Infrarotheizung - Schick, aber teuer

Heizungsthermostat auf Nachabsenklung vor Euroscheinen

Infrarotheizung - Schick, aber teuer

Von Katja Scherer

Gerade in NRW heizen viele Menschen noch mit Nachtspeicheröfen – und das ist in der Regel sehr teuer. Viele Anbieter bewerben nun die Infrarotheizung als eine günstigere Alternative. Doch Vorsicht – das gilt nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.

Wie funktioniert die Infrarotheizung?

Eine Infrarotheizung wird wie eine Nachtspeicherheizung auch mit Strom betrieben. Anders als den Nachtspeicherofen muss man den Infrarotstrahler aber nicht vorab aufladen, sondern man kann ihn einfach anschalten und direkt nutzen. Auch das Heizprinzip ist ein anderes: Eine Nachtspeicherofen erwärmt – genau wie Gas- und Ölheizungen – die Raumluft und die wiederum wärmt die Menschen. Die Infrarotheizung dagegen sendet Strahlung aus, die in Wärme umgewandelt wird, sobald sie auf Oberflächen trifft. Vereinfach gesagt bedeutet das: Die Infrarotheizung erwärmt erst die Gegenstände im Raum und dadurch auch die Raumluft – also genau umgekehrt wie ein Nachtspeicherofen.

Infrarotheizung - Schick, aber teuer

WDR 2 Servicezeit | 06.10.2017 | 03:37 Min.

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Was sind die Vorteile?

Nachspeicheröfen stehen meist als etwa breiter, sperriger Kasten an der Wand und nehmen in der Wohnung viel Platz weg. Eine Infrarotheizung ist dagegen eine etwa fünf Zentimeter breite Platte, die sich – in schlichtem weiß gehalten – kaum von der Wand abhebt. Rein optisch sind Infrarotheizungen also auf jeden Fall eine Verbesserung. Wer will, kann die Infrarotheizung sogar ganz bewusst als Raumdekoration benutzen. Einige werben damit, dass man statt einer schlichten weißen Heizplatte auch ein Foto als Oberfläche verwenden kann – man hat dann also quasi ein "heizendes Bild" in der Wohnung hängen. Weitere Vorteile: Infrarotheizungen gelten als vergleichsweise kostengünstig in der Anschaffung, einfach zu installieren und man spürt schneller als bei einer klassischen Heizung, dass es im Raum warm wird.

Und sind die Heizungen auch günstiger?

Damit wird oft geworben: Manche Hersteller versprechen Einsparungen von bis zu 30 Prozent. Verbraucherschützer warnen allerdings, dass das nicht stimmt. Gerade im Vergleich zu Öl und Gas sind Stromheizungen wie die Infrarotheizungen sehr teuer. Nach Angaben des Bundes der Energieverbraucher kostet eine Kilowattstunde Strom 30 Cent, im Vergleich zu nur sieben Cent bei Öl und Gas. Außerdem gelten Stromheizungen als sehr umweltschädlich, wenn sie mit Kohlestrom betrieben werden. Auch im Vergleich zu Nachtspeicheröfen sind Infrarotheizungen nicht immer günstiger. Für viele Nachtspeicherheizungen gibt es nämlich günstige Nachtstromtarife: Das heißt, die Heizung wird nachts mit günstigem Strom aufgeladen, der dann tagsüber verbraucht wird. Für Infrarotheizungen gibt es solche Tarife in der Regel nicht.

Kann sich die Umrüstung trotzdem lohnen?

Nach Angaben des Bundes der Energieverbraucher kann eine Infrarotheizung dann finanziell sinnvoll sein, wenn Verbraucher einen Raum nicht durchgehend und nur punktuell beheizen wollen. Das kann zum Beispiel im Badezimmer sein, um es im Winter nach dem Duschen für ein paar Minuten warm zu haben. Auch in einer Gartenlaube oder in einem Gästezimmer, das nur wenige Nächte im Jahr beheizt wird, kann sich die Installation lohnen. Allerdings sollten sich Verbraucher vorab gut informieren und verschiedene Angebote vergleichen: Da der Markt für diese Technologie noch sehr jung ist, gibt es laut Experten aus der Forschung noch keine einheitlichen Qualitätsstandards für diese Heizungen – und daher auch manche Geräte mit geringem Wirkungsgrad auf dem Markt.

Stand: 06.10.2017, 11:10