Kellerbrände - die unterschätzte Gefahr

Kellerbrände - die unterschätzte Gefahr

Von Maria Kümpel

Für Feuerwehrleute gehören Kellerbrände zu den gefährlichsten Einsätzen überhaupt. Wenig Licht, keine Fenster, giftiger Qualm. Auch für die Hausbewohner sind sie tückisch. Oft bemerkt man den Brand erst, wenn das Treppenhaus voller Rauch ist. Dann ist der Fluchtweg abgeschnitten.

Giftiger Rauch, enormer Druck

Bei einem Kellerbrand herrscht ein Druck wie in einem Schnellkochtopf. Es wird bis zu 1000 Grad Celsius heiß. Deshalb der Rat: Bei Brandverdacht auf keinen Fall von außen die Kellertür aufmachen. Das kann zu Verbrennungen durch den heißen Brandrauch führen und sogar tödlich sein.

„Der entscheidende Unterschied ist, dass beim Zimmerbrand große Fenster da sind und man deswegen Rauch und Wärme gut abführen kann", sagt René Schubert, Leiter der Feuerwehr Ratingen. „Bei einem Kellerbrand haben wir häufig nur kleine Fenster, kleine Lichtschächte und die Tür zum Treppenraum ist zu und dementsprechend können die Wärme und der Rauch nicht so gut abgeführt werden.“

Warum brennt es so oft im Keller?

Wenn die Feuerwehr zu einem Kellerbrand ausrücken muss, ist es oft der Trockner, der in Flammen steht, gefolgt von der Waschmaschine. Doch die häufigste Ursache sind Brandstiftungen. Meistens brennt das, was im Flur steht, vor allem Sperrmüll und Kinderwagen. Das ist das Hauptproblem bei Mehrfamilienhäusern – ganz besonders gefährlich ist es in Hochhäusern.

Deshalb rät Brandschutzmeister Joachim Herbrand: „Wichtig ist, dass die Kellertür im normalen Betrieb verschlossen ist und dass sie nach dem Öffnen selbsttätig schließt, also ins Schloss fällt. Sie darf auf gar keinen Fall aufgekeilt sein.“

Wenig Raum, viel Gerümpel

Autoreifen, Matratzen, Kinderwagen, Sperrmüll, hochgestapelt bis an die Decke. Ein Funke findet im Keller reichhaltige Nahrung. Das Problem: Fast alles darf in den Keller. Explizit verboten ist nur das Lagern von Gas, zum Beispiel von Campinggasflaschen. Brennbare Flüssigkeiten, zum Beispiel Benzin oder Diesel, dürfen nur in kleinen Mengen gelagert werden, aber selbst das ist gefährlich. Auch Sprayflaschen, zum Beispiel mit Lackresten, liegen in vielen Kellern und können explodieren, wenn ein Brand ausbricht. Besonders gefährlich ist es, wenn alles kreuz und quer steht.

Was tun, wenn´s brennt?

Feuerwehrleiter René Schubert rät: „Als erstes die Feuerwehr rufen und die Mitbewohner informieren. Danach dafür sorgen, dass kein Brandrauch in die Wohnung kommt. Ein nasses Handtuch an die Türunterkante legen, damit durch den Luftspalt kein Rauch in die Wohnung eindringt. Danach bitte zum Fenster oder zur Tür gehen und auf die Feuerwehr warten. Wenn die Feuerwehr eintrifft, sich durch Winken bemerkbar machen.“

Kellerbrand

Bei einem Kellerbrand sollte man dafür sorgen, dass kein Rauch durch den Türschlitz in die Wohnung zieht.

Vorbeugung kann Leben retten

Wie sind die Kabel verlegt? Gibt es eventuell Löcher in den Wänden, wodurch sich das Feuer hier unkontrolliert ausbreiten könnte? Brandschutzmeister Joachim Herbrand wird oft Vermietern wie Wohnungsgenossenschaften bestellt, um nach möglichen Schwachstellen in den Kellern zu schauen. „Die Decke muss eine bestimmte Qualifikation haben, sie muss dem Feuer 90 Minuten standhalten. Im Kellergeschoß befinden sich aber alle Hausanschlüsse, also der Elektrohausanschluss, Gas, Wasser und Abwasser, denn alles muss vom Keller aus in die einzelnen Geschosse verteilt werden. Dadurch haben wir in der Decke immer wieder Durchbrüche. Da muss man regemäßig darauf schauen, dass die geschlossen sind.“

Auch Rauchmelder können für mehr Sicherheit sorgen, weil so Entstehungsbrände frühzeitig entdeckt werden. Für die meist schalldicht abgeriegelten Keller sind funkvernetzte Rauchmelder sinnvoll, bei denen die dazugehörigen Rauchmelder in den oberen Geschossen gleichzeitig Alarm schlagen. 

Dadurch werden die Kellerbrände zwar nicht weniger, aber sie fordern weniger Opfer.

Stand: 06.09.2017, 18:15