Elektro-Mobilität für Mieter leichter als gedacht

Ein Elektroauto wird mit einem Stromkabel an einer Ladesäule mit Ökostrom geladen

Elektro-Mobilität für Mieter leichter als gedacht

Von Dirk Groß-Langenhoff

  • Mieter brauchen Erlaubnis eine Ladesäule aufzustellen
  • Hürden niedriger als so mancher Mieter glaubt
  • Vermieter oft aufgeschlossen gegenüber E-Mobilität

Der Verkauf von Elektro-Autos kommt nicht entscheidend voran. Selbst die von der Bundesregierung ausgelobte Prämie von 4.000 Euro für den Kauf eines E-Autos konnte daran nicht viel ändern. Gerade mal fünf Prozent der Fördersumme wurden bisher bundesweit abgerufen. Das hat verschiedene Gründe.

Problem: niedrige Reichweite

Zum einen sind die Reichweiten der bezahlbaren Elektro-Autos viel zu niedrig, um weite Strecken damit fahren zu können. Nach 150 bis 250 Kilometern ist der Akku meistens leer. Dann muss das Auto erst einmal mehrere Stunden wieder ans Aufladekabel.

Ladesäule von Innogy an einem öffentlichen Parkplatz

Öffentliche Ladesäulen werden bisher selten genutzt

Apropos Kabel: Es gibt inzwischen zwar in den meisten Städten öffentliche Parkplätze mit Ladesäulen. Doch wer will schon ewig weit weg von seiner Wohnung parken? Und so ist vor allem für viele Mieter die fehlende Ladesäule am gemieteten Stellplatz ein Hauptargument gegen ein Elektro-Fahrzeug.

Dabei sind die Hürden für Mieter niedriger, als so mancher glaubt. Große Vermieter im Ruhrgebiet wie Allbau in Essen, Vonovia in Bochum oder Vivawest in Gelsenkirchen lassen mit sich reden, wenn ihre Mieter gerne eine Ladesäule neben ihrem Stellplatz hätten.

Die Allbau-Zentrale in Essen

Die Allbau-Zentrale in Essen

Allbau und bei Vivawest sagen, man sei grundsätzlich offen gegenüber Ladesäulen an Mieter-Stellplätzen sei. Allerdings müsse der Mieter für die Installation aufkommen und selbstverständlich bei Auszug auch wieder für den Abbau der Ladesäule zahlen. Bei neueren Gebäuden wollen die Wohnungsbaugesellschaften sogar gleich eine Ladesäule integrieren.

Bei Vonovia bekommen die Mieter mit dem Wunsch einer eigenen Ladesäule sogar noch mehr Unterstützung. Der Bochumer Immobilienriese würde die hohen Kosten sogar selbst übernehmen. "Allerdings steigt danach die Miete für den Stellplatz", sagt Unternehmenssprecherin Bettina Benner.

Ladesäule einfach mieten

In monatlichen Raten lassen sich auch Ladesäulen der Stadtwerke Bochum bezahlen. Als erstes Energieversorgungsunternehmen in Deutschland bieten die Stadtwerke einen Mietkauf der teuren Ladesäulen an. Nach acht Jahren kann man sich dann entscheiden, ob man ein neues Modell mieten will oder das alte mietfrei behalten möchte.

Das Angebot der Stadtwerke ist möglicherweise eine gute Lösung, wenn der Vermieter grundsätzlich zwar nichts gegen eine Ladesäule hat, deren Installation aber nicht bezahlen möchte. Noch tendiert die Nachfrage bei den Wohnungsbaugesellschaften im Ruhrgebiet aber gegen null. Doch das könnte auch daran liegen, dass viele Mieter ihre Möglichkeiten gar nicht kennen. Denn aktiv geworben wird dafür bisher nicht.

Stand: 16.04.2017, 08:00