so lecker, dass er Lust bekommen hat, künftig von der Birnensorte "Merode" Schnaps zu machen. Heute holt er aber Apfelsaft ab, dessen Früchte von Bäumen beim Forsthaus Jüngersdorf stammen. "Mein Vater ist Schirmherr der Langerweher Gruppe des BUND. Deren Aktive beschneiden die Bäume fachmännisch und wir teilen uns den Ertrag", so Prinz Albert-Henri von Merode.

Neben Äpfeln und Birnen verarbeitet die Mobile Presse auch Trauben und Quitten zu Saft. Gerade bei den harten Quitten erleichtert das die Arbeit ungemein, wenn man von den Früchten Gelée machen möchte.

Genuss pur! Mobile Saftpresse

WDR 4 Drinnen und Draußen | 30.09.2017 | 02:38 Min.

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Waschen – Zerkleinern – Pressen – Erhitzen

Auf dem Saftmobil im Kreis Düren arbeiten vier Kollegen der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA). Hinten stehen drei Mitarbeiter an verschiedenen Maschinen. Der erste hilft beim Entladen der Früchte, die die Kunden bringen, und wäscht sie maschinell. Der nächste bedient den Shredder, der das Obst zerkleinert. Nun übernimmt der Kollege an der Presse. Von dort fließt der Saft in Schläuchen in Tanks, die vorne stehen. Der Kollege dort arbeitet alleine an der Pasteurisier-Maschine. Diese erhitzt den Saft auf knapp 80 Grad. Heiß wird er in einen Folienschlauch gefüllt und in einen Karton gepackt. Fertig ist der Saft ganz ohne Chemie!

Königliche Apfelsorten

Gerhard Kuckertz leitet die vier DGA-Mitarbeiter an. Das Mobil wird von der DGA betrieben, gehört aber dem BUND im Kreis Düren. Kuckertz hat selbst Streuobstwiesen und lässt seine Ernte auch pressen. Sein Saft schmeckt besonders gut. Der Trick dabei: Verschiedene Früchte mischen! Hier: Äpfel der Sorten "König Ludwig", "Kaiser Wilhelm", "Weißer Winterglockenapfel", "Boskop" und "Cox Orange" sowie Pastoren- und Lukasbirnen. "Birnen verfeinern den Geschmack, haben aber weniger Säuerungsmittel als Äpfel. Daher sollte man höchstens 20 Prozent Birne beimischen, damit der Saft ungeöffnet ein Jahr lang haltbar bleibt", so Kuckertz.

Adelige Früchte

Zu den Kunden des Dürener Saftmobils gehört auch die belgische Prinzenfamilie von Merode aus dem benachbarten Schloss. Deren Obstbäume werden von den Aktiven des BUND fachmännisch geschnitten. Im Gegenzug erhalten sie die Hälfte des Ertrags. Prinz Charles-Louis von Merode ist auch Schirmherr der Langerweher Ortsgruppe. Sein ältester Sohn Prinz Albert-Henri holt heute den Familienanteil ab: "Unsere Vorräte aus dem letzten Jahr neigen sich dem Ende", erzählt er. Seine Tochter Marie-Blanche findet vor allem die Presse spannend. Und er selbst möchte gerne, nach dem Rezept der Großmutter aus der Normandie, Calvados machen.

Streuobstwiesen für Artenvielfalt

Nach vier Stunden Obstpressen im Akkord bilanziert Bernd Virnich vom BUND: "Wir haben heute ungefähr 900 Liter Saft gepresst". Sein Kollege Lothar Kurth überschlägt: "Dann hatten wir ungefähr 1.400 Kilogramm Früchte. Denn man rechnet, dass man ungefähr zwei Drittel der Obstmenge in Saft erhält." Der Erlös von fünf Euro pro Karton kommt den Streuobstprojekten des BUND zugute: Damit werden Obstbäume geschnitten, Blühstreifen und weitere Streuobstwiesen angepflanzt. "Streuobstwiesen sind Heimat für viele verschiedene Arten, zum Beispiel den Steinkauz", erklärt Lothar Kurth.

Saftpresse unterstützt Teambildung

Wer Obst pressen lassen möchte, sollte mindestens 60 Kilogramm Früchte zusammen bekommen. Wer selbst nicht so viel hat, könne sich gerne mit seinen Nachbarn zusammentun und dann den Ertrag teilen. Die Wartezeit bis alles gepresst ist, kann man auch zur Obstsortenbestimmung nutzen. Wie eine Dame, die nicht wusste, welche Bäume sie auf ihrem Grundstück hat. "Obstsortenbestimmung ist schwierig, aber wir haben es geschafft. Der Apfel war eine 'Schafsnase'. Eine Sorte, die ich besonders lecker finde", strahlt Lothar Kurth.

Lesetipps

Streuobstbau. Obstwiesen erleben und erhalten
Autoren: Markus Zehnder, Friedrich Weller
Ulmer Verlag, 2016
29,90 €

Obstwiesen. Ein Naturparadies neu entdecken
Autor:  Claus-Peter Hutter, Franckh
Kosmos Verlag, 2014
16,99 €

Stand: 30.09.2017, 00:00