Lärm macht Ärger im Mietshaus

Lärmbelästigung

Lärm macht Ärger im Mietshaus

Zu dünne Wände, zu lebhafte Nachbarn, zu lange und heftige Renovierungsarbeiten – Lärm gehört zu den Top-Streitthemen in Mietshäusern. Er macht viel Ärger. Und manchmal sogar richtig krank.

Lärm macht Ärger im Mietshaus

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 23.09.2017 | 15:22 Min.

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Lärm – was ist das überhaupt?

"Lärm ist das Geräusch der anderen" – so hat es Kurt Tucholsky einst definiert. Die Wahrnehmung von Geräuschen als Lärm hängt nämlich nicht nur von messbaren physikalischen Größen, wie Tonhöhe oder Schalldruck, ab. Auch ganz subjektive Faktoren spielen eine Rolle – so kann selbst das Vogelgezwitscher vor dem Fenster störender Krach sein für den, der gerade schlafen will.

Heute wird Lärm z.B. in Gesetzestexten ganz offiziell als "unerwünschter Schall" definiert. Und egal, ob der nun subjektiv oder messbar ist, die Forschung hat's bewiesen: Selbst bei akustischer Gewöhnung kann Lärm auf Körper und Psyche wirken und zwar nicht nur störend und belastend, sondern auch gesundheitsschädigend. Martin Grebe, als Rechtsanwalt seit fast 20 Jahren für den Mieterverein Dortmund tätig, benennt typische körperliche Symptome: "Es fängt mit Schlafstörungen und Schlafentzug an. Lärmdauerbelastung kann Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Massiverer Dauerlärm kann schlimmstenfalls auch zu Gehörschädigungen führen."

Strittiger Lärm im Mietshaus

Laute Musik ist ein häufiges Streitthema unter Mietern. Im Sommer und Spätsommer sorgen spätabendliche Grillpartys oft für Unmut bei den nicht eingeladenen Nachbarn. Auch Kinderlärm führt in Mietshäusern häufiger zu Streit. Generell, so Martin Grebe vom Mieterverein Dortmund, beobachte man bei den Mietervereinen in den letzten Jahren einen Trend zu mehr Nachbarschaftskonflikten. Geringere Rücksichtnahme aufeinander sei "nicht nur Zeitgeist, sondern auch Praxis". Manchmal liege die Lärmbelästigung aber auch an baulichen Mängeln – zum Beispiel in schönen alten Häusern, die allerdings zu Zeiten gebaut wurden, als offenbar vor allem der "Trittschallschutz" noch keine entscheidende Rolle gespielt hat.

Problem "hellhörige Wohnung"

Schallschutzvorschriften gibt es erst seit den 1960er Jahren. Als Vermieter einer Wohnung in einem Jugendstilhaus (Baujahr um 1900) ist man nicht zu Nachrüstungen von Wänden und Decken verpflichtet. Wurde bzw. wird im Nachhinein z.B. Laminatboden verlegt, so waren/sind dabei allerdings aktuelle Trittschallvorschriften zu beachten. Wenn man als lärmgeplagter Mieter selbst Decken und Wände schalldichter machen (lassen) möchte, gibt es dazu verschiedene technische Möglichkeiten. Da es sich in der Regel um bauliche Veränderungen handelt, braucht man dazu in jedem Fall die Erlaubnis des Vermieters. Man kann (und sollte) ihn auch darum bitten, sich an den Kosten der Schallschutzmaßnahme zu beteiligen. Einen Rechtsanspruch auf einen solchen Zuschuss hat man als Mieter hier aber nicht.

Problem "rücksichtslose Nachbarn"

Wenn eine Mitpartei fortgesetzt für rücksichtslosen Radau im Haus sorgt und der darüber informierte Vermieter nicht durchgreift, darf man dann die Miete mindern? "Grundsätzlich ja", sagt Martin Grebe vom Mieterverein, allerdings müsse es sich um "grundsätzlich vermeidbaren Lärm" handeln. Und tatsächliche Lärmquelle und Lärmbelastung müssten vom betroffenen Mieter auch durch nachvollziehbare Protokolle (Lärmbeschreibungen) belegt werden. Fallen in der Wohnung über einem andauernd Gegenstände auf den Boden, wird nebenan regelmäßig lautstark und noch dazu bei offenem Fenster gestritten – und ist dieses Problem weder durch persönliche Gespräche mit den Nachbarn noch durch Anzeige beim Vermieter abzustellen, dann rechtfertigt das grundsätzlich eine Mietminderung – in der Regel zwischen 10 und 20 Prozent. Um wie viel genau die Miete im konkreten Fall tatsächlich gemindert werden darf, das kann der Laie aber nur schwer beurteilen. Der Rechtsanwalt Martin Grebe warnt davor, sich einfach so ohne fachliche Beratung an irgendwelchen Mietminderungstabellen im Internet zu orientieren.

Nächtliches Waschen, Schleudern, Duschen

Die rappelnde und hüpfende Waschmaschine – ein Lärmklassiker! Grundsätzlich ist das Betreiben einer Waschmaschine in der Wohnung erlaubt. In den Nachtstunden (nach 22 Uhr) allerdings im Mietshaus grundsätzlich tabu. Hat die Maschine z.B. einen geräuschvollen Lagerschaden, dann könne sie, so Martin Grebe vom Mieterverein, schon für den Tagesbetrieb zu laut sein. Dann müsse man mit Rücksicht auf die anderen Mieter im Haus reparieren lassen oder das Gerät ersetzen. Duschen und baden dürfe man als Mieter zu jeder Tages- und Nachtzeit, entsprechende Geräusche sind in der Regel von Nachbarn hinzunehmen. Auch hier seien allerdings zeitliche Grenzen gesetzt – länger als 30 Minuten sollte es nicht dauern, nächtliches oder frühmorgendliches Dauerduschen bzw. -baden in der Nachbarwohnung muss also nicht klaglos hingenommen werden.

Stand: 23.09.2017, 00:00